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aus Heft 01/2014 Politik

Der NSU-Prozess - Das Protokoll des ersten Jahres

Annette Ramelsberger, Tanjev Schultz und Rainer Stadler  Illustrationen: Riccardo Vecchio

Am 6. Mai 2013 begann in München der größte Strafprozess in Deutschland seit der Wiedervereinigung. Eine Frau und vier Männer werden beschuldigt, die Terrororganisation NSU gegründet oder unterstützt zu haben. Die ersten 71 Tage des NSU-Prozesses.

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Montag, 6. Mai 2013, 10.30 Uhr, Sitzungssaal A 101 des Oberlandesgerichts München. Die Angeklagten und ihre Verteidiger, die Staatsanwälte, die Nebenkläger und ihre Anwälte sowie die Besucher haben ihre Plätze eingenommen. Der Vorsitzende Richter betritt den Saal, der Prozess beginnt.


TAG 1
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Manfred Götzl, Richter.

(Im Bild: Manfred Götzl, 60, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht München)

Götzl
(zu den Angeklagten und deren Verteidigern) Guten Morgen!
(zu den Staatsanwälten) Guten Morgen!
(zu den Nebenklägern) Guten Morgen!
(zur Besuchertribüne) Guten Morgen! Bitte nehmen Sie Platz! (Pause.)

Ich eröffne die Sitzung des 6. Strafsenats des Oberlandesgerichts München. Es kommt zum Aufruf das Verfahren gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, André E., Holger G. und Carsten S. Ich stelle die Präsenz fest: die Angeklagte Zschäpe mit ihren Verteidigern. Der Angeklagte E. mit seinen Verteidigern, der Angeklagte Wohlleben mit seinen Verteidigern, der Angeklagte Carsten S. mit seinen Verteidigern, der Angeklagte G. mit seinen Verteidigern. Die Vertreter der Bundesanwaltschaft Herr Diemer, Frau Greger, Herr Weingarten, Herr Schmidt.

(Dann nennt Götzl die Namen der 80 Nebenklagevertreter mit ihren Mandanten. Die Verteidiger stellen Befangenheitsanträge gegen das Gericht. Der Prozess wird um eine Woche vertagt.)


TAG 2
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Manfred Götzl
, Richter. Beate Zschäpe, André E., Holger G., Ralf Wohlleben, Carsten S., Angeklagte. Nicole Schneiders, Wohllebens Anwältin. Wolfgang Heer, Zschäpes Anwalt.

(Beate Zschäpe)

Götzl Wir kommen zu den persönlichen Verhältnissen der Angeklagten. Kommen Sie bitte ein bisschen vor, damit ich mit Ihnen reden kann, Frau Zschäpe. (Zschäpe beugt sich nach vorn und sieht den Richter an.)
Götzl Ihr Name ist Zschäpe, Ihr Vorname Beate?
(Sie nickt.)
Götzl Geboren am 2. Januar 1975 in Jena?
Heer Unsere Mandantin wird keine Angaben zur Person machen.
Götzl Dann kommen wir zu Herrn E. Familienname E., Vorname André?
(André E. nickt.)
E. 1979 geboren. Zwickau. Zu mehr werde ich mich nicht äußern.
Götzl Dann Herr G., Familienname G., Vorname Holger?
G. Ja.
Götzl Geboren am 14. Mai 1974, also heute Geburtstag?
G. Ja.
Götzl Sie sind im Zeugenschutzprogramm, zu laden über das Bundeskriminalamt Meckenheim.
G. Ja.
Götzl Herr Wohlleben, Vorname Ralf, geboren am 27. Februar 1975?
(Wohlleben nickt.)
Götzl In Jena?
(Wohlleben nickt.)
Schneiders Unser Mandant wird sich nicht äußern.
Götzl Carsten S., geboren am 6. Februar 1980 in Delhi.
S. Ja.
Götzl Sie sind im Zeugenschutzprogramm. Zu laden über das Bundeskriminalamt Meckenheim. Sie sind bereit, hier Aussagen zu machen?
S. Ja.
Götzl Den Angeklagten steht es frei, sich zu äußern und zur Sache auszusagen. Haben Sie das verstanden?
(Nicken.)


TAG 3
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Wolfgang Heer
, Wolfgang Stahl, Anja Sturm, Zschäpes Anwälte
. Manfred Götzl, Richter. Edith Lunnebach, Anwältin Nebenklage.


(Anwalt Wolfgang Heer)

Götzl Frau Lunnebach, ich erteile Ihnen das Wort.
Heer Herr Vorsitzender, ich hatte mich schon früher gemeldet.
Lunnebach Der Vorsitzende hat mir das Wort erteilt.
Heer Nein, ich habe jetzt das Recht zu sprechen.
(Gelächter im Gerichtssaal.)
Heer Es geht nicht an, dass ich etwas sage und es wird gelacht. Herr Vorsitzender, halten Sie bitte alle zur Sachlichkeit an.
(Erneutes Gelächter. Stahl springt auf.)
Stahl Ich beantrage eine Unterbrechung der Verhandlung.
(Unruhe. Stahl zieht die Robe aus und verlässt den Saal. Kurz darauf kommt er wieder zurück.)
Lunnebach Vielleicht ist die Unruhe der Nervosität der Verteidigung geschuldet.
Götzl Frau Lunnebach, Sie sind jetzt auch ruhig. Wenn man guten Willens ist, lässt sich das ganz einfach regeln.
Heer Es ist gerade erneut gelacht worden. Das ist unwürdig für diese Verhandlung. Ermahnen Sie die Prozessbeteiligten zur Sachlichkeit.
Götzl Die Mahnung zur Sachlichkeit ist bereits erfolgt.
Lunnebach Ich würde gerne zu den Inhalten des Verfahrens zurückkehren.


TAG 5
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Alexander Kienzle
, Anwalt Nebenklage. Manfred Götzl, Richter. Carsten S., Angeklagter.

(Anja Sturm, Zschäpes Anwältin)

Sturm Aufgrund der gezielten, von den Strafverfolgungsbehörden selbst gesteuerten und betriebenen Vorverurteilung unserer Mandantin ist ein rechtsstaatlicher, fairer Prozess auch unter der Berücksichtigung der berufsständischen Objektivität der dem Senat angehörenden Berufsrichter nicht mehr durchführbar. Gravierend, das heißt nicht mehr zu heilen, ist auch der Umstand der Beeinflussung der Personalbeweismittel, namentlich der Zeugen, welche durch ein bestimmtes meinungsbildendes Klima zumindest unterschwellig in ihrem Aussageverhalten beeinflusst werden.
Kienzle Ich beantrage, das Gericht möge bekannt geben oder feststellen, ob sich unter den Prozessbeobachtern auf der Besuchertribüne Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes, der Landeskriminalämter oder Mitarbeiter des Verfassungsschutzes befinden. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat angekündigt, es werde den Prozess begleiten. Deshalb ist davon auszugehen, dass im Saal Vertreter der Ämter sind. Ich beantrage fernerhin, dass diese Mitarbeiter während der Beweisaufnahme vom Prozess ausgeschlossen werden. Sonst hat das Auswirkungen auf die Unbefangenheit der Zeugen.
Götzl Bei mir haben sich keine Prozessbeobachter gemeldet. Dann stelle ich die Frage an die Zuschauer: Sind Prozessbeobachter vom Verfassungsschutz im Sitzungssaal?
(Schweigen.)
Götzl Dann beginnen wir jetzt mit der Befragung von Herrn S. Wie sind Sie zu Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gekommen?
S. Einmal war ich in der Wohnung von der Frau Zschäpe, einmal waren wir gemeinsam im Jugendklub, einmal war ich mit Frau Zschäpe auf einer Demo in Erfurt. Und dann waren die drei schon weg. Dann ging es mit den Telefonkontakten los.
Götzl Wie gestaltete sich das?
S. Da kam einer aus der Szene auf mich zu und fragte, ob ich bereit wäre zu helfen. Herr Wohlleben hat mir dann gezeigt, wie ich aus Telefonzellen ein Handy anrufe, und dann kam ein Rückruf von denen.
Götzl Wer war am Apparat?
S. Einer der beiden Uwes. Mindestens einmal war auch Frau Zschäpe am Telefon.
Götzl Wie ging es weiter?
S. Ich hab dann mit den dreien Kontakt gehalten. Einmal haben die beiden Uwes gefragt, ob ich in die Wohnung von Beate Zschäpe einsteigen und Akten rausholen kann. Ich habe die Tür eingetreten, das ganze Haus hat gerummst. Ich hab Pässe und Zeugs in die Tasche gestopft. Da lag eine schwarz-weiß-rote Fahne auf dem Boden, die hab ich auch mit eingepackt. Das Nächste, woran ich mich erinnern kann, ist, dass ich mit Herrn Wohlleben die Tasche ausgeräumt habe.
Götzl Was haben Sie mit den Ausweisen gemacht?
S. Die Ausweise haben wir vergraben, die Akten angezündet. Das Nächste war dann der Wunsch nach der Waffe. Herr Wohlleben schickte mich in einen Szeneladen, dass ich die besorge. Ich habe die dann nach Chemnitz gebracht.
Götzl Für was brauchten die drei die Waffe?
S. Ich habe es nicht gewusst.
Götzl Haben Sie nachgefragt?
S. Nein.
Götzl Haben Sie sich Gedanken gemacht?
S. Ich dachte mir, dass nichts passieren würde. Ich hatte ein positives Gefühl, dass die drei in Ordnung seien.


TAG 6
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Carsten S.
, Beate Zschäpe, André E., Ralf Wohlleben, Angeklagte. Manfred Götzl, Richter.

(Diese Waffen befanden sich im Besitz des NSU. Unten die Pistole der Marke Ceska, mit der neun Morde begangen wurden.)

S. Mir sind noch Sachen eingefallen. Wir haben mal in Winzerla eine mobile Dönerbude umgeworfen. Wir waren sechs, sieben, acht Personen. Einer hatte die Idee dazu. Und wir haben mal die Scheiben von einer Dönerbude eingeworfen. Das ist mindestens zweimal vorgekommen. Einmal gab es einen Vorfall, da sind wir von einer Kirmes mit Autos in Winzerla angekommen. Einer namens Jimmy kam auf uns zu und sagte, er sei als Nazi beschimpft worden. Da gingen alle los. Da waren zwei Leute, auf die haben wir eingeschlagen. Ich habe auch zugetreten, einmal oder zweimal.
(Er wischt sich Tränen aus den Augen und schnieft.)
Götzl Wie wirkte sich das aus? War derjenige verletzt?
S. Wir sind danach weggegangen, ohne uns um den zu kümmern.
Götzl Aber wie war der Zustand der Person, auf die Sie eingetreten haben?
S. Ich mein', es stand in der Zeitung, dass die schwer verletzt waren.
Götzl Was war denn das Motiv dafür, dass Sie Dönerbuden umgeworfen haben?
S. Die Dönerbuden waren ein bestimmtes Feindbild. Wenn da eine Bockwurstbude gestanden hätte, hätten wir das nicht gemacht.
Götzl Wie waren denn damals Ihre politischen Vorstellungen?
S. Die Texte der Zillertaler Türkenjäger fand ich lustig. Gemeinschaftsgefühl fand ich toll, die Meinungsbildung lief über Musik.
Götzl Gab es Themen, mit denen Sie sich identifiziert haben?
S. Konkret ist es für mich schwer, das wieder herzustellen. Es ging um das Reich in den alten Grenzen, gegen die multikulturelle Gesellschaft, gegen das Finanzkapital.
Götzl Hat denn Ausländerfeindlichkeit eine Rolle gespielt?
S. Das war Thema, sowieso in der Musik. Das hat eine Rolle gespielt bei den Aktionen. Es war dieses einfache Weltbild, sehr schwarz-weiß. Wir büßen unsere Heimat ein, werden regiert vom Finanzjudentum.
Götzl Was stand für Sie im Mittelpunkt?
S. Ich fühlte mich sicher, wurde von Leuten gegrüßt, die mich früher gemobbt hatten. Ich bekam Respekt und hab mich stark gefühlt.
(Zschäpe lächelt abfällig, E. und Wohlleben mustern S.)
S. Zu einem guten Abend gehörte auch eine Polizeikontrolle dazu. Cop-Running nannten wir das, losrennen, wenn Polizei kommt. Dann ging bei denen das Blaulicht an.
Götzl Welche Rolle haben Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe für Sie gespielt?
S. Die waren einige von den Älteren. Ich habe erst aus der Presse erfahren, dass Frau Zschäpe erst mit dem einen, dann mit dem anderen zusammen war.
Götzl Haben Sie sich nicht gefragt, wie kommen die auf mich?
S. Ich hab mich nicht gefragt.
Götzl Können Sie mir ein Telefongespräch mit Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe schildern?
S. Es wurde ganz schnell gesprochen, von hinten hat einer von denen dazwischengequakt.
Götzl Wie war Frau Zschäpe, als Sie sie getroffen haben?
S. Beim Treffen zur Übergabe der Waffe war sie nur kurz da, zwei, drei Minuten. Sie hat keinen der beiden Uwes auf den Mund geküsst.
Götzl Hatten Sie keine Bedenken, die Pistole mit Schalldämpfer und Munition zu übergeben?
S. Anscheinend nicht.
Götzl Was haben Sie sich vorgestellt?
S. Dass sie vielleicht Geld brauchten. Vielleicht dafür.
Götzl Wofür war dann der Schalldämpfer nötig?
S. Der war halt dabei.
Götzl Hätten Sie ihn halt nicht übergeben. Hatten Sie keine Befürchtung?
S. Ich weiß es nicht.
Götzl Haben Sie sich überhaupt keine Gedanken gemacht?
S. Ich kann mich an keine erinnern.
Götzl Sie haben in der polizeilichen Vernehmung gesagt, der Wunsch nach einer Waffe sei ihnen komisch vorgekommen und Sie hätten Bauchschmerzen gehabt. Was haben Sie damit gemeint?
S. Das ist ja kein normaler Wunsch, deswegen war das komisch.


TAG 7
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Holger G., Angeklagter. Manfred Götzl, Richter. Stefan Hachmeister, Anwalt von Holger G.

