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Neue Fotografie 18. November 2012 Noch keine Kommentare

Und wenn sie nicht gestorben sind

Wir stellen Ihnen jede Woche neue talentierte Fotografen vor. Diesmal: Dina Goldstein, die Märchenprinzessinnen als gefallene Heldinnen inszeniert hat.

Von Quentin Lichtblau (Interview)  Fotos: Dina Goldstein



Name:
Dina Goldstein
Geboren: 1969 in Tel Aviv
Ausbildung: Studium der Fotografie in Vancouver, B.C. 
Website: www.dinagoldstein.com

SZ-Magazin: Frau Goldstein, wollten Sie als junges Mädchen auch eine Prinzessin sein?
Dina Goldstein: Ich bin im Israel der frühen Siebzigerjahre aufgewachsen und kam sehr jung nach Kanada. Dort musste ich mich an eine völlig andere Gesellschaft anpassen und habe diese Prinzessinnen-Phase komplett verpasst. Als Kind in Israel wurden mir hauptsächlich biblische Geschichten mit Lehren für ein gutes Leben erzählt. Disney kannte ich damals überhaupt nicht, jetzt natürlich schon.  

Was hat Sie dazu gebracht, das perfekte Bild der Märchenheldinnen gewissermaßen zu zerstören und sie als Gefallene darzustellen?
Meine Tochter Jordan war drei Jahre alt und gerade in ihrer ersten "Prinzessinnen-Phase". Die Figuren waren für sie plötzlich omnipräsent während ich sie überhaupt erst richtig kennenlernte. Etwa zur selben Zeit wurde bei meiner Mutter Brustkrebs diagnostiziert. Diese beiden Ereignisse brachten mich zum Nachdenken: Wie sähe wohl eine Prinzessin aus, die mit einer schweren Krankheit, finanziellen Problemen oder fortschreitendem Alter zu kämpfen hat? Ich stellte mir vor, was den verschiedenen Charakteren zustoßen könnte, wenn sie eben nicht "glücklich und zufrieden bis an ihr Ende" lebten. Meine erste Idee war die der Rapunzel, die ihr langes Haar durch eine Chemotherapie verliert. Darauf aufbauend begann ich mit ersten groben Skizzen und Ideen zu den restlichen Bildern, die mit der Zeit immer detailreicher wurden. Mit einem sehr knappen Budget und einer Menge freiwilliger Helfer entstand die Serie dann schließlich einem Zeitraum von zwei Jahren.  

In Ihrem neuen Projekt "In the Dollhouse" beziehen Sie sich auf eine weitere Mädchen-Ikone: Die Barbie-Puppe. Sie inszenieren Barbie und Ken in einer kaputten Beziehung, die ein tragisches Ende nimmt.
Mehr als jedes andere Kindheitskonstrukt repräsentiert Barbie die Idee, dass Schönheit Macht bedeutet und notwendig für ein glückliches Leben ist. Viele meiner Freunde sind durchtrainiert, gutaussehend, gesund und wohlhabend - trotzdem hat jeder seine persönlichen Schwierigkeiten. Es gibt im echten Leben keine Perfektion. Und das ist auch vollkommen in Ordnung so.  

Viele Eltern versuchen ihre Kinder von Dingen wie Barbie-Puppen und der ganzen rosa Prinzessinnenwelt fernzuhalten und ihnen einen offeneren Umgang mit Geschlechterrollen näherzubringen. Wie gehen Sie als Mutter damit um?  
Ich lasse meinen Mädchen ihre Freude an was immer sie wollen. Ich halte es für unnötig, da irgendwelche Grenzen zu setzen. Meine siebenjährige Tochter Jordan hat ihre Rosa-Phase hinter sich und wird mittlerweile eher zur burschikosen Kumpeline. Meine kleine Zoe hingegen fängt gerade an, sich für die Barbie-Puppen ihrer großen Schwester zu interessieren und ist ein ziemlicher Fan von Mode. Ich lasse sie da einfach ihre Erfahrungen machen, fungiere lieber als Beobachterin und, wenn nötig, als Ratgeberin.  

Welche Ikone bringen Sie in Ihrem nächsten Projekt zu Fall? Oder haben sie andere Pläne?

Ich habe bereits eine Idee, aber die muss erst einmal konkretere Formen annehmen, bevor ich mich dazu äußere. Warten Sie's ab!

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