Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München 25°
Anzeige
Anzeige

aus Heft 36/2011 Mode & Accessoires

Kann ich meinen Stil einfach ändern?

Seite 2: »Mein Aussehen regt die Fantasie von Regisseuren an«

Antje Wewer (Interview)  Fotos: Alexandra Kinga Fekete


Theaterschauspielerinnen wird nachgesagt, dass sie keine Hemmungen hätten, sich vor anderen auszuziehen. Wie ist das bei Ihnen?
Hinter der Bühne muss es schnell gehen, da ist keine Zeit, um sich zu schämen. Wenn ich arbeite, ziehe ich mich ohne Probleme vor den Technikern bis auf die Unterwäsche aus. Privat ist das was anderes und beim Film auch. Ich bin froh, dass mein Freund es bisher vermieden hat, mir eine Unterwäschenszene ins Drehbuch zu schreiben.

Sie haben mal gesagt: »Schön sein können andere besser.«
Weil ich im klassischen Sinne nicht hübsch bin. Ich bin wohl das, was man einen Typ nennt. Unter meinen Bildern stehen meistens Adjektive wie »herb«, »merkwürdig« oder »spröde«, aber nie die »hübsche« Fritzi Haberlandt.

Stört Sie das?
Nein. Ich profitiere davon! Mein Aussehen regt die Fantasie von Regisseuren an und verschafft mir interessante Rollen. Ich spiele nie einfach nur die hübsche Frau des Verdächtigen, die kein Eigenleben hat und lediglich dazu da ist, sich etwas anzuhören.

Mit einem markanten Gesicht eignet man sich besser zur Charakterdarstellerin, richtig?
Man ist nicht so austauschbar, und man bleibt wohl eher im Gedächtnis. Charakter hat für mich aber mehr mit inneren Werten als mit Äußerlichkeiten zu tun.

Würden Sie öfter das Objekt der Begierde spielen, wenn Sie mehr Dekolleté hätten?
Keine Ahnung, da habe ich noch nicht drüber nachgedacht! Ich weiß: Sexy kann man nur sein, nicht spielen. Aber es gibt Hilfsmittel. Enge Klamotten, hohe Schuhe auch. Weil man sich darin zwangsläufig anders bewegt und fühlt.

Haben Sie nie versucht, das, was Sie für Ihre Schwächen halten, zu kaschieren?
Davon halte ich überhaupt nichts. Meine Beine sind zu dünn, und trotzdem trage ich mit Vorliebe kurze Röcke. Gerade weil sie nicht perfekt sind, mag ich sie besonders gern.
Anzeige

In welchen Situationen geraten Sie in Stress?

Auf dem roten Teppich. Früher habe ich sogar bei meiner eigenen Premiere gedacht, dass ich da nicht hingehöre. Ich fand es einfach nur peinlich und habe mir vorgestellt, wie die Leute am Rand stehen und sich wundern, wer das Mädchen mit den dünnen Beinen ist. Mit einem Kleid, das ich bei einer Filmpreis-Gala trug, habe ich es schon in die »Sonderbar«-Rubrik der Bunten geschafft. An dem Abend trug ich eine helle Strumpfhose, die im Blitzlicht glitzerte. Unter meinem Foto stand: »Wie eine Eisprinzessin in den Achtzigern.« Meine Freunde wollten mich trösten und meinten, die Frau mit dem Prädikat »Wunderbar« habe viel schrecklicher ausgesehen.

Der beste Beweis dafür, dass Mode Geschmackssache ist, oder?

Klar. Ich hätte dennoch für solche Auftritte gern eine Stylistin. Einen Profi, der deine Figur und deinen Geschmack kennt und dir zehn Kleider zur Auswahl anschleppt. Shopping kostet wahnsinnig viel Zeit und kann schnell frustrierend sein, wenn man unbedingt ein Kleid braucht. Tilda Swinton geht garantiert nicht allein los und sucht sich ihre extravaganten Outfits zusammen. Sie hat jemanden, der das für sie macht.

