Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München 13°
Anzeige
Anzeige

aus Heft 36/2013 Kino/Film/Theater

»Mit der Mode habe ich ein Vermögen verloren«

Michaela Haas (Interview) 

Der Schauspieler John Malkovich ist kein Freund der Modeindustrie, liebt aber die Mode. Deshalb entwirft er selbst Kleidung. Ein Gespräch über ein schwieriges Verhältnis.


Anzeige
West Hollywood, »Chateau Marmont«. John Malkovich trägt ein helles Baumwollhemd. Er spricht langsam, fast hypnotisch und starrt zwischendurch immer wieder mit nachdenklichem Blick lang in den kalifornischen Himmel. Er bestellt ein Sandwich und Iced Coffee, schwarz, ohne Zucker.


SZ-Magazin: Herr Malkovich, ist das ein eigener Entwurf, den Sie da tragen?
John Malkovich: Ja. Aus der ganz neuen Kollektion! Wollen Sie mal sehen? (Klappt seinen Laptop auf und zeigt begeistert Fotos seiner Herrenkollektion.)

Haben Sie ein Lieblingsstück?
Nein. Ich mag, was ich mag, und das wird immer so bleiben. Ich folge keinen Modetrends. Ich nehme einfach einen Stift und ein Blatt Papier, und dann lege ich los. Mode ist eine Art und Weise, mich selbst auszudrücken, also drücke ich eben mich aus, und nicht die anderen.

Die meisten kennen Sie als Schauspieler, nur wenige wissen, dass Sie nun schon Ihre elfte Modekollektion entworfen haben, unter dem Label Technobohemian. Was ist ein Technobohemian?
Das Techno bezieht sich nicht auf den Musikstil, sondern steht für die Fesseln, die uns die Technik angelegt hat. Bohemian bedeutet für mich vieles, aber vor allem, dass man sich immer wieder aufraffen und von vorn anfangen muss, mit Leuten, die man nie zuvor getroffen hat. Und man weiß nicht, ob dabei etwas Nennenswertes herauskommt, ob es fantastisch wird oder bloß eine gigantische Zeitverschwendung.

Sind Sie so ein Technobohemian?
Na, ich bin auf jeden Fall ein Bohemian. Ich bin drei Viertel des Jahres auf Reisen. Viele Leute würden es hassen, aber für mich ist es ein Lebensstil. In einigen Wochen mache ich einen Film über eine Oper, mit 25 Leuten, die ich noch nicht kenne. So ist mein Leben. Später, nachdem ich die Modekollektion schon benannt hatte, sagte mir ein Freund, dass téchne auf Altgriechisch zweierlei bedeuten kann: die Kunst zu leben und lebendige Kunst. Das passt!

Viele Stars entwerfen Kollektionen und kreieren Parfüms, weil es ein lukratives Geschäft ist. Hand aufs Herz: Sie auch?

Oh nein, ich habe ein Vermögen mit meiner Mode verloren.

Warum machen Sie dann weiter?

Ich genieße es einfach.

Aber was denn, bitte?
Ich arbeite gern mit den Leuten, die Mode herstellen. Der geschäftliche Teil, also, da sind wir nicht so gut aufgestellt. Matt Tyrnauer, der den Dokumentarfilm The Last Emperor über Valentino gedreht hat, sagte über meine erste Kollektion: Sieh an, da bist du jetzt in einer Industrie gelandet, die noch vergifteter ist als das Filmgeschäft.

Und? Hatte er recht?
Ja, ich glaube schon. Es gibt viele komische Vögel in der Mode. Einige sehen sich als gottähnliche Gestalten, als Stil-Polizisten, oder besser: Stil-Diktatoren an, dabei fehlt es diesen Leuten meist selbst an Eleganz.

Gehen Sie manchmal zu den Modeschauen, so wie andere Filmstars?
Da war ich ein oder zwei Mal. Das ist nicht mein Ding. Ich habe den Laufsteg noch nie gemocht. Ich finde die Models, die da laufen, so hölzern, dass es wehtut zuzuschauen. Dieser komische Pferdegang – klack, klack. Ich mache den Mädchen auf dem Laufsteg keinen Vorwurf, es ist nicht ihre Schuld, aber Kleidung sieht an ihnen nicht schön aus.

In Ihrem neuen Film RED 2 hat man Ihrer Filmfigur, dem durchgeknallten Ex-Agenten Marvin, den Satz in den Mund gelegt: »Die einzige Konstante im Leben ist Stil.« Würde John Malkovich das auch sagen?

Ja, ich glaube, das trifft es. Dabei ist Stil für mich, wie man auf Situationen reagiert und mit Leuten spricht. Guter Stil ist für mich, keine schlechten vibes zu verbreiten. Meine Frau und ich waren gestern in einem Restaurant. Das Essen war sehr gut, aber die Musik war zu laut. Die Gäste mussten sich anschreien, um sich zu unterhalten. Das ist stillos.
Anzeige

Seite 1 2

Michaela Haas wunderte sich, dass John Malkovich seine Produktionsfirma Mr. Mudd nach einem verurteilten Mörder benannt hat. Im Englischen bedeutet die Redewendung »your name is mud« aber auch so viel wie: »Du bist in der Bredouille.« Malkovich erklärte ihr, das entspreche seinem Sinn für Humor.

  • Kino/Film/Theater

    »Hollywood ist noch viel härter geworden«

    Der große Kameramann Michael Ballhaus hat Stars wie John Travolta, Jack Nicholson und Robert De Niro gefilmt. Ein Rückblick auf das Leben hinter den Kulissen.


    Interview: Max Fellmann und Jan Heidtmann
  • Anzeige
    Kino/Film/Theater

    Ganz schön verändert

    Kinofilme, Hörspiel-CDs, Bücher, Popsongs: An Deutschlands erfolgreichster Jugendserie »Bibi und Tina« kann man sehen, wie gutes Marketing funktioniert. Für Bibi und Tina selbst bleibt das nicht folgenlos.

    Von Max Fellmann
  • Kino/Film/Theater

    Bühnenreif

    Chris Dercon leitet ab Herbst die Berliner Volksbühne. Seit das feststeht, wird er, der international renommierte Kurator, beschimpft und angefeindet. Das SZ-Magazin hat ihn ein Jahr lang begleitet.

    Von Gabriela Herpell