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aus Heft 01/2013 Frauen 21 Kommentare

Brust raus

Nackte Bäuerinnen, schlammverschmierte Sportlerinnen: Warum bitte ziehen sich ganz normale Frauen für absurde Kalender aus?

Von Lara Fritzsche  Fotos: Markus Burke





Joanna hat am morgen noch die Kühe gemolken und gefüttert, bevor sie losgefahren ist. Nadine hatte am Wochenende ausnahmsweise keinen Wettkampf, sie hat nur locker trainiert: drei Stunden Mountainbike am Samstag und Sonntag dann vier Stunden Rennrad. Andrea hat noch bis in den Abend im Büro gesessen, um den Monatsabschluss für ihre Firma fertig zu machen. Für alle drei war es eine ganz normale Woche, bis zum Tag der Fotoaufnahmen für den jeweiligen Erotikkalender. Da haben sie alle das Gleiche getan: sich ausgezogen.

Etwa hundert Erotikkalender kommen jedes Jahr in Deutschland auf den Markt. Einer zeigt Zeichnungen von Egon Schiele, einige wenige zeigen Männer mit nacktem Oberkörper, der Rest zeigt Frauen. Ganz normale junge Frauen, die auf Lehramt studieren, Landwirtinnen sind, Sportlerinnen, Ergotherapeutinnen, Mütter oder Finanzanalystinnen. Junge Frauen, die einen Beruf haben, die nicht berühmt werden wollen oder planen, in Zukunft Geld mit ihrem nackten Körper zu verdienen. Warum machen die das?

Nackte Haut ist gut zu vermarkten. Prominente nutzen das. Sie bekommen entweder viel Geld dafür, dass sie mit ihrem nackten Körper Werbung für ein Produkt machen oder aber sie machen Werbung für das Produkt, das sie selbst sind. Für sie hat das Ausziehen eine Wirkung. Ihre Suchanfragen bei Google gehen hoch und damit ihr Marktwert. Das lässt sich erheben: Das niederländische Topmodel Lara Stone hatte laut »Google Insights Search« drei große Momente in seinem Leben – die Hochzeit mit dem Schauspieler David Walliams, die Veröffentlichung von Oben-ohne-Bildern im französischen Playboy und schließlich die Vorstellung des Pirelli-Kalenders 2012, des bekanntesten Erotikkalenders überhaupt, für den sie ganz nackt posiert hat. Promis nützt das Ausziehen. Nach so einem Peak in der Aufmerksamkeitskurve kann Stone, genau wie Schauspielerinnen und Moderatorinnen, mehr Gage verlangen: in ihrem Beruf, aber auch für Werbeauftritte oder ihr Auftauchen bei Shoperöffnungen.