G. (Spricht im Telegrammstil los.) Geboren 1974, Schulzeit 1980 bis 1989, Standard-Erziehung DDR durchlaufen, Thälmann-Pioniere, FDJ und so weiter. Lehre als Zerspanungsmechaniker. Danach, wie damals für DDR-Verhältnisse üblich, arbeitslos. ABM, zweite Ausbildung, Qualitätsfachmann 1997 abgeschlossen. Nach Hannover gezogen, zum älteren Bruder, wegen Arbeit, bis 2011 bei Firma beschäftigt. Bei Firma CTL bis zu Verhaftung gearbeitet. Dann gleich wieder Arbeit gefunden. Aufgrund des Prozesses jetzt nicht mehr.
Götzl Ich denke, wir fangen einfach noch mal an. Nehmen Sie ein bisschen Geschwindigkeit raus.
G. Sie sagen das so. Ich bin total aufgeregt.
Götzl Sie müssen sich bemühen, langsamer zu sprechen. Nehmen Sie sich Zeit.
(Um die Akustik zu verbessern, werden Kopfhörer an die Nebenkläger verteilt und G. bekommt ein neues Mikrofon.)
G. Ab 1986 begann ich mit Schule schwänzen, musste wöchentlich zum Direktor. 1989 von Polytechnischer Oberschule geflogen, weil wir dem Russischlehrer sein Moped auseinandergebaut haben. Das fand die Schule nicht so lustig. Danach Lehre. Dann Mauer weg, dann ging der Wind anders. Mit Mutter nach Hannover gezogen, wegen der Arbeit. War 15 Jahre Lagerist bei der gleichen Firma, wurde Schichtführer, hab Verantwortung getragen. Unsere Firma hat sich 2007 verkleinert, von 120 auf zwanzig Mitarbeiter, ich bin trotzdem geblieben, ich denke, das sagt alles. 2007 hab ich dann meine Lebensgefährtin kennengelernt, ich führe das, was wir früher ein Spießerleben genannt haben. Im Moment leben wir nicht zusammen, wegen dem Zeugenschutzprogramm. Mit ihr hat sich alles verändert. Natürlich hat man ihr nicht gesagt, was man vorher getan hat. Die dachte, sie hätte einen Stinknormalen. Deswegen ist sie 2011 aus allen Wolken gefallen.
(Windet sich auf seinem Stuhl.)
Götzl Wie sah es mit Alkohol aus?
G. Hat man getrunken. Seit ich meine Frau kenne, trinke ich nicht mehr.
Götzl Gab es andere Probleme?
G. Man hat viel und exzessiv am Geldautomaten gespielt, Spielsucht. Man hat Therapie gemacht 2009/10. Das Problem ist noch da, aber früher schlimmer. Zwischen 2004 und 2006 Speed und Ecstasy genommen. Man hat aber sein Leben geregelt gekriegt.
Götzl Will Herr G. zur Sache aussagen?
Hachmeister Unser Mandant will dazu eine Erklärung verlesen.
G. Hohes Gericht, zuerst möchte ich den Angehörigen das Beileid aussprechen. Ich bin entsetzt über das Leid, das diese sinnlosen Taten über die Familien gebracht haben. Ich bin bereit, für meinen Teil die Verantwortung zu übernehmen. Mein Tatbeitrag ist nicht so wie vom Generalbundesanwalt dargestellt. Ich habe Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos in den Neunzigerjahren kennengelernt, sie haben eine Autorität verkörpert in der Szene. Wir haben darüber diskutiert, ob wir unsere Ansichten mit Gewalt durchsetzen sollen. Es war eine theoretische Diskussion, ich habe es nicht für möglich gehalten, dass die drei Gewalt in dem hier vorgeworfenen Ausmaß ausüben könnten. Das hätte ich ihnen nicht zugetraut. Als Freund habe ich ihre Entscheidung, im Untergrund zu leben, akzeptiert. Ich habe ihnen 3000 D-Mark geliehen und meinen Reisepass. Ich habe erst jetzt erkannt, zu was meine Identität benutzt wurde. Wir haben uns einmal im Jahr getroffen. Bei mir in der Wohnung. Oder im Urlaub. 2004 kam mein Ausstieg aus der aktiven Szene.
(Pause.)
G. (Fährt fort.) Eines Abends klingelte es an der Tür, es waren die drei. Sie wollten meinen Führerschein. Erst habe ich mich in Ausreden geflüchtet, dass ich den Ausweis selbst brauche. Sie haben mir erklärt, ich soll mir keinen Kopf machen. Wir machen keinen Scheiß damit, so wie du dich immer auf uns verlassen konntest. Deinen Pass haben wir ja auch, sagten sie. (Wendet sich an den Richter.) Wenn Sie mich für naiv und bescheuert halten, dann kann ich Ihnen nur recht geben. Dass die drei Straftaten begehen würden, habe ich nie im Leben geglaubt. (Pause.) Ein anderes Mal sagte der Uwe: Holger, der Beate geht es nicht gut. Sie hat Schmerzen am Unterleib. Ich habe eine Bekannte angesprochen und sie regelrecht bequatscht, mir ihre AOK-Karte zu verkaufen. Beate hat mir leidgetan. Nein, das stimmt nicht, dass ich damit das Morden von Menschen ermöglichen wollte.
(Pause.)
G. Beate hatte Kuchen gebacken, die drei kamen zu mir, im Sommer 2011. Sie waren gut vorbereitet. Ich sagte: Es reicht jetzt einfach, ihr hattet zehn Jahre meinen Pass. Sie sagten: Holger, wir brauchen deine Hilfe. Uwe Böhnhardt appellierte an meine gute Seite, Uwe Mundlos setzte mich unter Druck: Das sei schon vorher rechtswidrig gewesen mit meinem Pass, da sei ich jetzt mit dran. Mir kam das als Drohung vor. Am Ende habe ich eingewilligt, ihnen noch mal einen neuen Pass zu besorgen.
(Pause.)
G. Die drei hatten mir 10 000 Mark anvertraut mit der Maßgabe, das Geld muss vorhanden sein, wenn sie es benötigen. Ich habe es aber bis 2004 ausgegeben. Das war mir unangenehm, ich wusste, die drei heißen es nicht gut.
(Pause.)
G. Es gab einen Besuch bei Ralf Wohlleben. Ralf fragte, ob ich den dreien was bringen könnte, nach Zwickau. Aus seinem Schlafzimmer hat er einen Stoffbeutel geholt und in meine Reisetasche gepackt. Ich wollte nicht indiskret wirken und habe nicht gefragt. Im Zug habe ich in der Tasche eine Schusswaffe ertastet. Ich hatte eine Abneigung gegen Waffen und war empört. Was soll der Scheiß? In Zwickau hat mich Beate abgeholt am Bahnhof. (Pause.) Ich hatte nie das Gefühl, mit einer terroristischen Vereinigung befreundet zu sein. Die Unterstützung tut mir fürchterlich leid. Ich möchte mich dafür entschuldigen. (Er stöhnt, setzt seine Brille ab.)


TAG 8
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Thomas Bliwier, Anwalt Nebenklage. Stefan Hachmeister, Anwalt von Holger G.. Manfred Götzl, Richter. Carsten S., Angeklagter.


(Am 4. November 2011 um 12.05 Uhr erschossen sich Mundlos und Böhnhardt in ihrem Wohnmobil, das von der Polizei umstellt war. Sie hatten in Eisenach eine Sparkasse überfallen. Insgesamt sollen 15 bewaffnete Raubüberfälle auf das Konto des NSU gehen. Beute: eine halbe Million Euro.)


Bliwier Holger G. hat sich selbst belastet, er hat Tatvorwürfe eingeräumt, aber er lässt keine Fragen zu. Das ist in hohem Maße bedauerlich. Es ist zu sehen, wie stark er betroffen ist, emotional. Die Entschuldigung wird von der Familie Yozgat anerkannt. Aber das ist zu wenig. Weil es der Familie Yozgat nicht darum geht, welche Strafen verhängt werden, sondern um Aufklärung. (Er wendet sich direkt an G.) Sie hätten eine große Chance, Aufklärungshilfe zu leisten und einen Großteil des Unrechts in Ansätzen wieder gutzumachen.
Götzl Möchten Sie dazu etwas sagen?
Hachmeister Unser Mandant möchte zunächst schweigen.
Götzl Dann kommen wir jetzt zu Herrn S. Sie möchten sich noch weiter äußern.
S. Ich bin an einen Punkt gekommen, wo ich reinen Tisch machen möchte. Was der Vertreter von Herrn Yozgat gerade gesagt hat, das sehe ich auch so. Ich stelle mich meinen Geistern. (Pause.) Als ich mich mit den dreien im Bahnhof in Chemnitz getroffen habe, sind wir an BGS-Leuten vorbeigelaufen. Und sie sagten mir, ich soll meinen Pullover ausziehen. Da stand drauf: All Policemen are bastards. Dann waren wir in dem Café in dem Einkaufzentrum. Mir gegenüber saß Uwe Böhnhardt, er hat seinen Fingerabdruck aufs Display vom Handy gedrückt. Was denkst du, was der wert ist, fragte er. Weil sie ja gesucht werden. Die beiden haben an ihren Rucksack getippt und haben gesagt: Wir sind immer bewaffnet. Dann haben sie gesagt, dass sie in Nürnberg eine Taschenlampe in ein Geschäft gestellt haben. (S. beginnt zu weinen.) Ich wusste nicht, was die meinen. Mir kam der Gedanke nachts, dass die da Sprengstoff eingebaut haben in die Taschenlampe. Das konnte ich mir nicht vorstellen, das war jetzt eine Ausnahme, habe ich mir gesagt. Das habe ich niemandem gesagt, das hab ich ganz schnell wieder weggetan. (Schnieft.) Später haben wir mal telefoniert, Herr Wohlleben und ich und die. Er hat gelacht. Die haben jemanden angeschossen, hat er gesagt. Und ich hab in Erinnerung, dass ich gedacht habe: Hoffentlich nicht mit der Waffe. Bei der Waffenübergabe waren wir im Arbeitszimmer von Herrn Wohlleben. Er hat die Waffe ausgepackt und angeguckt und hat den Schalldämpfer draufgeschraubt. Er hat die Waffe auf mich gerichtet und gelacht. Ich hab 'nen Schreck bekommen, damit zielt man nicht auf Menschen. (Schnäuzt sich und wendet sich an Götzl.) Sie haben gefragt: Wo war die Grenze? Wenn die gesagt hätten, da steht ein Bimbo, ein Kanacke, da wäre ich nicht mitgerannt. Das hätte ich nicht ausgehalten.
Götzl Wieso nicht?
S. Ich war kein Rassist. Meine Schwester hat einen Mann geheiratet, der aus Ghana kam. Die Aufkleber mit dem schwarzen Mann, der einer weißen Frau an den Hintern fasst, habe ich nicht bestellt bei der Parteizentrale.
Götzl Warum haben Sie das mit der Taschenlampe nicht früher erzählt? Ich hab das in keiner Ihrer polizeilichen Vernehmungen gelesen.
S. Ich bin erst jetzt zu dem Entschluss gekommen, dass ich aufräumen muss. Das heute war für mich ein Riesenschritt.


TAG 14
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Manfred Götzl, Richter. Beate Zschäpe, Angeklagte.

Richter Götzl lässt das »Paulchen Panther«-Video auf zwei Leinwänden im Gerichtssaal abspielen. Im Bild immer wieder Gesichter von Menschen, die gerade ermordet wurden. Zschäpe verfolgt die Vorführung mit verschränkten Armen.


TAG 15
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Frank Lenk, Brandursachenermittler in Zschäpes Wohnhaus in Zwickau. Manfred Götzl, Richter. Beate Zschäpe, Angeklagte.

Götzl Kommen wir zum Freitag, den 4.11.2011. Wann war die Polizei am Tatort in der Frühlingsstraße?
Lenk Gegen 15.15 Uhr war die Feuerwehr am Ort. Ich habe dann die Branddokumentation organisiert. Am Samstag um 16 Uhr wurde die erste Waffe gefunden, sie lag auf dem Fußboden in Brandschutt; ich gehe davon aus, dass sie durchgeladen war. Sonnabend oder Sonntag haben wir den Wandtresor gefunden. In einem der Schlafzimmer. Der Tresor war nachweisbar geöffnet, darin wurde Waffe 2 gefunden, zudem Handschellen mit Nummerierung. Es hat sich herausgestellt, dass sie der Kollegin aus Heilbronn gehörten. Vor dem Haus wurden die restlichen Waffen im Brandschutt gefunden, ebenfalls die Munition. Insgesamt wurden im Verlauf der Brandräumung elf Waffen gefunden plus Munition.
(Zschäpe verschränkt die Arme.)
Lenk Ich lege nun einzelne Bilder des Brandorts in der Frühlingsstraße vor.
(Er zeigt in der Folge - an insgesamt drei Prozesstagen - 1088 Bilder vom Brand und von der Wohnung des NSU in Zwickau. Sie werden mit einem Projektor an zwei Leinwände im Saal geworfen und einzeln erläutert.)
Lenk Bild 92: Übersichtaufnahme. Deutlich ist die herausgesprengte Wand zu erkennen.
Bild 114 dokumentiert den Inhalt des Briefkastens der Wohnung. Die Ausgabe des Wochenspiegels vom Mittwoch, 2. 11., fand sich noch im Briefkasten. Am Briefkasten stand ›Dienelt‹ und etwas kleiner ›Burkhardt‹.
Bild 229 Detailaufnahme des Blumenkastens, der sich am Fenster befindet. Kameras zur Überwachung wurden unter anderem am Küchenfenster in einem Blumentopf mit grünen Kunststoffpflanzen gefunden.
Im nächsten Bild sieht man den Benzinkanister rechts neben dem kleinem Unterschrank.
Bild 282 zeigt eine Übersichtsaufnahme der gefundenen Schuhe.
Bild 351 zeigt die Sitzecke in der Küche.
Bild 357 zeigt die rechte Seite der Küche, der E-Herd und die Spüle sind zu erkennen... Bild 358: Man sieht noch einen Wasserkocher, man sieht eine Dunstabzugshaube, einen Topf ...
(Zschäpe hat ihre Brille aufgesetzt und kaut auf ihren Lippen.)
Lenk (Fährt fort.) Nun zum Grundriss der Wohnung: Bereich F, der Sportraum. Die Hantelbank und das Laufband standen im Sportraum. Bereich I ist das Katzenzimmer mit Kratzbäumen; im Katzenzimmer wurden mehrere Spuren von Ottokraftstoff sichergestellt, teilweise wurden sie vom Hund angezeigt, aber das LKA konnte nichts feststellen. Aber der Hund ist besser als die Chemie, die verwendet wird.
Götzl Wie groß war die Wohnung?
Lenk Der Sportraum 20,61 Quadratmeter; Schlafzimmer 18 Quadratmeter, Katzenzimmer 13,77 Quadratmeter, Bad 5,92 Quadratmeter, Lagerraum 4,3 Quadratmeter; Wohnzimmer 17 Quadratmeter, Küche 15,55 Quadratmeter. Der Keller hatte einen Funkkontaktmelder, er war alarmgesichert. Er war durch eine Stahltür zu betreten; wurde gewaltsam von den Beamten geöffnet. Es wurden darin sichergestellt: Arbeitsgerät, Fahrräder, Kisten.


TAG 17
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André Poitschke
, Kriminalhauptmeister in Zwickau. Manfred Götzl, Richter.

