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aus Heft 48/2012 Geschichte Noch keine Kommentare

Mmmmh, 2000 Jahre altes Brot!

Nein, natürlich nicht zum Essen. Aber Archäologen freuen sich tatsächlich, wenn sie versteinerte Laibe finden: Die erzählen eine Menge.

Von Gabriela Herpell  Illustration: Bella Foster




Es war ein tolles Ereignis, das sich im Jahr 2002, von der Öffentlichkeit leider weitgehend unbeachtet, in Bad Nauheim nördlich von Frankfurt abspielte: Die Ausgräber, die sich dort seit 1990 mit einer Saline, einer Salzgewinnungsstelle aus der Eisenzeit beschäftigten, entdeckten altes Brot. Richtig altes Brot: Es wurde, wie sich herausstellte, vor über 2000 Jahren gebacken.

Ein riesiger und ein glücklicher Zufall. Denn das Brot existierte nur deshalb noch, weil es verbrannt war. Schwarz. Hart wie Stein. Bei der Verkohlung wird organisches Material in Kohlenstoff überführt, Mikroorganismen können nichts mehr damit anfangen – das Brot schimmelt und zersetzt sich nicht, sondern trocknet.

Als die Ausgräber mit ihren sechs Klumpen zurückkamen, die aussahen wie Dreck, wusste die Archäologin Angela Kreuz sofort: »Das ist Brot.« Und sie jubilierte, denn normalerweise findet man aus der Eisenzeit nur noch Überreste von Rohstoffen: von Kulturpflanzen, Gewürzen, Obst, Nüssen oder Tierknochen. Weil es keine überlieferten Schriften oder gar Rezepte aus dieser Zeit gibt, in der die Menschen »sehr naturnah« lebten, wie Angela Kreuz es formuliert, kombiniert man aus den Funden, wie sie wohl gegessen haben.

So primitiv aber, wie wir oft denken, haben sich die Leute damals nicht ernährt, das glaubt Angela Kreuz schon lange. »Menschen sind ja nicht blöd«, sagt sie. »Sie essen nicht die Spreu, wenn sie nicht müssen. Das ist wie mit den Neandertalern. Die haben auch nicht nur auf Fellen geschlafen und sich mit ihren Fäusten auf die Brust geschlagen, auch wenn wir uns das gern so vorstellen.«

In der Eisenzeit bevölkerten die Kelten Mitteleuropa, so waren es keltische Arbeiter in der Saline. Und auch wenn sich die Römer später, um 50 vor Christus, außerordentlich über die barbarischen Kelten in ihren karierten Hemden amüsierten, betrieben diese bereits Viehzucht und Ackerbau und ernährten sich längst nicht mehr nur von erlegtem Wild und Beeren. Sie konnten sogar, wie der Fund nun endlich zeigte, feinstes Brot backen. Als Angela Kreuz die sechs Brocken zusammenfügte, ergaben sie, großzügig betrachtet, einen Laib – und keinen Fladen, der sehr viel einfacher herzustellen gewesen wäre. Auch innen war das Brot locker, gut aufgegangen, es hatte eine vorbildliche Kruste gebildet, was nur geschieht, wenn ein Triebmittel verwendet wird: Hefe, Sauerteig oder Milchsäurebakterien. Außerdem fanden sich keine Reste von Getreidekörnern und Getreidehülsen im Teig. Das Brot wurde also mit gesiebtem Weizenmehl gebacken. Das heißt: Es entsprach ganz und gar heutigen Standards.

Zur Sicherheit und auch zu ihrem eigenen Vergnügen hat Angela Kreuz das Brot nach dem rekonstruierten Rezept nachgebacken. Auf dem offenen Feuer natürlich, so haben es die Kelten vorgemacht. Es ist ein ziemlicher Aufwand, sagt die Archäologin, unter solchen originalgetreuen Bedingungen zu backen. Wie einfach dagegen, einen Getreidebrei zu kochen. Oder Fleisch zu grillen.

Brot, könnte man nun schlussfolgern, war damals etwas ganz Besonderes. Brot gab es bei den Kelten vielleicht nur sonntags. Statt Braten.
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