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Kommentare

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  • Berndt Schönwald (0) Ich bitte um Verzeihung für meinen Nicht-Freudschen Schreibfehler: Ich meinte natürlich Frau Fritzsche und Sie, Frau Anna Kechel.
  • Berndt Schönwald (0) Gibt es in Ihrer Redaktion ein schwarzes Loch oder andere Gründe, aus denen mein (abschließend gedachter) Kommentar (Eingang bestätigt!) vom letzten Sonntag hinter dem "Ereignishorizont" verschwand?
    Hier eine Zweitschrift:
    "Das muss Ihnen der Neid lassen, Herr Grünhagen, debattieren, das können Sie. Sie erwecken in mir jedoch den Eindruck eines theoretischen Ethikers und lassen mich an das Paradoxon von Achilles und der Schildkröte  des griechischen Philosophen Zenon von Eleas denken: Mit gekonnter Rhetorik lässt sich fast alles "belegen"! Ich ziehe es vor, mich Frau Fritzsche und Frau Heuchel anzuschließen: Sie sind für für mich hier die Empirikerinnen. Jene präsentieren wertvolle, ihrem Geschlecht eigene Innenansichten, Sie dagegen allenfalls rationale "Aktbilder" von aussen! Frauen, die aus ihrem Körper Kapital schlagen, erinnern mich immer an Menschen, die ihre intellektuelle Überlegenheit gegenüber Jüngeren ausschließlich begründen mit: "Schließlich bin ich ja schon um einiges älter als Sie!" Alter und schöner Körper sind grundsätzlich nicht Eigenleistung sondern  Leihgabe. Man sollte vernünftige und bewährte Gebrauchsanleitungen eines Schöpfers beachten. Deshalb billige ich es bestenfalls einem Michelangelo oder einem Rodin zu, Nacktheit gekonnt zu präsentieren."
  • Georg Schmidt (0) nehmen wir die darstellende Kunst, oder was einige meinen, dass sie es ist, so gut wie jede Schauspielerin macht SExszenen, in jedem Film wird mal gebumst, ob am Anfang oder Mitte, das sind dann auch dei Szenen, wo Frauen in Männerhemden und Kaffeetasse rumlaufen, früher bei Sat oder RTL waren das Schmuddelsender, heute verkaufen es uns die ÖR als Kunst, natürlcih machen es die Schauspielerinnen nur, weil es eben die Rolle verlangt !
  • Jochen Grünhagen (0) Sehr geehrte Frau Kechel, ich bin zum Schluss gekommen, dass Sie meine Argumente nicht verstehen können oder wollen. Das ist schade. Wer auch immer das sonst liest, wird sich seine eigenen Gedanken machen können und müssen.
  • Georg Schmidt (0) natürlcih ist beim Ausziehen und sich nackt ablichten lassen ein gehöriges Stück sexuellität dabei, der Gedanke, dass sie nun einen Monat im Jahr in vielen Orten hängen, dass sich ev Männer über ihre Vorzüge unterhalten, wird für manche Mädels schon ein Anreitz sein, anderseits geben sie sich, die Mädels, prüde und würden nach der Polizei schreien, wenn sie einer anmacht, ein komisches Volk diese Frauen!
  • Anna Kechel (0) Herr Grunhagen, schön, dass Sie inzwischen zu dem selben Schluss gekommen sind, wie ich: Es handelt sich um eine Korrelation, nicht um eine Kausalität.
    Schönes Wochenende noch.
  • Hermann Robersky (0) Es müssten sich auch mehr Männer ausziehen, dann wäre wieder Gleichstand.
    Es gibt einen Überschuss an weiblichen Körpern bei uns in Bikini und in Tanga und ganz nackt. Die kleidermarke HundM macht das ja auch. An den Litfasäulen hängt sowas und in den wartehauschen und überall. In Amerika hängt solche nackte Werbung auch mal über ganze Häuser. Das ist zuviel.
    War aber trotzdem nur ein Spass oben mit dem ausziehen bei Männern.
  • Thomas Görner (0) Ps. Ich empfinde Frauen die um ihre Lebensthemen wissen, zu diesen eine bejahende Haltung haben und sich Selbst gut gesinnt sind, oft als erotisch anziehend. Das ist unabhängig von Körper grösse und -form, hat eher etwas mit Authentizität, rationaler und emotionaler Intelligenz sowie der Ausstrahlung zu tun. Ich schaue unter anderem auch gerne schöne Körper an, viel-leicht kommt ja mal so ein Kalender in Frage, bisher hatte mich noch keins der Titelblätter der von mir zufällig gesehen dazu bewogen. Aber bei ca. 100 ist viel-leicht einer dabei
  • Thomas Görner (0) Ich bin Gärtner und kein Psychologe aber der Meinung das:
    Lara Fritzsche würde sich, selbst wenn sie größer, schlanker und hübscher wäre, nicht für einen Kalender ausziehen. Um dem Vorwurf, sie sei in Wahrheit nur neidisch, gleich mal zuvorzukommen. genau hier der Hammer hängt.
  • Georg Schmidt (0) also, sagen wir mal so, als der Playboy noch so ziemlich das einzige Magazin war, das gute Nacktfotos hatte, sag ich mal, wars eben noch was besonderes , heute hängt in jeder KFZ Werkstatt zB ein NackteMädchen Kalender, man registruert das zwar, aber der Reitz ist schon lange weg-!
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