Poitschke Die Frau Zschäpe hat sich am 8. 11. der Polizei in Jena gestellt. Ihre Bekleidung wurde sichergestellt, sie wurde erkennungsdienstlich behandelt und zur Spurensicherung nach Zwickau überführt. Ich war dafür vorgesehen, die Beschuldigtenvernehmung durchzuführen. Gegen 18.15 Uhr ging es los. Frau Zschäpe erklärte, dass sie keine Angaben zum Sachverhalt machen möchte. Ich habe dann nur die Personalien festgestellt. Frau Zschäpe war bekleidet mit einem Polizeitrainingsanzug, das war ihr unangenehm. Sie konnte rauchen, etwas zu essen war auch da. Es hat sich ein lockeres Gespräch entwickelt. Sie hat erzählt, dass sie ein Omakind war. Dann sind die zwei Uwes in ihr Leben getreten, mit ihnen hat sie ihr Leben verbracht, das war dann ihre Familie.
Götzl In welcher Verfassung war Frau Zschäpe?
Poitschke Man hat ihr angemerkt, dass sie ein paar Tage unterwegs war und vielleicht froh war, dass die Sache vorbei war. Sie hat kurz geredet, dass sie nicht mehr viele Freunde hat und versucht hat, Freunde aufzusuchen.
Götzl Wie war das Verhältnis zur Mutter und Großmutter?
Poitschke Sie hatte ein schlechtes Verhältnis zur Mutter. Zu ihrer Oma bestehen offenbar noch starke emotionale Bindungen. Sie hat es bedauert, dass sie vor dem Stellen bei der Polizei nicht noch ihre Oma aufgesucht hat. Und sie sagte, beide Uwes hatten ein behütetes Elternhaus, sie könne sich nicht erklären, warum sie sich so entwickelt haben.
Götzl Stichwort Katzen.
Poitschke Sie hat ihre Katzen sehr gern gehabt, hat sich erkundigt, was aus ihnen geworden ist. Ich habe ihr gesagt, sie sind im Tierheim untergebracht. Wir haben respektiert, dass Frau Zschäpe sich zum Tatvorwurf nicht äußern will. Ich habe gefragt, ob sie die Absicht hatte, sich das Leben zu nehmen. Sie brachte zum Ausdruck, dass sie mehrfach daran gedacht hatte, dass sie dachte, ich mach auch Schluss wie die beiden Männer. Aber sie fand nicht die Kraft dazu.


TAG 18
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Rainer Binz, Kriminalbeamter beim Bundeskriminalamt, begleitete Zschäpe bei einem Gefangenentransport.

Binz Frau Zschäpe freute sich auf diese Fahrt, auf Oma und Mutter, auch mal was anderes zu sehen außerhalb der JVA. Sie hatte blonde Strähnen in ihrem Haar. Wie kommen Sie in der JVA zu diesen Strähnen, fragte ich. Die Friseurmeisterin bildet Gefangene aus, sagte sie. Die machen das für zehn Euro. Dann haben wir übers Wetter geredet. Ich kenne die Insel Fehmarn gut von den Ferien mit meinen Kindern. Wer sagt denn, dass ich jemals auf Fehmarn war, sagte sie. Dann haben wir über die JVA Köln geredet. Sie klagte, in ihrer Zelle habe es immer nur 18 Grad und kaltes Wasser. In Chemnitz fand sie es schön warm. Ich fragte sie, haben Sie schon mal Akten angeschaut? Ja, sie hat Zeugenvernehmungen gelesen. Sie sei interessiert, wie die Leute über sie denken, die sie gekannt hat. Die anderen Dinge habe sie erst mal nicht zur Kenntnis genommen, das sei schon sehr belastend, das könnte sie nicht so lange machen. (Kurze Pause.) Ich habe sie dann auf ihren Satz angesprochen, dass sie sich nicht gestellt habe, um nicht auszusagen. Sie wollte das eigentlich, auch um ihrer Groß-mutter deutlich zu machen, wie alles gekommen ist, und um sich bei ihr zu entschuldigen, sagte sie. Aber ihr Anwalt rät davon ab. Sie war am Überlegen. Aber so einen Fall wie mich, das hat's doch noch nie gegeben, sagte sie über sich. Und ich meinte, ich bin doch schon länger im Geschäft, wir hatten die RAF. Ich habe ihr von Susanne Albrecht erzählt, die in der DDR lebte. Albrecht hat alles gesagt, was sie wusste. Christian Klar hat nie etwas gesagt. Klar hat über zwanzig Jahre verbüßt, und Albrecht war nach sechs Jahren wieder draußen. Sie führt heute ein normales Leben, in einem anerkannten Beruf, unter anderem Namen, habe ich Frau Zschäpe dann noch gesagt. Es gab dann eine Situation, als wir an Jena vorbeigefahren sind. Der Ort, wo sie aufgewachsen ist. Ich sagte: Übrigens da oben, da habe ich die Eltern von Uwe Böhnhardt vernommen. Ich wollte sehen, wie sie reagiert. Ich sagte: Das waren nette Leute, die mochten Sie gut leiden. Sie sagte: Ich mochte sie auch. Ich habe dann noch gesagt: Der Vater sieht dem Sohn wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich. Da schaute sie auf die Plattenbauten, den Kopf frontal an der Scheibe, sie schien emotional berührt zu sein. Sie hatte ein klein bisschen feuchte Augen. Sie hat aber trotzdem nicht gesagt, wie alles gewesen ist.


TAG 21
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Günther Burger, Zeuge aus Nürnberg. Manfred Götzl, Richter.

Burger Ich war am Samstag mit meinem Sohn unterwegs, erst zum Recyclinghof, um Möbel zu entsorgen, dann fuhren wir zurück. Wir hatten die Fenster im Auto runtergedreht und fuhren an dem Parkplatz vorbei, wo der Blumenhändler stand. In dem Moment hörten wir mehrere metallische harte Schläge. Zwei Männer in Radlerkleidung gingen schnell von dem Fahrzeug des Blumenhändlers weg. Ich konnte nicht erkennen, wohin, wir mussten weiterfahren, hinter uns waren Autos. Die Männer waren so um die zwanzig, vielleicht ein bisschen älter, einer hatte ein Base-Käppi auf. Es muss kurz vor 13 Uhr gewesen sein, der Recyclinghof schließt um 14 Uhr. Ich war noch verwundert, dass man hier überhaupt ein Geschäft machen kann.
Götzl Wie haben Sie die metallischen Schläge eingeordnet?
Burger Es war keine Aktion zu sehen, es war kein Handlungsbedarf ersichtlich.


TAG 22
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Josef Wilfling, Kriminaloberrat a. D. aus München. Manfred Götzl, Richter. Mehmet Daimagüler, Anwalt Nebenklage. Pinar Kilic, Witwe des Mordopfers Habil Kilic.

Götzl Es geht heute um die Tat zum Nachteil von Habil Kilic.
Wilfling Ich wurde kurz nach elf Uhr am 29. August 2001 verständigt. Ich war Leiter der Mordkommission 5. Herr Kilic war hinter seiner Ladentheke in einer Blutlache aufgefunden worden. Zwei Damen von gegenüber berichteten unabhängig voneinander, dass sie einen dunklen Mercedes gesehen hatten. Ein Mann sei aus dem Laden herausgestürmt und mit quietschenden Reifen davongefahren. Es hat sich später herausgestellt, dass die beiden gar nichts gesehen haben. Die Frau hatte ein Alkoholproblem, und die andere hat es einfach nacherzählt. Ein anderer Zeuge hat einen angeblichen Türken gesehen, mit einem anderen Fahrzeug. Wir haben über 300 Fahrzeuge des Typs überprüft, es gab keine Tatrelevanz. Dann gab es noch einen Hinweis von zwei Damen, die wiesen uns auf zwei Fahrradfahrer hin. Sie haben um 9.30 Uhr zwei dunkel gekleidete Männer mit Rädern beobachtet; eine weitere Zeugin sah gegen 10.45 Uhr zwei junge Radler, die unterhalb ihres Balkons in Richtung Tatort fuhren. Erwähnen muss ich noch, dass eine Beschreibung der Radfahrer nicht vorgelegen hat, die Zeuginnen sprachen lediglich von modernen Rädern und jungen Männern, die wie Kurierfahrer gewirkt haben. Die Radfahrer haben wir damals als Zeugen gesucht.
Götzl Was können Sie uns über die Auffindesituation sagen?
Wilfling Es war ein ganz normales Warenangebot. Es war ordentlich, es war sauber. Es wurde in dem Geschäft wirklich jeder Quadratzentimeter nach Spuren abgesucht, auch die Obstkisten. Auch der Inhalt der Geschirrspülmaschine. Nach unserer Einschätzung war das eine absolut professionelle Hinrichtung. Einen Raubmord haben wir ausgeschlossen. Die Geldbörse steckte noch in der Tasche, die Kasse war bestückt. Es waren 216 Mark in der Kasse.
Daimagüler Sie haben die Radfahrer gesucht?
Wilfling Ja.
Daimagüler Aber es hat sich niemand gemeldet?
Wilfling Das ist aus heutiger Sicht verständlich.
Daimagüler Hat das Ihre Ansicht über die Radfahrer nicht verändert?
Wilfling Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass das die Täter waren. Es wird immer wieder der Fehler gemacht, dass man von heute auf damals schließt. Da gab es Hunderte von Hinweisen. Trotzdem haben wir die Fahrradfahrer in die Fahndung eingebunden. Wir haben etwa fünfzig Zeugen vernommen im Fall Kilic, circa vierzig davon Türken. Alle Hinweise, die kamen, gingen in Richtung Organisierte Kriminalität, PKK, Graue Wölfe. Niemand vermutete Rechtsradikale. Der Modus der Tat entsprach nicht dem, was man sonst von Neonazis kannte, also Ausländer durch die Straße jagen, zu Tode prügeln. Und jetzt soll man mal nicht so tun, als ob es keine türkische Drogenmafia gibt. Im Fall Kilic haben wir überhaupt keine Hinweise auf so was gefunden. Der Herr Kilic war ein kreuzbraver, fleißiger, humorvoller Mensch.
(Wilfling ab. Kilic betritt den Zeugenstand.)
Götzl Frau Kilic, bitte nehmen Sie Platz. Zunächst zu Ihren Personalien.
Kilic Pinar, Kilic, 51 Jahre. Ich bin verheiratet mit Kilic. Das ist mein Mann.
Götzl Ja ..., das ist schon klar.
Kilic Und diese Dame, was sie gemacht hat?
(Sie schaut Zschäpe an.)
Götzl Wir brauchen zunächst Ihre Adresse.
Kilic Das will ich nicht öffentlich sagen. Ich kann Ihnen meinen Ausweis zeigen.
Götzl Erzählen Sie doch zunächst von Ihrem Leben, Ihrer Familie.
Kilic Fragen Sie diese Frau ...
(Sie deutet auf Zschäpe.)
Götzl Was war Herr Kilic für ein Mann?
Kilic Er war ein sehr guter Mensch, ein Familienvater. Er war ein anständiger Mann. Was soll ich dann noch erklären? Ich will, dass diese Frau ihre Strafe bekommt.
Götzl Hier ist eine Gelegenheit, dass Sie das Leben Ihres Mannes schildern.
Kilic Ich sag, das ist für mich ein guter Mensch gewesen.
Götzl Was hat er damals gemacht, wie war seine Lebenssituation?
Kilic (trotzig) Was soll ich da noch sagen?
Götzl Wenn ich Sie höflich frage, erwarte ich auch höfliche Antworten.
Kilic Jahrelang wurde ich wie eine Verdächtige behandelt. Im Laden war ein Blutbad drin, das mussten wir selber sauber machen.
Götzl Wie ist denn nach der Tötung Ihres Mannes das Leben weitergegangen?
Kilic Wie soll es sein?


TAG 26
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Stephan Seidl, Rechtsmediziner. Dieter Stiefel, Waffenexperte beim Landeskriminalamt Bayern. Manfred Götzl, Richter. Angela Wierig, Anwältin Nebenklage.

Seidl Ich habe die Obduktion bei Herrn Enver Simsek vorgenommen. Das Opfer war zum Tatzeitpunkt 38 Jahre alt und 176 Zentimeter groß. Es waren keine Vorerkrankungen erkennbar. Der Körper wurde von acht Schüssen getroffen. Ich nehme auf meine Aufzeichnungen Bezug. Erstens: Schädelsteckschuss, Einschuss Oberlippe, durch Oberkieferschneidezähne, zwischen Riechkolben und Schädellappen. Kupferfarbiges Projektil eingepresst in Schädel. Massives Hirnödem. Letztlich tödlich. Zweitens: Schädelweichteildurchschuss, Einschuss Unterlippe, Aussprengung des linken oberen ersten Schneidezahnes. Durchschuss des linken Augapfels. Halbrunde Knochenaussprengung im äußeren Drittel der Augenbraue an der Ausschusswunde. Drittens: Schädelweichteilsteckschuss, linke Wange, sechs Zentimeter vor linkem Ohrmuschelansatz, zwei Millimeter breiter Schürfsaum, vier Zentimeter hinter dem Gehörgang in Kopfschwarte ein Projektil gefunden. Viertens: Schädelweichteil-Steckschuss, rechte Wange, bohnenkerngroß, strahlige Beschaffenheit, Nahschuss vermutlich, Geschoss in den Weichteilen unter dem Jochbein. Fünftens: Kopf-Rumpf-Steckschuss, Einschuss linke Wange, drei Millimeter Durchmesser, darunter eine kleine Aussprengung des Kieferknochens, kräftige Einblutung in Mundboden und Halsweichteile, das deformierte Projektil fand sich in der oberflächlichen Rückenmuskulatur. Sechstens: Rumpf-Steckschuss, Schusskanal von rechter Brustseite Durchschnitt fünf Millimeter, nach oben hinten innen gerichtet. Unterblutungen der Pleurakuppel. Siebtens: Armdurchschuss, Einschuss am linken Unterarm, drei Millimeter, Ausschuss, Beugeseite Oberarm. Achtens: Streckseite des linken Ellenbogen. (Kurze Pause.) Der erste Schuss war therapeutisch nicht behandelbar.
(Seidl ab. Stiefel tritt in den Zeugenstand.)
Stiefel Wir haben einen SEK-Beamten mit den Einschussdefekten markiert und ihn dann mit Farbmunition beschossen - er hatte Schutzkleidung an -, um die Schlüssigkeit unserer Annahmen zu überprüfen. Wir gehen davon aus, dass der Schütze vor dem Fahrzeug stand. Der Brustschuss rechts steigt an, der Wangenschuss links steigt an. Sehr schwierig einzuordnen ist der Mundschuss. Es ist nicht auszuschließen, dass der Schütze ins Fahrzeug gestiegen ist und auf die liegende Person geschossen hat. Wir reden von einem Zeitablauf von zehn bis 15 Sekunden.
Wierig Warum hat das Gutachten so lange gedauert? Der Auftrag erging am 12. September 2000, erstellt wurde es erst 2002.
Stiefel Das kann ich nach so langer Zeit nicht mehr sagen, die Sache ist zurückgestellt worden, weil andere Dinge vordringlicher waren.


TAG 27

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Olaf Busch
, Nachbar von Beate Zschäpe in Zwickau. Manfred Götzl, Richter. Carsten Ilius, Sebastian Scharmer, Anwälte Nebenklage. Ronny Bodach, Polizeibeamter aus Zwickau.


(Plüschbär, circa 30 cm lang. Ermittler fanden ihn im Wohnmobil, in dem sich Mundlos und Böhnhardt erschossen.)

