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Neue Fotografie 09. August 2011 1 Kommentar

Die Geschichte im Gesicht

Wir stellen Ihnen jede Woche junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: Lee Jeffries über die Kunst des Schwarz-Weiß-Porträts.

Von Mira Kleine (Interview)  Fotos: Lee Jeffries

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Name: Lee Jeffries
Geboren: 1971 in Bolton, England
Ausbildung: Fotograf (Selbststudium)

SZ-Magazin: Herr Jeffries, wann haben Sie mit der Porträt-Fotografie angefangen?
Lee Jeffries: Alles begann mit der Begegnung mit einem jungen Mädchen in London. Sie lag zusammengekauert in einem Schlafsack auf dem Leicester Square. Ich habe aus der Entfernung ein Foto von ihr gemacht – das nahm sie mir übel. Zuerst wollte ich weggehen, aber irgendwas brachte mich dazu, sie trotzdem anzusprechen. Ihre Geschichte brach mir das Herz und veränderte meinen Blick auf Obdachlose. Die meisten meiner Bilder sind von Menschen, die ich auf der Straße getroffen habe, in den Vereinigten Staaten, in Europa und vor allem in England. Sobald ich rausgehe, habe ich immer meine Kamera dabei. Du kannst nie wissen, wer dir begegnet.

Warum fotografieren Sie in Schwarz-Weiß?
Schwarz-Weiß-Bilder fangen die Stimmung besser ein, sie sind emotionaler.

Kann ein Kindergesicht genauso viel erzählen wie das Gesicht eines 80-Jährigen?
Absolut. Als Fotograf kannst du etwas im Menschen erkennen, lange bevor du ihn fotografierst. Das Alter spielt dabei keine Rolle.

Trotzdem porträtieren Sie hauptsächlich alte Menschen ...
Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Wir leben in einer Welt, die das Ideal verehrt, die Jugend. Hier müssen wir eine Balance finden, die keine Altersgrenzen kennt. Jeder ist einzigartig und jedes Porträt erzählt seine eigene Geschichte, egal wie alt man ist.

Was sagen Falten über einen Menschen aus?

Ich möchte meine Fotos genau so machen, wie ich den Menschen sehe und wahrnehme. Dabei versuche ich, jedes Vorurteil außer Acht zu lassen und nicht Kunst um der Kunst willen zu kreieren. Ich bin eher ein Reporter, ein visueller Erzähler dessen, was ich sehe. Und wenn Bilder dabei helfen, Ungerechtigkeiten in der Welt aufzuzeigen, dann halte ich sie erst recht für gelungen. Aber es sind nicht die Falten, die in meinen Porträts die Geschichte erzählen: Es sind die Augen, immer die Augen.

Wer ist Ihr Lieblingsfotograf und warum?

Stephan Vanfleteren. Seine Porträts sind herausragende Beispiele für Menschlichkeit und Mitgefühl. Wenn Sie seine Arbeiten noch nicht gesehen haben, kann ich ihn nur wärmstens empfehlen!

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Kommentare

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Kommentar:

  • Ronald Vogel (0) Die Aufnahmen von Lee Jeffries sind bemerkenswert, weil sie als dunkle LowKey-Aufnahmen das Meiste im Antlitz verhüllen und das ungesehene unserer Fantasie überlassen.

    Gleichwohl geht es mir als Portrait-Fotograf so, dass das Alter eines Menschen sehr wichtig ist, denn als erfahrener Betrachter fällt es leicht in alten Gesichtern eine "Geschichte" zu entdecken. Umgekehrt sind junge Gesichter selten expressiv genug, um eine Geschichte zu erzählen. Zuträglich ist aus meiner Sicht hierbei nicht die Verhüllung von Details, sondern das Herausarbeiten von solchen.
    Auch sind die Augen alleine nicht wichtig, sondern die Physiognomie im Ganzen; dazu gehört insbesondere der Mund. Ich erwische mich beim Durchschauen der Bilder nach einem Shooting immer wieder dabei, wie ich denke: "Super Blick, aber der Mund ist leider nix ... Mist!".
    Bekannt ist auch, dass wir in unserem Kulturraum den Mund beim Beurteilen eines Fremden mit einbeziehen - im Gegensatz zu z.B. Menschen aus dem asiatischen Raum.

    Um Menschen präzise und mit einer "Geschichte" abzubilden, wähle ich für Charakter-Portraits daher bevorzugt Modelle ab ca. 30 Jahren aus und stelle sie mit allen Makeln ins Licht.

    Wie das aussieht, mag der geneigte Betrachter hier beurteilen: http://www.daedalus-v.de