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aus Heft 19/2013 Liebe & Partnerschaft 4 Kommentare

Gabi & Heiner

Klingt wie Sex and the City, ist aber das echte Leben: Als die Frau einen richtig harten Anwalt braucht, um sich von ihrem Mann zu trennen, verliebt sie sich. In den Anwalt.

Von Gabi F.  Illustration: George Butler




Als ich meinem zukünftigen Ehemann Heiner zum ersten Mal begegnete, hatte ich einen derartigen Hass auf Männer, dass ich sein Büro mit den Worten »Ich will, dass Blut spritzt« betrat. Später hat er mir erzählt, dass er sich bei »spritzt« bereits in mich verliebt hat. Weil ich nämlich leider ein bisschen lispele und mir deshalb bei einem Wort wie »spritzt« meine Zunge ins Gehege kommt. Süß, diese wütende Frau, hat er gedacht, schade, dass sie eine Mandantin ist. Ich dagegen sah einen kleinen, bebrillten Dicken und dachte: »Na, hoffentlich ist er als Scheidungsanwalt nicht so harmlos, wie er als Mann aussieht.« Denn Harmlosigkeit war das Allerletzte, was ich damals gebrauchen konnte. Sondern einen Pitbull, der meinem treulosen Mann das Fell über die Ohren ziehen würde.

Ich war 47 und hatte die letzten 17 Jahre mit einem Mann verbracht, der hinter meinem Rücken alles Weibliche angegraben hatte, was nicht bei eins auf den Bäumen war. Meine kleine Schwester, meine beste Freundin, meine Nachbarin. Aus Rücksicht auf mich hatten alle geschwiegen. Wir waren beide Lehrer, hatten keine Kinder, aber viele Freunde, ein solides, überschaubares Glück, das ich nicht eine Sekunde in Frage stellte. Bis eines Morgens, er war unter der Dusche, sein Handy fiepte, weil eine SMS angekommen war. Und da ich noch verschlafen war und wir beide dasselbe Modell hatten, las ich: »Du hart, ich feucht, was für eine Kombi! Wenn ich nur dran denke, komme ich.« Es war eine Referendarin aus seiner Schule.

Ich war so wütend, dass ich eine Woche später die Scheidung einreichte. Zumal ich inzwischen wusste, dass die Referendarin nicht die Einzige war.

»Schon mal an einen einseitig fehlgeschlagenen Doppelselbstmord gedacht?«, scherzte mein Scheidungsanwalt bei unserem ersten Gespräch und erklärte mir, dass dies ein juristischer Ausdruck für den Versuch ist, seinen Ehepartner dadurch loszuwerden, dass man einen gemeinsam geplanten Selbstmord als Einziger überlebt. »Reizvoll, aber zu riskant«, sagte ich. Er lachte.

Ich glaube, dass ich mich schon in diesem Moment ein bisschen in Heiner verliebt habe. Weil der Termin bei ihm, vor dem ich mich so gefürchtet hatte, ganz unerwartet entspannt war. Und seine Antwort auf meine ersten Worte – »Sie wollen Blut? Dafür bin ich da« – genau die richtige war. Er hörte zu, als ich ihm mein Eheelend auf den Schreibtisch kippte, machte sich Notizen, war Balsam für mein wundes Herz.

Am nächsten Tag rief er mich an, ein paar Fragen seien noch offen. Waren sie gar nicht, wie er mir später gestand. Dann hatte ich ein »Problem«, kurz darauf war er zufällig in der Nähe und brachte mir ein paar Unterlagen persönlich vorbei. Keiner von uns sprach es aus, aber es war ganz offensichtlich, dass wir beide ständig Vorwände suchten, um einander zu sehen.

Alles rein beruflich, redete ich mir ein, denn Heiner passt optisch überhaupt nicht in mein Beuteschema. Dafür ist er ein Spitzenanwalt, ich hatte tatsächlich den besten erwischt. Die Schriftsätze an die Anwältin meines Mannes waren so ausgefeilt und süffisant, dass er die Gegenseite damit aufs Erfreulichste verunsicherte und ich die Hälfte unseres Hauses bekam, obwohl ich nicht im Grundbuch stand. Und so wurde die eigentlich schlimmste Zeit meines Lebens zu einer unerwartet aufregenden. Obwohl nichts passierte und ich auch mit niemandem darüber redete, dass ich nachts von meinem Anwalt träumte.

Am dritten Tag nach meinem Scheidungstermin ging es mir bei dem Gedanken, diesen Mann nie wiederzusehen, so schlecht, dass mir alles egal war. Ich rief ihn an. »Ich wollte mich nur noch einmal für eine sehr angenehme Scheidung bedanken«, sagte ich und hielt den Atem an. »Kennen Sie Klaus Lage?«, fragte er. Ich wusste sofort, was er meinte. Tausendmal berührt … abends, beim Italiener, küssten wir uns noch vor dem Du.

Seit drei Jahren sind wir verheiratet. Und da ich weiß, was für ein Pitbull er als Anwalt ist, kann ich mich nie von ihm scheiden lassen.

(Protokoll: Daphne Welsand)
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Kommentare

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  • Ernst L. Dr. Schwarz (0) Dieser Artikel bedient das typische Klischee vom Scheidungsanwalt, der sich zum ?Blut spritzenden? Rächer der verlassenen Ehefrau aufschwingt. Und am Ende verliebt sich die Mandantin dann auch noch in ihren edlen Prinzen. Welch´ Balsam auf die Wunden verletzter Ehefrauen. Doch solches Happy End hat mit dem ?echten Leben?, wie der Artikel meint, nichts zu tun. Mit solchen Darstellungen werden falsche Hoffnungen und Erwartungen genährt. Auch im Scheidungsverfahren gelten die juristischen Spielregeln. Berechtigte finanzielle Forderungen werden beim Familiengericht nicht durch billige Polemik und ?Kehlkopf? durchgesetzt, sondern mit sachlichem Engagement und juristisch fundierter Argumentation. Der Anwalt tut gut daran, sich von Anfang an von den menschlich nachvollziehbaren Emotionen der Mandantschaft abzugrenzen und nicht persönlich vereinnahmen zu lassen. Wer meint als ?Pitbull? vor Gericht auftreten und sich dort exponieren zu müssen, wird dort ganz schnell ?an die Leine genommen? werden.

    Wünschen der Mandantschaft wie etwa ?Machen Sie Hackfleisch aus meinem Mann? sollte der anwaltliche Vertreter nach dem Motto ?Schuster bleib bei Deinen Leisten? zu widerstehen wissen. Die Mandantin befindet sich auch im Scheidungsverfahren beim Anwalt und nicht beim Metzger!

    München, 12.5.2013

    Dr. Ernst L. Schwarz
    Rechtsanwalt
  • Barbara Ludwig bei Pilhauer (0) sehr schöne Geschichte! Habs gerne gelesen.
  • Georg Schmidt (0) ach Gott wie romantisch ! und wenns Handy nicht geklingelt hät, hat er sie nochmal 17 Jahre betrogen !
  • Sabine Gammel (1) Für dieses platte Werk auch nur eine Zeile im SZ Magazin zu verschwenden ist so peinlich, dass man versucht ist den Bezug der Zeitung einzustellen.....
    Selbst die "Brigitte" Redaktion hätte das wohl wegen "Gähn"-Effekt abgelehnt