Götzl Herr Busch, es geht uns um Ereignisse am 4. 11. und davor. Vielleicht erzählen Sie mal, wie Sie gewohnt haben.
Busch Ich habe in der Frühlingsstraße 26 gewohnt, im Dachgeschoss links. Circa ein Jahr später ist, tja, eine Frau eingezogen mit zwei Männern, die haben aus zwei Wohnungen eine Wohnung gemacht. Das war's.
Götzl Hatten Sie Kontakt zu den Personen?
Busch Ich geh früh aus dem Haus und komme abends wieder. Ich hatte nur zu der Frau Kontakt, dass man sich ein bisschen unterhalten hat, zu den Männern weniger, guten Tag und guten Weg, mehr kann ich dazu nicht sagen.
Götzl Unter welchem Namen hat sich die Frau Ihnen vorgestellt?
Busch Susann Dienelt.
Götzl Wie häufig hatten Sie Kontakt zu ihr?
Busch Wenn ich am Wochenende hinterm Haus war, mal ein kurzes Schwätzchen, über Gott und die Welt.
Götzl Wissen Sie noch etwas genauer, über was Sie geredet haben?
Busch Herr Richter, das ist ein, zwei Jahre her. Ich hab null Ahnung. Bei der Fußball-WM hab ich den Fernseher rausgeholt, da saßen die Nachbarn und schauten, sie hat uns eine große Pizza runtergebracht, als nachbarschaftliche Geste.
Götzl Wurde darüber geredet, eine Frau und zwei Männer?
Busch Einer soll ihr Freund gewesen sein und der andere der Bruder vom Freund. Das hat plausibel geklungen.
Götzl Können Sie die beiden mal beschreiben?
Busch Weniger. Die sind viel Fahrrad gefahren. Alle drei, die hatten kein eigenes Auto, erledigten alles mit Fahrrädern. Sie ist auch viel gejoggt. Die Männer haben Glückauf gesagt und sind in den Keller mit ihren Fahrrädern. Die lässt man nicht stehen, sonst sind die weg.
Götzl Hat sie berichtet, was die beiden Männer beruflich machen?
Busch Die beiden würden Fahrzeugüberführungen machen, deswegen würden auch öfter fremde Fahrzeuge hinterm Haus stehen. Sie selbst würde von zu Hause vom Computer aus arbeiten, sie sei fast ständig zu Hause. Klang auch plausibel.
Götzl Hatten Sie sehr schnell Kontakt?
Busch Ja, sie hat sich selbst vorgestellt. Das ist bei uns halt so, dass man sich gegeneinander vorstellt.
Götzl Über was haben Sie mit Frau Zschäpe gesprochen?
Busch Ja, dass sie auf Urlaub auf der Insel Fehmarn waren. Dass der Urlaub schön war.
Götzl Wer war dabei?
Busch Wenn, dann sind sie alle drei gefahren. Klamotten rein, Fahrräder rein, Surfbretter rein ins Wohnmobil. Das klang alles plausibel. Ich hab andere Dinge im Kopf, ich muss meine Firma am Laufen halten.
Götzl Sie sind oft im Keller gesessen und haben etwas getrunken, haben Sie bei der Polizei gesagt.
Busch Ja, ist nichts Verwerfliches dran. Sie hat sich öfter zu uns gesetzt - ist im Osten so.
Götzl Das ist nicht nur im Osten so, das ist überall so.
Busch Wir haben Bier getrunken, aber sie mochte das nicht so. Sie hat Prosecco getrunken, oder ein Glas Wein, mal eine Zigarette mitgeraucht, obwohl sie aufhören wollte mit Rauchen.
Götzl Ist in Ihrem Besitz eigentlich ein Bild von Adolf Hitler?
Busch Ja, das habe ich. Es steht im Keller auf dem Fernseher.
Götzl Was hat es mit dem Bild auf sich?
Busch Das ist ein Andenken an Krause Thomas, meinen Nachbarn. Ich hab die Wohnung nach seinem Tod entrümpelt und es in meinen eigenen vier Wänden auf den Fernseher gestellt. Jeder, der bei mir im Keller saß, wusste das.
Götzl Hat Frau Zschäpe mal was zu dem Bild gesagt?
Busch Nein, gar nichts.
Götzl Hat das Bild von Hitler eine Bedeutung für Sie?
Busch Nur als reine Erinnerung.
Götzl Wie ist Ihre politische Einstellung?
Busch Ich gehöre keiner Religion an, und was die Politik macht ... Ich nehm es so, wie es ist.
Götzl Hatte Frau Zschäpe einen Spitznamen?
Busch Ja, Diddlmaus.
Götzl Wie kamen Sie darauf?
Busch Sie hieß Dienelt und sie ist 'ne Maus.
Götzl Haben Sie sie so angesprochen?
Busch Natürlich, die Diddlmaus. Sie ist ja auch eine hübsche Maus.
Ilius Sie wissen, dass Sie sich mit dem Zeigen des Hitlerbildes strafbar machen können?
Busch Nein, ich hab eine Bestätigung von der Polizei Zwickau: In meinen eigenen vier Wänden kann ich tun und lassen, was ich will.
Ilius Mich interessiert Ihr Verhältnis zu Hitler und dem Dritten Reich noch etwas mehr. Sie haben einen Jutesack mit einem Hakenkreuz im Keller?
Busch Nein, das war nicht im Keller, der hing in der Wohnung an der Wand.
Ilius Zu welchem Zweck?
Busch Den habe ich gefunden bei der Entrümpelung, der war noch nagelneu, eingepackt in Folie.
Ilius Können Sie schildern, welche politische Einstellung Frau Zschäpe hatte?
Busch Nein. Sie war eine liebe, gute Nachbarin. Ihre Gesinnung hat sie nie uns gegenüber preisgegeben.
Scharmer Fahren Sie einen Kübelwagen VW 188, auf dem ein Eisernes Kreuz aufgemalt ist?
Busch Ja, den hab ich noch. Das Eiserne Kreuz ist das Hoheitszeichen der Bundesrepublik Deutschland. Das hat die Bundeskanzlerin auch auf ihrem Flugzeug drauf.
Scharmer Ich frage ja nur nach Ihrer politischen Meinung. Weil Sie meinten, Sie hätten gar keine politische Meinung. Jutesack mit Hakenkreuz, Hitlerbild, Kübelwagen - da sehen Sie keinen Zusammenhang?
Busch Definitiv nein.
(Busch ab. Ronny Bodach tritt in den Zeugenstand.)
Bodach Ich habe die Auswertung des PCs vorgenommen, der in der Frühlingsstraße in Zwickau gefunden wurde. Ich habe den PC am 6. 11. auf die Dienststelle bekommen, um zu untersuchen, welche Absichten hinter der Brandstiftung standen. Auffällig war, dass am Tag der Brandstiftung im Internet nach Unfällen gesucht wurde. Es wurde eingegeben: Autounfall Mitteldeutschland, Autounfall 1. November. Als Allerletztes ist nach einem Tierheim in der Zwickauer Gegend gesucht worden, nach Greenpeace und Bio-Tierhaltung.


TAG 29
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Monika Martin, Nichte einer Rentnerin, die im selben Haus wie Beate Zschäpe wohnte.

Martin Mit einem Mal gab es einen dumpfen Knall. Dann sind wir ans Fenster und haben gesehen, dass da die Wand rausgefallen ist und es brennt. Ich habe meine Tante angerufen, die in dem Haus wohnte, dass sie da raus muss. Die hat das anfangs gar nicht begriffen. Am Abend mussten wir dann noch den Notarzt anrufen, sie hat angefangen zu zittern. Der hat sie ruhiggestellt. Von einem Moment auf den anderen war sie obdachlos, mit ihren 89 Jahren. Sie hat sich nicht wieder richtig erholt.


TAG 30

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Anna Schachinger, Zeugin aus München. Manfred Götzl, Richter.

Götzl Erzählen Sie uns vom 29. August 2001, was wissen Sie denn noch?
Schachinger Ich kann nur sagen, dass an dem Tag, es war Vormittag, ich wollte eigentlich lüften, und dann sehe ich, dass unter meinem Fenster zwei junge Männer mit schwarzem Rad stehen. Ich wollte eigentlich schimpfen, weil man die Räder da nicht hinstellt. Aber ich hab dann die Vorhänge zugemacht und bin zurück in meine Wohnung. (Lacht verlegen.) Und jetzt wollen Sie wissen, wie die ausgeschaut haben, gell? (Lacht.)
Götzl Ja, ...
(Gelächter im Saal.)
Schachinger Junge Männer zwischen 22 und 26 Jahren, dunkle, kurze Haare. Sie haben ein Radldress angehabt, Mützen und Radlerhandschuhe. Und einer hat, glaube ich, einen Rucksack gehabt. Sie haben keinen nervösen Eindruck auf mich gemacht.
Götzl Jetzt haben Sie gesagt, Sie wollten eigentlich schimpfen? Warum haben Sie es dann nicht gemacht?
Schachinger (Lacht.) Ich weiß auch nicht. Vielleicht weil sie sich unterhalten haben, da platzt man nicht dazwischen.
Götzl Es waren ja Bilder in den Medien. Haben Sie die beiden wiedererkannt?
Schachinger Das waren die nicht. Unmöglich.


TAG 31
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Albert Vögeler, Kriminalhauptkommissar aus Nürnberg.

Vögeler Wir haben im persönlichen Umfeld von Herrn Simsek ermittelt. Am Tatort gab es ja einige Widersprüche in der Wahrnehmung der Zeugen. Eine Zeugin sagte aus, dass sie in einem Waldstück, etwa 900 Meter vom Tatort entfernt, ein Streitgespräch beobachtet habe, zwischen zwei Männern. Einer der Männer war zu 100 Prozent der Blumenhändler Enver Simsek, behauptete die Frau. Und sie sah Autos der Streithähne mit rumänischem Kennzeichen. Es gab sehr viele solcher Wahrnehmungen, aber sie waren nicht einheitsgleich. Wir haben umfangreiche Ermittlungen geführt in verschiedenen Bereichen. Der erste Schwerpunkt führte zu einem Konkurrenten, der auch einen Großhandel hatte. Es wurde bekannt, dass sie sich gegenseitig bekämpft hatten. Wir hatten eine verdeckte Info, der Konkurrent habe Simsek mit einem Auftragskiller umbringen wollen. Und ein Zeuge hatte Simsek erkannt: Er habe 1997 Streckmittel von Holland nach Frankfurt gebracht. Letztendlich muss man aber sagen, dass das so nicht stimmen kann. Auch die Ermittlungen nach Rumänien haben zu keinem Ergebnis geführt.


TAG 34

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Beate Keller, Zeugin aus Nürnberg. Manfred Götzl, Richter.

Keller An dem besagten Donnerstag hatte ich einen Termin in der Schule, weil es Probleme mit meinem Sohn gab. Ich bin mit dem Fahrrad zur Schule gefahren und habe zwei Fahrradfahrer gesehen, die einen Stadtplan in der Hand hatten. Dachte mir noch, steigst ab und fragst, ob du helfen kannst. Aber ich war in Zeitdruck. Als ich dann aus der Schule wieder rauskam, habe ich am Dönerimbiss von Herrn Yasar diese beiden Männer wieder gesehen. Der eine hat dem anderen einen Gegenstand in einer Plastiktüte in den Rucksack gesteckt. Ich hab erst am Nachmittag, als mein Sohn aus der Schule kam, erfahren, dass der Herr Yasar ermordet worden ist. Da hab ich den erstbesten Polizisten angehalten und gesagt: Ich hab da heut morgen was gesehen.
Götzl Können Sie die beiden Fahrradfahrer beschreiben?
Keller Ich würde sie als Spargeltarzans beschreiben, groß, dünn, einer hatte ein abstehendes Ohr. Einer hatte einen Rucksack, einer ein Käppi auf, beide waren sie schwarz gekleidet.
Götzl Und die Hautfarbe?
Keller Sie waren von der Hautfarbe her hell, keine Südländer, eher blass, nördliche Region.
Götzl Wo war denn die erste Begegnung?
Keller An der Litfaßsäule, ich musste langsam dran vorbei, es waren überall Bauarbeiten, und die haben den Fahrradweg blockiert.
Götzl Und die zweite Situation?
Keller Ich habe mir gedacht, vielleicht wollten die einen Döner haben. Der eine stand mit dem Rücken zu mir und steckte dem anderen den Gegenstand in den Rucksack. Ich dachte mir, vielleicht ein kleiner Regenschirm, den hab ich auch immer dabei. Der andere hatte schon die Hände am Lenker.
Götzl Sind Ihnen auch Lichtbilder gezeigt worden?
Keller Ja, ich war so oft bei der Polizei, das kann ich schon gar nicht mehr zählen.
Götzl Haben Sie jemand erkannt?
Keller Ja, mir wurden die Videosequenzen von dem Nagelbombenattentat in Köln vorgespielt. Da habe ich gesagt, dass ich mir sehr sicher bin, dass der, den ich da sehe, derselbe ist, den ich in Nürnberg gesehen habe. Ich war mir da schon sehr sicher. Die Figur, das Käppi, das Ohr. Aber die Polizei hat mir gesagt, wenn man sich nicht 150-prozentig sicher ist, muss man doch vorsichtig sein ... (Stimme erstirbt.) Dann haben wir geschrieben, dass ich mir nicht ganz so sicher bin.


TAG 37
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Andreas Thiel, Anwalt Nebenklage. Thorsten Helbing, Kriminalbeamter beim LKA Hamburg. Manfred Götzl, Richter. Ali Tasköprü, Vater des Mordopfers Süleyman Tasköprü.

Thiel Der Vater des Ermordeten Süleyman Tasköprü hat zwei Männer gesehen, die den Laden verließen. Hat er von deutschen Männern gesprochen?
Helbing Ich erinnere mich, dass wir nachgefragt haben, ob es Ausländer waren, und dann hieß es: eher Deutsche.
Thiel Welche Dienststellen der Polizei wurden an den Ermittlungenbeteiligt?
Helbing Der Mordbereitschaftsleiter fasst die Erkenntnisse zusammen und leitet sie an andere Dienstellen weiter.
Thiel Erinnern Sie sich an eigene Aktivitäten?
Helbing Ich erinnere mich an ein Telefonat mit dem Kollegen Vögeler in Nürnberg, wegen des ähnlichen Modus Operandi und ähnlicher Tatörtlichkeiten wie bei den Nürnberger Taten.
Thiel Wurde auch die politische Abteilung des LKA zu Rate gezogen? Es standen da ja zwei deutsche Männer.
Helbing In der Regel geht das auch an die OK und den Staatsschutz im LKA.
Thiel Haben Sie eine Rückmeldung erhalten?
Helbing Nein, überhaupt nicht.
Thiel Hat sich das Landesamt für Verfassungsschutz mit Ihnen in Verbindung gesetzt?
Helbing Nein, bis zum heutigen Tage nicht.
Thiel Hinterher ist man immer etwas klüger. Aber wer hat denn die Spur mit den zwei deutschen Männern weiter ermittelt? Sodass man ins rechte Spektrum gekommen wäre?
Helbing Es gab keine Anhaltspunkte für eine Spur in Richtung Tätergruppe Rechtsextremismus. Die war dann erledigt, die Spur.
(Helbing ab. Tasköprü tritt in den Zeugenstand.)
Götzl Sind Sie mit den Angeklagten verwandt oder verschwägert?
Tasköprü Auf keinen Fall! (Fährt mit rauer, leiser Stimme fort.) Wir sind gemeinsam zur Markthalle gefahren und haben eingekauft. Wir hatten Oliven vergessen, ich bin die holen gegangen. Als ich zurückkam, habe ich hinter der Theke etwas Schwarzes gesehen. Ich hab gerufen: Mein Sohn, hast du etwas hier vergossen? Er hat mir keine Antwort gegeben. Da habe ich ihn gesehen. Ich habe ihn auf meinen Schoß genommen, er wollte mir etwas sagen, konnte aber nicht. Ich habe ihn im Gesicht berührt. Es kam ein Mädchen, um mir zu helfen. Später kam die Polizei, sie haben ihn von meinem Arm weggenommen und ihn auf den Boden gelegt. (Pause.) Ich habe Leute gesehen, wie sie kurz davor aus dem Laden gegangen sind, aber ich dachte, es seien normale Kunden. Es war zwischen elf und zwölf Uhr.
Götzl Können Sie diese Leute näher beschreiben?
Tasköprü Ich weiß sicher, dass sie deutsche Staatsangehörige sind.
Götzl Alter, Kleidung, Größe?
Tasköprü Zwischen 25 und 35 Jahre alt, es waren junge Leute. Zwei bis drei.
Götzl Deutsche Staatsangehörige - woran machen Sie das fest?
Tasköprü Das Geschäft richtete sich an Deutsche. Es kamen immer Deutsche zum Einkaufen. Auch Türken und Studenten. (Pause.) Mein Sohn war 31 Jahre alt, was wollten sie von ihm? Wir sind Menschen, die auf eigenen Füßen stehen. Wir lebten von unserem eigenen Geld, was wollten diese Leute von uns?
Götzl Können Sie uns Ihre Familie vorstellen? Wer gehört dazu?
Tasköprü Ich hatte zwei Söhne, zwei Töchter, wir lebten gemeinsam. Süleyman hatte eine Tochter von seiner Freundin bekommen, die Tochter lebt auch heute noch mit uns zusammen. Sie ist jetzt 15 Jahre alt. Als ihr Vater gestorben ist, war sie zweieinhalb.
Götzl Wie war es für Sie nach dem Tod Ihres Sohnes?
Tasköprü Sie haben mir mein Herz abgerissen.