Wollte bisher kein Designer Sie ausstatten?
Tja. Leider nein. Aber vermutlich bin ich auch kein guter Kleiderbügel. Fritzi Haberlandt in Designer XYZ – das würde mich nicht glücklich machen.

Was wäre mit Fritzi Haberlandt in Christian Louboutin? Schon mal gehört?
Ein französischer Schuhdesigner, der mit der roten Sohle. Ich besitze aber kein Paar.

Was ist eine Falabella Bag?
Da muss ich passen. Sagen Sie es mir!

Das ist eine angesagte Designerhandtasche von Stella McCartney, deren Kopie in diesem Sommer an italienischen Stränden verkauft wird.

Und bestimmt tausend Euro kostet, oder? Total krass. Das würde ich dafür nie ausgeben.

Warum nicht?

Da habe ich Skrupel. Das hat mit meinem Elternhaus, meiner DDR-Vergangenheit und sicher auch der Sozialisierung am Theater zu tun. Ein einziges Mal war ich kurz davor, 1300 Euro für eine Tasche auszugeben. Dann bin ich mit einer für 80 Euro nach Hause gegangen, die ich sieben Jahre lang getragen habe. Irgendwie bin ich darauf stolz.

Dabei sagt man: Wer billig kauft, kauft zweimal.

War aber nicht so. Ich finde: Teuer ist einfach, das können alle. Ich bin übrigens viel modischer, als die Leute denken.

Können Sie das etwas ausführen?
Ich lese gern Modezeitschriften, am liebsten im Zug. Bevor ich mit meiner Freundin Aino die wirklich wichtigen Dinge bespreche, diskutieren wir immer kurz durch, was bei »Net-A-Porter« gerade neu reingekommen ist. Ich bewundere Sophie Rois für ihr ausgeprägtes Stilbewusstsein und bin ein großer Fan von Chloë Sevigny.

Warum das?

Sie sieht immer herrlich eigen aus, als ob sie nicht wirklich über ihre Garderobe nachgedacht hätte. Hat sie aber natürlich. Das ist die ganz spezielle Kunst. Bei vielen Hollywood-Schauspielern verschwindet mit dem Erfolg oft auch die Persönlichkeit. Am Anfang ihrer Karriere hatte Scarlett Johansson noch Rundungen. In Lost in Translation fand ich sie hinreißend. Inzwischen ist sie das Gesicht von diversen Marken und hat für mich ihre Einzigartigkeit verloren.

Sie finden sie nicht glamourös?

Nein. Aber das Wort Glamour kommt in meinem aktiven Sprachschatz sowieso nicht vor. Ich lese das in Zeitschriften und akzeptiere es, aber es löst überhaupt nichts bei mir aus. Weder Sehnsucht noch Neid.

Ein Kompliment, das Sie wirklich überrascht hat?
Als ich am Thalia Theater in Hamburg in dem Stück Liliom ohne Schminke und in unmöglichen Klamotten die Julie spielte, haben mir einige Männer gesagt, dass ich toll aussehe. Anscheinend hatte ihnen nicht das Äußere der Figur, sondern meine Ausstrahlung gefallen.

Fritzi Haberlandt, 36, hat in den Ensembles des Berliner Maxim Gorki Theaters, des Hamburger Thalia Theaters und in New York gespielt. Auch in deutschen Filmproduktionen übernahm die Ostberlinerin große Rollen. Dafür bekam sie bereits mehrere Preise, etwa 2004 den Deutschen Filmpreis als beste Nebendarstellerin für ihre Leistung in
Liegen lernen. Die Grundlagen der Schauspielerei lernte Haberlandt an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Ihr neuester Film Fenster zum Sommer kommt im November in die Kinos.

Styling: Mody Al Khufash; Haare & Make-up: Sonja Shenouda / Bigoudi

Seite 1 2
Antje Wewer

37, bekam nach dem Interview noch eine E-Mail von Fritzi Haberlandt, in der unter anderem stand: »Gestern war ja nun das Shooting. Ich sage nur: heiß! Vielleicht wird das ja doch noch was mit mir und den Sexbiester-Rollen …« Bitte, unbedingt!