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aus Heft 01/2007 Gesellschaft/Leben Noch keine Kommentare

Wie wichtig ist im Alter das Aussehen?

Eine Selbstbetrachtung. Von Charlotte Seeling 



Gibt es etwas, worauf man sich im Alter freuen kann?

Eine Antwort kommt von Simone de Beauvoir, die sinngemäß sagte, dass das Beste am Altern die Befreiung vom sexuellen Begehren sei. Wenn es vorbei ist mit dem Trieb, hört auch das Getriebensein auf. Alle Kraft, alles Können, alle Energien und Ideen konzentrieren sich endlich auf das, was wirklich wichtig ist.
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Ab einem gewissen Alter nehmen Frauen sich jede Freiheit. Männer nehmen Viagra.
Aber für Frauen war die Performance ja auch nie so wichtig wie das Aussehen. Irgendwann steht die Frage »Bin ich schön?« nicht mehr im Mittelpunkt, heißt es doch bestenfalls: »Sie muss einmal schön gewesen sein.« Was für ein dummes Kompliment! Woher will der Betrachter das wissen? Er erkennt es daran, dass die Frau schön ist, unabhängig vom Alter. Doch was nicht sein darf, das nicht sein kann, und wer nicht jung ist, kann nicht schön sein.

Umso besser! Sobald wir unserem eigenen Spiegelbild den Rücken zukehren, wird der Blick frei für andere Schönheiten. Nicht ohne Grund heißt es: »Gärtnern ist der Sex des Alters.« Mit zunehmenden Jahren wenden sich viele von der Mode ab und dem Garten zu, weg vom flüchtigen Sexappeal hin zur ewigen Anziehungskraft der Erde. Zum Beispiel Nicole de Vesian, Jahrzehnte lang Stil-Ikone der Pariser Gesellschaft: Mit siebzig Jahren zog sie sich ins südfranzösische Luberon zurück und legte einen Garten an, der auch zehn Jahre nach ihrem Tod noch Wallfahrtsort für schöngeistige Schwärmer ist. Von ihrer Kleidung dagegen ist nur in Erinnerung geblieben, dass sie stets grau-beige war, passend zu ihrer Haarfarbe.

Das entspricht dem Postulat einer anderen Stil-Ikone. »Intelligente Frauen legen sich irgendwann eine Uniform zu«, sagte Georgia O’Keeffe und trug fortan nur noch zweiteilige Gewänder im immer gleichen bequemen Schnitt. Wer nicht mehr nachdenken muss über das tägliche Styling, kann zu wesentlicheren Dingen durchdringen. O’Keeffe, die sich in ihrer Malerei vor allem mit der vergänglichen Erotik voll erblühter Blumen und der bleibenden Magie menschenleerer Natur beschäftigte, verspürte mit knapp sechzig Jahren den Wunsch, ein schlichtes Haus in einer weiten Landschaft zu besitzen. Ihre Freunde fanden, sie sei zu alt für eine solche Zukunftsinvestition. Die Malerin, deren Gesicht mit zunehmender Verwitterung immer interessanter wurde, lebte bis zu ihrem Tod mit 98 Jahren in der kargen Adobe-Farm, die sie sich in Neu-Mexiko kaufte.
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