(Uwe Mundlos)


TAG 38
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Wolfgang Fehmer aus München, Geschäftspartner des Mordopfers Theodoros Boulgarides. Manfred Götzl, Richter.

Fehmer Ich hab den Theo angerufen, meinen Geschäftspartner, wir hatten ja gerade den Schlüsseldienst aufgemacht, an der Donnersberger Brücke. Er ist nicht ans Telefon gegangen. Ich bin hingefahren und hab ihn halt gefunden. Er lag hinter der Theke und das Telefon lag neben ihm. Dann habe ich geschaut, ob er noch lebt, und dann die Polizei angerufen.
Götzl Hatten Sie nach der Tat Kontakt zu Angehörigen von Herrn Boulgarides?
Fehmer Ja. 
Götzl Können Sie etwas über die Folgen für die Familie berichten?
Fehmer Die totale Zerstörung. Und nicht nur für die Angehörigen. Die Mutter und der Bruder sind nach Griechenland zurückgegangen, der Rest der Familie ist zersprengt, die Mutter hatte immer Angst, ich habe ihr ein Schloss eingebaut.
Götzl Welche Folgen hatte die Tat für Sie?
Fehmer Geld hat's mich gekostet, weil mich die Polizei die ganze Zeit schikaniert hat.
Götzl Was bedeutet das?
Fehmer Monatelang haben die mich immer wieder vorgeladen. Meine Mitarbeiter auch.
Götzl Um was ging's da?
Fehmer Immer ums selbe.
Götzl Können Sie die Themen benennen?
Fehmer Ich hab's auch selbst nicht verstanden. Wie wir zueinander standen. Ob der Kollege sexsüchtig war oder spielsüchtig. Die wollten uns in den Dreck ziehen. Das haben sie auch geschafft.


TAG 39
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Karl-Heinz Gerstenberger, Kriminalkommissar a. D. in Kassel. Manfred Götzl, Richter. Thomas Bliwier, Andreas Thiel, Anwälte Nebenklage.

Gerstenberger Wir haben Herrn Yozgat gesagt, dass wir alles tun, um diese schreckliche Tat aufzuklären. Deswegen haben wir ihm auch gesagt, dass wir alles abklären müssen, auch innerhalb der Familie. Die Familie war sofort damit einverstanden. Halit Yozgat wurde von allen als netter, freundlicher Kumpel beschrieben. Die Eltern hatten ihm das Internetcafé ausgestattet. Wir haben in der Realschule, wo er früher war, nachgefragt, ob es Ärger gegeben hat. Es gab keine Ansätze, kein Motiv. Er hatte einen guten Freund, der saß wegen Drogendelikten im Gefängnis. Aber es gab keinen Zusammenhang, dass Halit Yozgat darin verwickelt sein könnte. Innerhalb der Familie war es genauso. Es gab keine Ansatzpunkte, dass bei den Geschwistern oder Eltern eine Motivlage bestand, die eine derart schreckliche Tat begründen könnte. Früher war in dem Haus eine türkische Teestube, da gab es mal eine Erpressungslage, aber das hatte mit den Yozgats nichts zu tun. Die Yozgats haben noch Schulden auf das Haus, aber auch da besteht kein Zusammenhang. Sie hatten in einer türkischen Holding Geld angelegt, das betrügerisch verwaltet wurde. Aber auch da war nichts zu finden an Zusammenhang mit der Tat. Die Familie war uns gegenüber sehr kooperativ. Wir haben sie auch immer sofort informiert, wir haben an einem Strang gezogen.
Götzl Es kam wohl auch zum Einsatz einer Vertrauensperson.
Gerstenberger Ja, und mehrere Monate wurden die Anschlüsse der Familie überwacht. Das hat nichts erbracht.
Bliwier Ich möchte die Harmonie etwas trüben. Der Familie Yozgat stellt sich das anders dar. Sagt Ihnen der Kollege Tunanoglu was?
Gerstenberger Ja, der Herr Yozgat hat sich ihm anvertraut und erhoffte sich Informationen über die Ermittlungen.
Bliwier Trifft es nicht eher zu, dass Herr Yozgat sich bei ihm beschwert hat?
Gerstenberger Nein, das glaube ich nicht. Können Sie gerne Herrn Yozgat fragen.
Bliwier Ich habe hier den Vermerk des türkischen Kollegen. Er schreibt, Herr Yozgat sagte, die Ermittler hätten einen falschen Ermittlungsweg. Sie sollten aufhören, ihn und seine Familie zu verdächtigen. Er fing an zu weinen. Warum sollte er etwas verheimlichen? Er sei der festen Überzeugung, dass sein Sohn und die anderen von Rechtsextremisten ermordet worden sind. Es müsse ein Spinner sein, der wahllos Ausländer umbringt.
Gerstenberger Uns gegenüber hat sich Herr Yozgat nicht so verhalten.
Bliwier Ist Ihnen eine solche Information zugegangen, dass Herr Yozgat Ausländerfeinde für den Täter hält?
Gerstenberger Wir haben der Familie gesagt, dass wir auch wegen Ausländerhass ermitteln, in alle Richtungen.
Thiel Halit Yozgat telefonierte kurz vor seinem Tod noch mit einem Freund. Was ist mit dem Handy passiert?
Gerstenberger Ja, das kann ich Ihnen sagen. Während der Obduktion habe ich den Erkennungsdienst gefragt, wo das Handy ist. Es gibt kein Handy, sagten die. Der Verstorbene hatte aber ein Handy. Dieses Handy hatte ein Mitarbeiter der Pathologie gestohlen und mit nach Hause genommen.


TAG 41
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Ismail Yozgat aus Kassel, Vater des Mordopfers Halit Yozgat. Ayse Yozgat, Mutter des Mordopfers Halit Yozgat. Manfred Götzl, Richter. Beate Zschäpe, Angeklagte. Andreas T., Ex-Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes.


(Gedenkfeier am 7. Todestag von Halit Yozgat in Kassel, bei der auch Bilder der anderen Mordopfer des NSU aufgereiht wurden.)

Yozgat Ich begrüße Sie alle respektvoll. Ich bin Ismail Yozgat, der Vater des Märtyrers, der am 6. April 2006 durch zwei Schüsse in den Kopf erschossen und in meinem Armen gestorben ist. Zunächst möchte ich mein herzliches Beileid den zehn Angehörigen der Opfer ausdrücken und ihnen Geduld wünschen. Ich bedanke mich bei Ihnen, Herr Vorsitzender, für das Interesse, das Sie uns gezeigt haben ...
Götzl ... jetzt muss ich Sie trotzdem unterbrechen. Sie sind Nebenkläger, aber auch Zeuge.
Yozgat Gut. Ich arbeitete im Internetcafé, mein Sohn kam gegen 15 Uhr rein, um mich abzulösen. Er sagte mir, dass seine Mutter draußen im Wagen auf mich wartet. Am nächsten Tag, am 7. April, hatte ich Geburtstag. Mein Sohn hatte meiner Frau Geld gegeben, damit sie für mich ein Geschenk kauft. Ich fuhr mit meiner Frau in die Stadt, sie hat für mich für 23 Euro eine Werkzeugkiste gekauft. Ich ließ meine Frau in der Stadt zurück. Als ich zurückkehrte, sah ich meinen Sohn in vollem Blut liegen. Am nächsten Tag habe ich mir meinen Geburtstag verboten, bis zu meinem Tode wird mein Geburtstag nicht mehr gefeiert. (Er holt tief Luft.) Am 8. April, ein Samstag, brachten wir den Leichnam meines Sohnes zur Beerdigung in die Türkei. Um 13 Uhr am Samstag habe ich mit meinen Händen meinen 21-jährigen Sohn ins Grab gelegt. (Er wird immer lauter.) Warum haben sie meinen Sohn getötet? Was hat er getan? (Seine Frau legt ihm von hinten beruhigend die Hand auf die Schulter.) Als wir von der Türkei zurückkamen, war das Zimmer meines Sohns versiegelt. Ich konnte nicht einmal zum Andenken in sein Zimmer gehen. Als ob die Gerüchte nicht schon gereicht hätten, dass im Zimmer des Sohnes Geld gefunden wurde. (Wieder lauter.) Wir sind eine aufrichtige Familie. Von 2006 bis 2011 haben wir uns nicht vor das Haus getraut. Alle haben uns schief angeschaut. Warum haben sie deinen Sohn getötet, haben sie mich gefragt. Warum? Wegen Haschisch etwa oder wegen Heroin? Ist es die Mafia? (Pause.) Warum haben sie mein Lämmchen getötet? Nicht einmal in der Türkei haben meine Verwandten mit uns gesprochen. Ich konnte das alles nicht ertragen, deshalb erlitt ich einen Herzinfarkt. (Er unterbricht, trinkt aus einem Glas Wasser.)
Götzl Vielleicht, Herr Yozgat, kommen Sie noch mal zurück zu der Situation, als Sie Ihren Sohn aufgefunden haben. Was Sie da gesehen haben?
Yozgat Darf ich noch zwei Worte sagen?
Götzl Ja.
Yozgat Die Polizei hat Herrn T. vernommen, der während des Mordes im Internetcafé war. Dann kommt der Befehl von oben, und die Polizei hat T. freigelassen. Ich habe vollen Respekt vor Herrn Götzl, aber mein Vertrauen in die Justiz ist gesunken. Jetzt komme ich zur Sache. Um 17 Uhr sollte mein Sohn zur Abendschule gehen, ich wollte ihn ablösen. Immer wenn ich mich verspätete, wartete er normalerweise vor dem Laden. Es war aber niemand vor der Tür. Ich dachte, vielleicht repariert er einen Computer. Als ich hineinging, habe ich zwei rote Tropfen gesehen. Ich habe mir gedacht, vielleicht hat Halit Farbe verschüttet. Dann habe ich meinen Sohn dort liegen gesehen. Er lag auf dem Rücken. Ich habe ihn auf meinen Arm gelegt. (Steht auf. Schreit.) Er gab keine Antwort!
(Zschäpe starrt in ihren Laptop.)
Yozgat Ich habe ihn langsam wieder auf den Boden gelegt und bin ins türkische Teehaus nebenan gelaufen und habe meinen Freunden dort gesagt: Meinem Sohn ist etwas zugestoßen.
Götzl In der Akte heißt es, Ihr Sohn habe auf dem Bauch gelegen. Bitte überlegen Sie noch mal.
Yozgat Es kann ein Missverständnis sein. So lag er. (Yozgat legt sich auf den Bauch, um zu zeigen, wie sein Sohn lag; er liegt direkt vor den Tisch, an dem Zschäpe sitzt.)
(Yozgat ab. Andreas T., 46, betritt den Saal.)
Götzl Herr T., es geht uns um den Tod Halit Yozgats im Internetcafé in Kassel. Sie waren vor Ort. Bitte berichten Sie, was sich damals zugetragen hat.
T. Ich bin an diesem Tag nach Dienstschluss im Internetcafé angekommen und wollte in einem Chatportal nachsehen, ob Nachrichten für mich eingegangen waren. Ich kannte das Café schon länger. Herr Yozgat hat mir einen Platz zugewiesen. Ich hab mich an den PC gesetzt, mich eingeloggt und blieb etwa zehn Minuten im Chatportal. Dann hab ich mich wieder ausgeloggt und wollte an der Kasse zahlen. Weil ich Herrn Yozgat nicht gesehen habe, bin ich zur Tür raus, um nach ihm zu gucken. Dann bin ich noch mal zurück zur Kasse und habe, weil ich nach Hause wollte, den üblichen Preis hingelegt. Dann bin ich nach Hause gefahren. (Kurze Pause.) Von der Tat erfahren habe ich dann erst drei Tage später aus einer örtlichen Zeitung. Ich war natürlich aufgewühlt und habe am nächsten Tag in meinem Kalender geschaut, ob das an dem Tag war, als ich im Café saß. Im Kalender stand, dass ich die Arbeit am Mittwoch etwas früher beendet hatte. Ich bin daher dem Trugschluss erlegen zu denken, dass ich 24 Stunden vor der Tat dort gewesen wäre.
Götzl Haben Sie daran gedacht, sich bei der Polizei zu melden?
T. Mir war bewusst, oder es ist mir eigentlich später bewusst geworden, dass es falsch war, sich nicht zu melden. Aber ich hatte Angst, zum einen aus privaten Gründen, weil ich jung verheiratet war und das mit dem Chatten von mir nicht richtig war. Zum anderen hätte es auch dienstliche Nachteile haben können.
Götzl Inwiefern?
T. Ich hielt mich ja in der Nähe eines Beobachtungsobjekts auf. Mir war bewusst, dass ich als V-Mann-Führer vermutlich gefragt worden wäre: Was hab ich da zu suchen?
Götzl Können Sie nähere Angaben zu den Quellen machen, die Sie geführt haben?
T. Ich habe fünf Quellen aus dem Bereich Islamismus geführt. Und eine im Bereich Rechtsextremismus, sie war nicht sehr ergiebig.
Götzl Haben Sie mit Ihrer Quelle aus dem Bereich Rechtsextremismus über die Tat gesprochen?
T. Er hat mich darauf angesprochen, aber ich habe es wohl relativ schnell beiseite gedrängt, was ich mir durch das schon eingangs geschilderte Aufgewühltsein erkläre - wie nah warst du damals dran.
Götzl (Schaut ihn kritisch an.) Sie konnten sich am Sonntag nicht mehr erinnern, ob sie am Mittwoch oder Donnerstag in dem Café waren? Ich hab mit diesem Punkt, das gebe ich ganz offen zu, Schwierigkeiten.
T. Ich hatte Angst um meine Beziehung. Da kam wohl alles zusammen, sodass ich diese Verwechslung dankbar angenommen habe.


TAG 42
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Ayse Yozgat
, Mutter des Mordopfers Halit Yozgat. Beate Zschäpe, Angeklagte.

Yozgat (Wendet sich an Zschäpe.) Mein Appell richtet sich an Frau Zschäpe. Sie sind auch eine Dame. Ich spreche Sie als Mutter an, als eine Geschädigte. Ich bitte Sie, diese Vorfälle aufzuklären. Seit sieben Jahren schlafe ich nachts nur zwei Stunden. Ich denke immer: Wie konnte das geschehen? Befreien Sie mich bitte von diesen Gefühlen. Sie müssen nicht die Sünden von anderen übernehmen. Denken Sie bitte immer an mich, wenn Sie sich ins Bett legen. Denken Sie daran, dass ich nicht schlafen kann. Ich danke Ihnen allen.
(Zschäpe schaut ernst.)


TAG 43
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Ellen Haubold, Polizistin beim BKA. Manfred Götzl, Richter.

Götzl Sie waren im Bundeskriminalamt mit der Auswertung der sichergestellten Videodateien befasst. Was können Sie uns berichten?
Haubold Wir haben originale Szenen aus dem Paulchen Panther-Video gefunden, aber auch Dateien, die nicht verwendet wurden. Das komplette Video, zwei alte Versionen. Zwei Tatortaufnahmen des zweiten und dritten Mordes, die im NSU-Film verwendet wurden. TV-Aufzeichnungen zum Mord an der Polizistin Kiesewetter. Und einen Ordner mit verschiedenen Bildern. Diese Bilder weisen starke Bezüge zu Herrn E. auf. Es handelt sich um Bilder von Frau E. mit Baby. Weihnachtsgrußkarten der Familie E. für Verwandte. Einladungsschreiben für eine Burgführung in Sachsen im Jahr 2003, mit anschließender nationalsozialistischer Veranstaltung. Umrandet von Runenschriftzeichen, die wir als »Sieg Heil« entziffern konnten. Desweiteren haben wir amateurhafte Aufnahmen von Rudolf-Heß-Gedenkmärschen in Dänemark gefunden und Aufnahmen von Gerhard Schröder hinter Gittern, mit einem Judenstern auf der Brust. Sie stammen aus dem Jahr 2002 und waren vermutlich für Poster oder T-Shirt-Aufdrucke gedacht.
Götzl Was können Sie uns über die alten Fassungen des Bekennervideos sagen?
Haubold Dort tauchen die Namen der Opfer auf, zum Beispiel Tasköprü. Außerdem taucht der rosarote Panther mit einer Gedankenblase auf: Der Ali muss weg. Es ist von Ali 1 bis 9 die Rede, Ali steht makabererweise für Mordopfer. Die alten Fassungen sind noch wesentlich aggressiver als das bekannte Video. Beim Mordversuch in Köln am 19.11.2001 zum Beispiel wird das Opfer direkt angesprochen: Malayeri weiß jetzt, wie ernst uns der Erhalt der deutschen Nation ist, heißt es da.
Götzl Was hat die Durchsuchung bei André E. ergeben?
Haubold Bei ihm wurden zwei externe Festplatten aufgefunden, die den bereits erwähnten Ordner mit Bildern aufweisen. Mit identischem Inhalt, was belegt, dass es da Verbindungen gab.
Götzl Haben Sie auch etwas gefunden zu den Tätowierungen von Herrn E.?
Haubold Gut, dass Sie mich erinnern: Es fand sich die Tattoovorlage der Clownsfigur auf dem Unterschenkel von Herrn E. - ein Clown mit Krallen statt Fingern, angelehnt an die Figur aus Stephen Kings Buch Es.


TAG 44
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Mutasam Zengine, Zeuge aus Nürnberg. Manfred Götzl, Richter. Beate Zschäpe, Angeklagte. Anja Sturm, Wolfgang Stahl, Zschäpes Anwälte. Christina Lorenz, Polizistin.

Zengine Ich war im Obi in der Regensburger Straße und habe eine Arbeitsplatte gekauft. Auf der Rückfahrt bin ich in der Scharrerstraße gefahren und musste an einem Fußgängerüberweg halten. Den haben auch zwei Radfahrer überquert, einer war lang, der andere kurz und kräftig. Kurz darauf habe ich Schüsse gehört. Erst ein paar, dann wieder. Es hat mich aber nicht interessiert, ich bin zu meinem Laden weitergefahren, ich repariere Radios und Fernseher.
Götzl Woher kamen die Radfahrer?
Zengine Von links nach rechts. Die waren sehr ruhig und langsam auf dem Fußgängerweg, das hat mich genervt.
Götzl Was hatten sie an?
Zengine Nicht eine Jeans, sondern so Trainingshose.
Götzl Können Sie die Geräusche noch mal beschreiben?
Zengine Erst einen und dann ein paar Stück nacheinander. Ich hab sie aber nicht gezählt. Jeden Tag hört man was, es fällt was runter, Unfälle, Schüsse.
Götzl War das Geräusch so eindeutig für Sie?
Zengine Das waren Schüsse, eindeutig. Tsch, tsch, tsch, tsch.
Götzl Kennen Sie das Geräusch von Schüssen?
Zengine Ja, im Irak gab es das und in Nürnberg auch. Richtung Tiergarten ist ein Trainingszentrum der Polizei, da hört man solche Geräusche oft. Ich dachte zuerst, der Klang kommt von meinem Kassettendeck im Auto. Also hab ich zurückgespult, aber die Kassette war in Ordnung. Als ich dann in meinem Laden war, kam auf einmal ein Hubschrauber über meinen Laden. Wie bei Star Trek. Meine Nachbarin hat später gesagt, der Imbissbesitzer ist ermordet worden.
Götzl An dem Fußgängerüberweg - hatten Sie da Blickkontakt mit den Radfahrern?
Zengine Der zweite Radfahrer war sehr langsam. Ich hab ihn nervös angeschaut und ihm angedeutet: weiter, weiter! Er hat schlimme Finger gemacht. Er war ruhig wie im Urlaub.
Götzl Sie haben bei der Polizei ausgesagt, Sie hätten die erste Person auf den Lichtbildern erkannt.
Zengine Den Großen habe ich hundertprozentig erkannt. Mit den abstehenden Ohren. Den zweiten nicht.
Götzl Sie sind erst viel später zur Polizei gegangen. Warum?
Zengine Die Frau von Yasar hat mich angefleht, zur Polizei zu gehen und zu sagen, was ich gesehen habe. Das fand ich komisch: Erst gab es die Gerüchte, sie habe ihren Mann umbringen lassen und jetzt fleht sie mich an.
Sturm (Unterbricht.) Herr Vorsitzender, können wir 15 Minuten Pause machen. Ich würde mich gern mit meiner Mandantin besprechen. Sie kann sich kaum noch konzentrieren.
Götzl (Mustert Zschäpe.) Sie lächeln, Frau Zschäpe, vielleicht können Sie mir das selbst erklären, ob Sie sich noch konzentrieren können. Das Lächeln irritiert mich etwas.
Sturm Das interpretieren Sie so.
Götzl Ich interpretiere nicht, ich schildere nur, was ich sehe. Wir haben spät angefangen, eine Stunde müsste Ihre Mandantin schon durchhalten.
Sturm Meine Mandantin hat aber schon einen langen Tag hinter sich.
Götzl Hat Ihre Mandantin jetzt Konzentrationsschwächen oder nicht? Sagen Sie mir das ganz klar! Dann kann ich darüber entscheiden.
Sturm Ich hatte nicht vor, eine solche Diskussion vom Zaun zu brechen.
Götzl Sie haben mich mitten in der Frage unterbrochen. Das ist mir nicht verständlich. Sie stören mich mitten in meiner Befragung. Ich habe ja auch ein Konzept. Da braucht es gute Gründe, wenn Sie mich unterbrechen.
Sturm Dann ziehe ich das zurück.
(Zengine ab. Lorenz tritt in den Zeugenstand.)
Götzl Sie haben die Asservate ausgewertet, die in der Frühlingsstraße in Zwickau gefunden wurden, darunter auch mehrere Zeitungsausschnitte. Wurden alle Zeitungen auf daktyloskopische Spuren untersucht?
Lorenz Hundertprozentig kann ich das nicht sagen. Für die 68 Artikel, die mir bekannt sind, wurden die Untersuchungen gemacht.
Götzl Bei wie vielen Artikeln wurden Spuren festgestellt?
Lorenz Auf zweien.
Götzl Wurden von anderen Personen Spuren festgestellt?
Lorenz Es gab nur Gutachten über Frau Zschäpe. Also geh ich davon aus, dass nur von Frau Zschäpe Spuren auf den Artikeln waren.
(Lorenz ab. Anwalt Stahl setzt zu einer Erklärung an.)


(Der Anwalt Wolfgang Stahl)

Stahl Der Generalbundesanwalt stützt einen nicht unwesentlichen Teil seines Beweisgebäudes gegen Frau Zschäpe auf die These, dass ein umfangreiches Archiv bestanden und dass Frau Zschäpe daran mitgewirkt habe. Von der Zeugin haben wir gehört, dass 68 Artikel gefunden wurden und darauf lediglich zwei Spuren. Das ist für uns eher der Beweis, dass seitens unserer Mandantin nur ein ganz seltener Kontakt zu den Artikeln bestanden haben kann. Sonst hätte sich ja eine Vielzahl daktyloskopischer Spuren von Frau Zschäpe auf den Artikeln gefunden. Der Beweiswert ist unserer Meinung nach damit nicht gegeben.


TAG 49
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Andreas Minx, Kriminaloberkommissar aus Rostock. Anja Sturm, Zschäpes Anwältin. Olaf Klemke, Wohllebens Anwalt. Bernd Scharen, Kriminalhauptkommissar aus Rostock. Hardy Langer, Anwalt Nebenkläger.

Minx Die Spuren, die wir am Tatort gefunden haben, lassen den Schluss zu, dass die Täter in den Imbisswagen hineingegangen sind und den Toten fixiert und getötet haben.
Sturm Auf welcher Spurenlage beruht Ihre Einschätzung?
Minx Das Opfer muss auf dem Boden fixiert worden sein, und dann sind die Schüsse gesetzt worden. Es fanden sich keine Spuren von Blut an den Gerätschaften des Imbisswagens oberhalb des Fußboden-Niveaus. Das müssen fast aufgesetzte Schüsse gewesen sein.
Klemke Das Opfer kann sich ja auch freiwillig hingelegt haben.
Minx Ob das ein Mensch freiwillig macht, lasse ich mal so im Raume stehen. Ich gehe davon aus, dass keiner einfach still hält und sich erschießen lässt.
(Minx ab. Scharen tritt in den Zeugenstand.)
Langer (Liest aus einem Schreiben ab.) Sie haben am 4.3.2005 einen Vorschlag für eine Presseerklärung gemacht. Darin heißt es: Ein ausländerfeindlicher Hintergrund kann derzeit ausgeschlossen werden. Wie kamen Sie zu dieser Einschätzung?
Scharen Es gab keinerlei Hinweise in diese Richtung.
Langer Aber wie kann man eine Richtung schon nach einer Woche Ermittlungen ausschließen?
Scharen So wie wir ausgeschlossen haben, dass es sich um einen Raub handelte, haben wir auch dies ausgeschlossen.
Langer Was lag denn vom Landesamt für Verfassungsschutz und dem Staatsschutz vor?
Scharen Die Behörden waren an unseren Ermittlungen beteiligt und haben auch an Beratungen teilgenommen. Wenn die uns sagen, sie haben nichts, dann müssen wir das so hinnehmen.


TAG 51
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Elif Kubasik, ihre Mutter. Manfred Götzl, Richter. Sebastian Scharmer, Anwalt von Gamze Kubasik. Carsten Ilius, Anwalt von Elif Kubasik. Olaf Klemke, Wohllebens Anwalt. Jochen Weingarten, Oberstaatsanwalt.

(Gamze Kubasik, Tochter des Mordopfers Mehmet Kubasik.)

Gamze Kubasik Ich habe zwei jüngere Brüder, die 13 und 18 Jahre sind. Der Ältere macht eine Ausbildung, der Kleine ist in der Realschule.
Götzl Wie haben sie die Tat wahrgenommen?
Kubasik Mein jüngster Bruder hat nicht viel mitbekommen, weil er noch so klein war. Die Erzieherin im Kindergarten sagte ihm, sein Vater sei im Himmel. Weil er so viel gefragt hat. Mein anderer Bruder, mit dem war es etwas schwieriger. Nach dem Tod bekam er Probleme in der Schule. Er hat gesagt, dass ein Mitschüler meinte, er solle ihn nicht anfassen, weil wir keine gute Familie sind. Dein Vater nimmt Drogen, deine ganze Familie nimmt Drogen.
Götzl Wie erging es Ihnen?
Kubasik (Mit belegter Stimme.) Für mich war es am schlimmsten. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Vater, enger als zu meiner Mutter. Es fing an, dass ich Gerüchte hörte. Leute haben getuschelt, seht mal die Tochter, ihr Vater wurde erschossen, der hat Drogen an Kinder verkauft. Eine Frau sagte: Seine Kinder sollen genauso enden. Es war wie eine Verfluchung, dass wir auch drogenabhängig werden. (Pause.) Ich habe meinen Abschluss 2006 im Berufskolleg gemacht und dann eine Lehre bei Douglas begonnen, in Münster. Als ich im Zug nach Münster saß, hat alles an mir gezittert, Hände und Knie. Jeder im Zug war für mich verdächtig. Als wenn das die Mörder meines Vaters gewesen wären. Ich bin dann die ganze Nacht wach im Bett gelegen. (Knetet ihre Hände.) Ich habe die Ausbildung wieder aufgegeben, weil ich den Verlust meines Vaters nicht akzeptieren konnte.
Götzl Wie würden Sie Ihre heutige Situation beschreiben?
Kubasik Ich gebe mich nach außen stark, innerlich sieht es ganz anders aus. Ich denke viel über meinen Vater nach. Über die Tat. Ich kann so gut wie gar nicht einschlafen.
Götzl Wie geht es Ihrer Mutter?
Kubasik Ich weiß, dass meine Mutter viel weint. Seitdem mein Vater tot ist, zieht sie nichts Helles mehr an.
Scharmer Schildern Sie bitte, auf welche Situation Sie trafen am 4. 4. 2006.
Kubasik Ich bin die Mallinckrodtstraße hochgelaufen. Schon von Weitem habe ich eine Menschenmenge und Absperrungen gesehen. Als ich ankam, sagten die Leute, oh nein, da ist die Tochter. Ich wollte an der Absperrung vorbei. Ein Polizist so Anfang dreißig guckt mich an und fragt nach meinem Ausweis und sagt dann: Begleiten Sie mich bitte zum Polizeiauto. Dort sagte ich: Ich muss in den Kiosk, mein Vater braucht mich. Wenn er aufgeregt ist, weiß er nicht, was er sagen soll. Ich muss übersetzen. Der ältere Polizist im Polizeiauto sagte: Frau Kubasik, Ihr Vater ist tot.
Scharmer Am 5. 4. wurden Sie von der Polizei vernommen. Erinnern Sie sich noch?
Kubasik Wir hatten nicht geschlafen, unsere Wohnung war voll mit Bekannten und Verwandten. Mutter hat die ganze Nacht nur geweint. Wir wurden von der Polizei abgeholt, auf der Wache hat man Mutter und mich getrennt. Ich kam in einen kleinen Raum, dann ging es los. Ich wurde nicht gefragt, ob ich in der Lage bin, auszusagen. Es ging einfach los.
Scharmer Hat man Ihnen erklärt, dass Sie eine Vertrauensperson hinzuziehen können?
Kubasik Nein.
Scharmer Erinnern Sie sich, was Sie gefragt wurden?
Kubasik Ob mein Vater Feinde hatte, ob ich weiß, wer das sein könnte.
Scharmer Wurden Sie nach Eheproblemen der Eltern gefragt? Nach Geliebten?
Kubasik Ja. Ich habe mich geärgert, weil mein Vater so etwas nie getan hätte.
Scharmer War die Polizei bei Ihnen zu Hause?
Kubasik Nach meiner Aussage kamen wir nach Hause, die Tür stand offen. Da kam mir ein Mann entgegen, der sagte, ich soll rausgehen. Ich sagte: Ich wohne hier! Im Haus waren noch weitere Männer, Männer in komischen weißen Anzügen mit großen Hunden, die an Sachen meiner Eltern herumschnüffelten. Da bin ich erschrocken.
Scharmer Drei Wochen später waren Sie noch mal bei der Polizei vorgeladen? Erinnern Sie sich?
Kubasik Ja, sie haben mich gefragt, ob mein Vater Drogen verkauft hat, ob er bei der PKK war, mit der Mafia zu tun hatte, mit einer türkischen Bank, ob er Geld transportiert hat, ob er Beziehungen mit anderen Frauen hat. Ich habe alles verneint.
(Zschäpe klappt ihren Laptop zu und mustert Kubasik.)
Kubasik (Fährt fort.) Meine Mutter sagte später noch zu den Polizisten: Das waren doch sicher die Nazis.
Scharmer Gab es irgendeine Reaktion?
Kubasik Der Polizeichef meinte, das kann man ausschließen, dafür gibt es keine Beweise.
Klemke Sie haben doch vorher von Verwünschungen gesprochen. Von wem kamen die?
Götzl Dazu hat die Zeugin doch schon Angaben gemacht.
Klemke Ich meine, welcher Nationalität waren diese Menschen?
Weingarten Ich beanstande diese Frage.
Götzl Welche Relevanz hat diese Frage?
Klemke Ich wollte nur die Einzelheiten nachfragen.
Kubasik Es waren Deutsche wie Ausländer.
Klemke Waren es Ausländer unterschiedlicher Nationalität?
Weingarten (Lauter.) Ich beanstande diese Frage!
Klemke Warum? Ich frage nur nach.
Götzl Herr Klemke wird uns das jetzt erklären.
Klemke Ich werde mich dazu nicht weiter äußern. Ich beantrage einen Gerichtsbeschluss.
Weingarten Als Tatfolge sind Tuscheleien relevant. Welche Nationalität diese Tuschler haben, ist irrelevant.
Götzl Dann ergeht jetzt folgender Gerichtsbeschluss: Die Frage ist unzulässig, weil die Nationalität nicht relevant ist. Ein Sachbezug ist nicht erkennbar und wurde auf Nachfrage nicht dargelegt.
Klemke Gut, lassen wir das. Sie wurden gefragt, ob Ihr Vater irgendwas mit Drogen zu tun gehabt haben könnte. Haben Sie mal nachgefragt, wie die Ermittler darauf kommen?
Kubasik Ich weiß nicht, ob ich nachgefragt hatte.
Klemke Wie haben Sie reagiert auf die Todesnachricht?
Scharmer (Genervt.) Das hat sie doch schon beantwortet.
Klemke Dann habe ich keine weiteren Fragen mehr.
(Gamze Kubasik ab. Elif Kubasik, ihre Mutter, tritt in den Zeugenstand.)
Götzl Können Sie uns Ihren Mann ein wenig beschreiben?
Elif Kubasik Entschuldigen Sie, wenn ich emotional werde. Er war sehr besorgt um seine Familie, er liebte seine Tochter, war vernarrt in seine Kinder. Er war ein liebevoller Ehemann, wir haben uns geliebt. Mit seiner Ermordung sind alle unsere Träume zerbrochen. Wir hatten wie alle anderen Menschen ein ganz normales, liebevolles Leben.
Götzl Wie war das Leben nach der Tat für Sie?
Kubasik Es gab nichts mehr, was weiß war für mich, alles ist geschwärzt worden. Ich kann nicht vergessen, wie meine Kinder gelitten haben, wie sie sich in sich verkrochen haben. Der Tag ging nicht zu Ende. Ich erkrankte an Neurodermitis. Entschuldigen Sie, wir haben großes Unrecht erlebt: Frauengeschichten, Mafia, Drogen - solche Dinge wurden in die Welt gesetzt. Sie zeigten mit Fingern auf uns. Ich konnte kaum atmen. Wenn ein kleines Geräusch zu hören war, hatte ich Angst und schrie. Oder wenn ein Fahrradfahrer an mir vorbeifuhr. Wir haben dann ein zweites Schloss eingebaut. 2008 saß ich zu Hause, da wurde ein großer Stein durchs Fenster geworfen. Die Polizei kam und sagte, es könnten ja Kinder gewesen sein, die draußen spielten. Ich hatte Ängste, dass meinen Kindern was zustößt, aber ich habe mich bemüht, stark zu sein.
Ilius Trifft es zu, dass auch Ihre Nachbarn in Dortmund nach Drogenverbindungen Ihres Mannes gefragt wurden?
Kubasik Ja, sie wurden gefragt, ob mein Mann mit Drogen zu tun hatte oder Frauengeschichten hatte. Ein Polizist sagte einem Nachbarn sogar, dass mein Mann sehr wohl mit solchen Dingen zu tun hatte.
Ilius Haben Sie bei den Vernehmungen einmal geäußert, dass Sie einen Anwalt haben möchten?
Kubasik Ja, habe ich gesagt. Aber die Polizei antwortete, es gebe noch keine Tatverdächtigen. Wofür willst du dann einen Anwalt?
(Klemke winkt ab.)
Götzl Sie schütteln den Kopf, Herr Rechtsanwalt Klemke, was gibt es denn?
Klemke Nichts.


TAG 53
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Frank Liebau, Ex-Besitzer eines Bekleidungsgeschäfts in Jena. Manfred Götzl, Richter. Gül Pinar, Anwältin Nebenklage.

Götzl Mir geht es um die Zeit, als Sie den Laden Madley in Jena betrieben haben ...
Liebau Den Laden hatte ich von 1995 bis 2009, wir haben ganz normale Textilien, Schuhe vertrieben.
Götzl Hat Ihr Geschäft auf eine bestimmte Kundschaft abgezielt?
Liebau Die bestimmte Kundschaft ist gekommen, aber abgezielt haben wir auf alle.
Götzl Und wer kam?
Liebau Die Jugend. Aus dem rechten Spektrum waren Leute dabei, aber auch ganz normale Leute.
Götzl Kannten Sie Herrn Böhnhardt?
Liebau Ja, vom Sehen her.
Götzl Bei welcher Gelegenheit?
Liebau Vom Laden her. Jena ist halt nicht sehr groß.
Götzl Wie häufig hatten Sie Kontakt zu ihm?
Liebau Nur wenn man sich mal zufällig getroffen hat.
Götzl War er Kunde bei Ihnen?
Liebau Ja, der war ein paar Mal da.
Götzl Was hat er gekauft?
Liebau Klamotten oder Schuhe. Vielleicht mal ne CD. Ich weiß es nicht.
Götzl Kannten Sie Herrn Mundlos?
Liebau Im gleichen Verhältnis.
Götzl Seit wann kannten Sie ihn?
Liebau Das weiß ich nicht.
Götzl In etwa?
Liebau Irgendwann in den Neunzigerjahren.
Götzl Kannten Sie Frau Zschäpe?
Liebau Ja, auch über den Laden.
Götzl War Sie Kundin bei Ihnen?
Liebau Das ist alles ganz schön lange her. Ich weiß nicht, ob sie was gekauft hat. Für Frauen gab es damals nicht so viel bei uns.
Götzl Kennen Sie Herrn Wohlleben?
Liebau (Nickt.) Hm.
Götzl Wie lange schon?
Liebau Auch seit den Neunzigern.
Götzl Wie häufig haben Sie ihn getroffen und bei welchen Gelegenheiten?
Liebau Wenn er im Laden was gekauft hat oder wenn man sich in der Stadt über den Weg lief.
Götzl Wie war es mit scharfen Waffen? Sind die mal angefragt worden?
Liebau Nicht dass ich wüsste.
Götzl Und bei Ihrem Geschäftspartner Herrn Schultz?
Liebau Von der Polizei habe ich gehört, dass Schultz angeblich mal eine Waffe verkauft hat. Weiß nicht, ob das stimmt.
Götzl Haben Sie mit Herrn Schultz auch darüber gesprochen?
Liebau Das geht mich nichts an.
Götzl Das beantwortet nicht meine Frage. Ob Sie mit ihm darüber gesprochen haben?
Liebau Nein.
Götzl Warum nicht?
Liebau Weil ich es gar nicht wissen wollte.
Götzl Warum nicht?
Liebau Es bringt Probleme mit sich, wenn man zu viel weiß.
Götzl Haben Sie, als Sie ihn zuletzt getroffen haben, über die Thematik Waffen gesprochen?
Liebau Ich hab ihm gesagt, das soll er allein klären. Ich will es gar nicht wissen.
Götzl Dann muss das ja doch Thema gewesen sein.
Liebau Er hat mir erzählt, dass er nach Karlsruhe musste. Bei der Vernehmung muss er irgendwas zugegeben haben.
Götzl Was hat er zugegeben?
Liebau Dass er angeblich 'ne Waffe verkauft hat. Aber davon weiß ich nichts und will auch gar nichts wissen. (Liebau hat sich breitbeinig in den Stuhl gelegt.)
Götzl (Leicht gereizt.) Ich würde Sie bitten, sich nicht gar so bequem hinzusetzen. Unverschämt werden müssen Sie hier nicht.
Pinar Wer gehörte bei Eröffnung des Ladens zu Ihrem engsten Freundeskreis?
Liebau Schultz sicher. Ansonsten weiß ich nicht.
Pinar Das glaube ich Ihnen nicht.
Liebau Wen haben Sie denn vor zwanzig Jahren als Freund gehabt?
Pinar Ich stelle hier die Fragen.
Liebau Es ist lange her.
Pinar Hatten Sie eine Clique?
Liebau Nein.
Pinar Wie? Sie sind immer zu Hause herumgehangen oder was?
Liebau Nein, mal hier, mal dort.


TAG 54
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Silvia Scheidemantel, Bekannte von Holger G. Manfred Götzl, Richter. Holger G., Angeklagter. Alexander Hoffmann, Gül Pinar, Anwälte Nebenklage.

Scheidemantel Ich und mein Mann waren bei Holger zu Besuch. Wir haben etwas getrunken und irgendwann fragte er nach meiner AOK-Karte.
(Holger G. lehnt sich zurück.)
Er hat mir 300 Euro angeboten. Ich hab das nicht hinterfragt, für was er die Karte braucht. Ich habe die Karte dann als verloren gemeldet, daraufhin habe ich eine neue bekommen.
Götzl Wann war das ungefähr?
Scheidemantel Weiß ich nicht.
Götzl Sie werden sich doch noch erinnern können.
Scheidemantel Das liegt schon eine Weile zurück, 2006 oder 2007.
Götzl Wie kamen Sie denn im Gespräch auf die Karte?
Scheidemantel Es war einfach nur so ein Gerede. Wer irgendeine Karte hat. Ich habe nur das Geld gesehen. Ich bin eine arme Friseurin und Punkt.
Götzl Was haben Sie sich denn vorgestellt?
Scheidemantel Gar nichts.
Götzl Klingt nicht plausibel.
Scheidemantel Ich sage die Wahrheit. Ich hab die 300 Euro gesehen, und fertig ist die Kiste für mich gewesen.
Götzl Trifft es zu, dass sich Ihr Mann mal in der Skinhead-Szene bewegt hat?
Scheidemantel Das muss vor meiner Zeit gewesen sein.
Hoffmann Wie sah Ihr Mann aus, als Sie ihn kennenlernten?
Scheidemantel Wie soll er ausgesehen haben? Er hatte ganz normale Klamotten an, war tätowiert und hatte drei Millimeter kurz rasierte Haare.
Hoffmann Was für Tattoos hat er denn?
Scheidemantel Auf seinem Bauch steht »Skinhead« drauf.
Götzl Haben Sie sich eigentlich nie gefragt, wie Ihr Name und Ihre Adresse auf die Ausweise und den Brillenpass von Frau Zschäpe kamen?
Scheidemantel Doch. Natürlich find ich's komisch.
Götzl Haben Sie mit Ihrem Mann in letzter Zeit noch mal über die AOK-Karte diskutiert?
Scheidemantel Nein.
Götzl Haben Sie nicht doch irgendwann mit ihm darüber geredet?
Scheidemantel Ja, kann sein.
Götzl Ja, was jetzt?
Scheidemantel Ich weiß es nicht. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, wir hatten eine lange Fahrt hierher.
Pinar Aus meiner Sicht grenzt das Verhalten der Zeugin an Aussageverweigerung. Es gibt Räumlichkeiten, die die Zeugen in die Lage versetzen, sich zu erinnern. Ich meine, dass sich die Beteiligten des Verfahrens das hier nicht gefallen lassen können.


TAG 56
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Martin Friemel, Nachbar von Beate Zschäpe. Manfred Götzl, Richter. Beate Zschäpe, Angeklagte. Herbert Diemer, Jochen Weingarten, Vertreter der Bundesanwaltschaft.

(Herbert Diemer leitet das Referat Terrorermittlung beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe. Er hat am Tag 2 des Prozesses die Anklage gegen Zschäpe und ihre Mitangeklagten verlesen.)

Götzl Herr Friemel, Sie wohnten mit Beate Zschäpe in einem Haus. In der polizeilichen
Vernehmung haben Sie ausgesagt, Zschäpe habe mal vom »Ausländerpack« gesprochen. Trifft das zu?
Friemel So habe ich das auf keinen Fall gesagt.
Götzl Weiter heißt es in dem Protokoll: Weil sie so schlecht auf Ausländer zu sprechen war, habe sich Ihr Bruder nicht getraut, Sie dort zu besuchen, weil er mit einer Vietnamesin verheiratet war. Was sagen Sie denn dazu?
Friemel Gar nichts.
Götzl Das geht aber nicht. Ist es nun so gewesen, wie Sie es bei der Polizei sagten?
Friemel (Wirft einen flüchtigen Blick auf Zschäpe.) Es kam das Gerücht auf, dass die Frau Zschäpe Ausländer nicht leiden kann.
(Zschäpe verschränkt die Arme hinter dem Kopf.)
Götzl Also stimmt es, dass Ihr Bruder nicht zu Ihnen kam mit seiner vietnamesischen Frau?
Friemel Das ist richtig.
Götzl Und es stimmt, dass in dem Haus oben eine vietnamesische Familie wohnte?
Friemel Es ist mir vollkommen rille, ob das Türken, Griechen oder Vietnamesen sind. Für mich sehen sie alle gleich aus.
(Zschäpe schüttelt den Kopf.)
Götzl Haben Sie gehört, dass Frau Zschäpe mal über Ausländer gesprochen hat?
Friemel Nein. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob Zschäpe »Ausländerpack« gesagt hat.
Diemer Sie haben Frau Zschäpe jetzt wiederholt angeschaut. Haben Sie Angst, gegen sie auszusagen?
Friemel Nein, ich gucke, weil ich sie lange nicht gesehen habe. In meinen Augen hat sie nichts Böses getan.
Diemer Sie wissen, dass Sie die Wahrheit sagen müssen?
Friemel Ja.
Weingarten Also gut. Vielleicht erklären Sie mir noch mal genau, warum die vietnamesische Frau Ihres Bruders Sie nicht besucht hat.
Friemel Ich kann in die Frau nicht reingucken.
Weingarten (Erhebt die Stimme.) Also ...
Friemel... schon gut. Noch mal: Ich habe die Wahrheit gesagt bei der Polizei.
Weingarten Dann erklären Sie mir, weshalb Ihr Bruder nur noch ohne seine vietnamesische Frau zu Besuch kam.
Friemel Weil ich meinem Bruder gesagt habe, was die Leute im Haus mir gesagt haben: dass Frau Zschäpe keine Ausländer mag.
Weingarten Wenn wir Ihren Bruder hier befragen ...
Friemel Der wird dasselbe sagen.
Weingarten Und? Ist die Frau Ihres Bruders nun Vietnamesin oder Türkin?
Friemel Vietnamesin.
Weingarten Jetzt können Sie es ja doch auseinanderhalten.


TAG 57
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Brigitte Böhnhardt, Mutter von Uwe Böhnhardt. Manfred Götzl, Richter.


Böhnhardt Wir mochten seine Freunde, wir mochten den Uwe Mundlos, wir mochten den Ralf Wohlleben, wir mochten auch die Beate Zschäpe. Sie waren nette, höfliche junge Menschen, leider alle arbeitslos. Sie hatten also alle viel Zeit. (Pause.) Dann kam diese unselige Garagendurchsuchung im Januar 1998. Es war gegen sieben Uhr, als die Polizei klingelte und klopfte. Ich sagte zu Uwe: Pass auf, dass sie nichts finden, was vorher nicht drinnen lag. Ich hatte zu den Polizisten kein Vertrauen. Uwe hat mir später erzählt, er habe gewartet und gewartet, nach zwei Stunden waren sie endlich fertig. Auf dem Weg zu einer anderen Garage hat ihm ein Polizist dann zugeraunt: Jetzt bist du fällig, der Haftbefehl ist unterwegs. Da hat sich Uwe umgedreht und ist weggefahren.
Götzl Wussten Sie, wo er sich aufhielt, nachdem er untergetaucht war?
Böhnhardt Nein. Ich habe Frau Mundlos angerufen, ich habe Ralf Wohlleben gefragt, keiner wusste was. Dann kam endlich, endlich, endlich die erlösende Nachricht, ein Zettel im Briefkasten. Wir sollten an einer Telefonzelle warten, wo Uwe dann anrief. Anfangs heulten alle nur. Die Polizei hatte gedroht, dass er auf der Flucht erschossen werden könnte. Deshalb war ich froh, dass er lebt. Er sagte, wir sollten uns keine Sorgen machen, sie seien alle drei zusammen. Wir haben vom ersten Anruf an verlangt, dass sie sich stellen. Er sagte: Nein, Mutti, jetzt nicht. (Pause.) Im Herbst 1998 hatten wir mehrere Treffen mit einem Rechtsanwalt. Es ging um die Bemessung der Strafe. Der Staatsanwalt hatte die irrwitzige Zahl von zehn Jahren genannt, die Uwe drohen. Das kriegt nicht mal ein Kinderschänder. Dann war es wie beim Sommerschlussverkauf. Es hieß, er bekommt fünf Jahre, wenn sie sich stellen. Und ist dann nach zweieinhalb Jahren raus. Das zog sich bis zum Frühjahr 99 hin, dann wurde das Angebot plötzlich wieder zurückgezogen.
Götzl Haben Sie Ihrem Sohn von dem Angebot erzählt?
Böhnhardt Ja. Er hat versprochen, dass er mit den anderen spricht. Bereitschaft war aber nur von Beate da und von meinem Uwe. Uwe Mundlos wollte noch nicht.
Götzl Was haben Sie beim ersten Telefonat mit Ihrem Sohn besprochen? Können Sie mir Details erzählen?
Böhnhardt Er hat gefragt, ob wir bedroht werden durch die Behörden. Ich habe ihm nicht alles erzählt, was vorgefallen war, weil ich nicht wollte, dass er sich Sorgen macht. Es kam Persönliches zur Sprache. Mein Sohn hatte Angst vor dem Gefängnis. Er hatte da wohl schlechte Erfahrungen gemacht. Welche genau, hat er mir nie erzählt.
Götzl Und deshalb sind die drei geflohen?
Böhnhardt Ja. Ich sagte dann, aber den anderen wird doch gar nichts vorgeworfen? Er meinte, nein, aber wir bleiben zusammen, wir sind Freunde.
Götzl Haben Sie auch über die Garage von Frau Zschäpe gesprochen, die ebenfalls durchsucht worden war?
Böhnhardt Ich wusste gar nicht, dass Beate noch eine Garage hatte. Erst später hat die Polizei uns gesagt, was man dort gefunden hätte - Sprengstoff. Natürlich habe ich Uwe darauf angesprochen. Er meinte: Mutti, seid doch nicht so naiv. Du weißt doch, wie das ist: Das haben die erst hingelegt und dann gefunden.
Götzl Gehen wir zurück zu den Telefonaten, die Sie mit Ihrem Sohn geführt haben. Was hat er denn gesagt auf Ihre Frage: Was habt ihr vor?
Böhnhardt Er sagte: Wir sind nicht in Deutschland, wir sind im Ausland. Erst wenn es sicher ist, kommen wir zurück. Im Nachhinein ist das für mich natürlich der Supergau, dass die nur eineinhalb Autostunden von uns entfernt gewohnt haben.
Götzl Dann gab es ja ein zweites Telefonat mit Ihrem Sohn. Worum ging es da?
Böhnhardt Ich habe ihn gefragt, ob Uwe und Beate bereit wären, sich zu stellen. Er sagte mir nur, ich sollte in dieser Angelegenheit auf keinen Fall Kontakt herstellen zu anderen Eltern. Ich sagte: Aber die leiden doch genauso wie wir. Aber er blieb dabei. Ich habe die Familie Mundlos später mal an einer Tankstelle getroffen. Herr Mundlos war der Meinung, an allem ist unser Sohn schuld. Er habe seinen Sohn reingezogen.
Götzl Woran hat Herr Mundlos das festgemacht?
Böhnhardt Sein Sohn hatte keinen Grund, abzutauchen, aber unser Sohn war vorbestraft. Ich war immer der Meinung: Es sind drei Erwachsene gewesen. Und jeder hatte etwas zu sagen. Wissen Sie, habe ich zu Herrn Mundlos gesagt, unter diesen Bedingungen rede ich nicht mehr mit Ihnen. Dann habe ich mich umgedreht und bin gegangen. (Pause.)

(Illustration: Uwe Böhnhardt)

Götzl Erzählen Sie uns von dem ersten Treffen mit Ihrem Sohn im Frühjahr 1999.
Böhnhardt Es war in einem kleinen Park, an der ersten Autobahnabfahrt nach Chemnitz. Die drei waren schon da. Ich war da gerade stinksauer und wütend, dass die Staatsanwaltschaft ihr Angebot zurückgezogen hatte. Uwe sagte, das Angebot sei eh nicht ehrlich gemeint gewesen. Heute sage ich: Wenn der Verfassungsschutz und die Staatsanwaltschaft zu ihrem Wort gestanden hätten, was hätte man da verhindern können!
Götzl Wie haben Sie sich das denn vorgestellt? Dass die Strafen einfach erlassen werden?
Böhnhardt Nein, wir wollten nur, dass die Fahndung ausgesetzt wird. Ich hatte immer die Drohung der Polizei im Kopf: Wenn wir sie finden, dann schießen wir.
Götzl Wie sahen die drei aus?
Böhnhardt Sie hatten sich überhaupt nicht verändert, waren nur etwas älter geworden. Beate war weiterhin eine hübsche junge Frau.
Götzl Haben Sie Ihrem Sohn auch selbst Unterstützung angeboten?
Böhnhardt Diese Frage habe ich erwartet. Wenn ich ja sage, kann gegen mich ermittelt werden.
Götzl Das ist aber eine Frage des Zeitpunktes, das wäre inzwischen verjährt.
Böhnhardt Sie wissen ja, dass wir sie unterstützt haben. Da machen wir uns jetzt mal nichts vor, das haben ja auch die V-Leute berichtet. Wir haben ihm Geld gegeben, damit er was zu essen hat und nicht wieder klaut.
Götzl Welche Größenordnung?
Böhnhardt 500 Mark, und später noch mal 500 Mark.
Götzl Wie lief die Geldübergabe ab?
Böhnhardt Da haben Leute geklingelt, eine Parole gesagt und das Geld mitgenommen.
Götzl Welche Parole?
Böhnhardt Weiß ich jetzt nicht mehr.
Götzl Kannten Sie die Leute?
Böhnhardt Einen kannte ich: André Kapke. Den anderen kannte ich nicht, das war ein junger hübscher Mann, der eigentlich nicht wie ein Rechter aussah.
Götzl Von wem hatten Sie die Parole?
Böhnhardt Von Uwe. Das war etwas Besonderes, was nur Uwe und ich wissen konnten.
Götzl Dann liegt es ja nah, dass Sie sich erinnern können.
Böhnhardt Gut, dann sage ich es: Rippchen. Uwe hatte sich als Kind zwei Rippen gebrochen, er war ein sehr lebhaftes Kind.
Götzl Wo fand das nächste Treffen statt, im Jahr 2000?
Böhnhardt Am gleichen Ort. Ich habe mir auch den Uwe Mundlos zur Brust genommen, den Ältesten und Klügsten, dass sie sich endlich stellen sollten. Zu Beate habe ich gesagt: Auch du hast eine Mutter. Egal wie du zu ihr stehst. Wir haben die Emotionen angesprochen, aber sie waren nicht umzustimmen.
Götzl Es gab noch ein letztes Treffen, im Jahr 2002.
Böhnhardt Wir haben unseren Sohn in den Arm genommen und gedrückt. Und dann über banale Dinge geredet, sogar über Kochrezepte. Uns war in keiner Weise bewusst, dass es das letzte Treffen sein könnte. Am Schluss haben wir uns alle fünf umarmt. Da war's dann bei mir aus mit meiner Beherrschung. Die einzige Hoffnung, die mir blieb: Vielleicht gründen sie noch mal eine Familie. Beate habe ich dann noch gefragt, ob sie sich das gut überlegt hat oder nicht doch aussteigen will. Nein, Frau Böhnhardt, sagte sie, ich geh mit den Jungs mit. (Kurze Pause.) Manchmal dachten wir, vielleicht haben wir Enkelkinder und wissen nichts davon.
Götzl Haben sich die drei bei den Treffen in irgendeiner Weise politisch geäußert?
Böhnhardt Nein, sie wussten, dass wir ihre Ideen nicht richtig fanden. Ich hoffte, dass sie dieser rechten Ideologie nicht mehr anhängen, weil sie auch nicht mehr darüber gesprochen haben. Diese sinnfreien Transparente und dussligen Parolen - das durfte er daheim nie machen. Von wegen die Ausländer nehmen uns die Arbeit weg und diesen Müll. Ist doch schön, jetzt haben wir Italiener, Türken und Griechen und wir können überall essen gehen, habe ich Uwe gesagt. Und ihn gefragt: Möchtest du in der Pizzeria arbeiten oder den ganzen Tag im Dönerstand stehen? Nein? Dann sei doch froh, dass andere dort arbeiten.


TAG 58
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Brigitte Böhnhardt, Mutter von Uwe Böhnhardt. Manfred Götzl, Richter. Beate Zschäpe, Angeklagte. Mehmet Daimagüler, Anwalt Nebenklage.

Böhnhardt Eines Tages fragte Uwe uns, ob er seine Freundin mitbringen darf. Ich hab mich gefreut und fand Beate auf Anhieb sympathisch. Für mich bleibt sie dieses Mädchen: Uwes erste feste Freundin. Eigentlich hab ich gedacht, er ist bei ihr in guten Händen.
(Zschäpe schaut finster.)
Götzl War die Beziehung zwischen Ihrem Sohn und Frau Zschäpe noch dieselbe, als Sie die drei nach ihrer Flucht trafen?
Böhnhardt Ich war eigentlich bis zum Schluss der Meinung, dass die beiden noch ein Paar sind.
Götzl Was können Sie uns über Frau Zschäpes Anruf am Morgen des 5. November 2011 sagen?
Böhnhardt Ich bin fast dankbar, dass wir dadurch schon vorher wussten, was passiert war, und nicht zuerst durch die Polizei informiert wurden, so schlimm die Nachricht auch war.
Götzl Können Sie das genauer schildern?
Böhnhardt Wir lagen noch im Bett, als das Telefon klingelte: Hier ist Beate, das sagte sie. Uwes Beate. Da war erst mal ein Momentchen Ruhe. Das musste ich erst mal verarbeiten. Ich hoffte, dass sie jetzt zurückkommen, und fragte sie. Sie sagte: Der Uwe kommt nicht mehr. Da habe ich sie direkt gefragt: Ist der Uwe tot? Und sie hat gesagt: Ja, der Uwe ist tot.
Götzl Hat Frau Zschäpe gesagt, wie Ihr Sohn zu Tode gekommen ist?
Böhnhardt Sicher bin ich mir nicht.
Götzl Hat sie gesagt, sie haben sich erschossen?
Böhnhardt Das wäre möglich. Wir standen sehr unter Stress.
Daimagüler Empfinden Sie auch Mitgefühl für die Opfer?
Böhnhardt Ich habe tiefes Mitgefühl. Weil ich sie mit am besten verstehen kann. Es tut mir wirklich sehr leid. Und ich bin ihnen dankbar, dass sie sich nicht gerächt haben an uns. Ich rechne ihnen das hoch an, wir haben nie einen Brief mit Drohungen bekommen. (Kurze Pause.) Eines kann ich Ihnen versichern: Ich wüsste auch gern, was geschehen ist. Ich wüsste zu gerne, was sie verleitet hat, diese Taten zu begehen. Als Mutter suche ich nach jedem Strohhalm, dass es doch anders war. Ich kann mir meinen Sohn nicht als eiskalten Mörder vorstellen. Keiner hat das Recht zu töten. Und ausgerechnet mein Sohn soll das getan haben. Die Opferfamilien sind zumindest in der Lage, trauern zu können, auch öffentlich. Jedes Mal wenn ich das will, dann steigt in mir das Entsetzen darüber hoch, was er getan haben soll.


TAG 60
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Ursula Schiffner, Wolfgang Schiffner, Ehepaar aus Niedersachsen, kannten Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe aus dem Urlaub auf Fehmarn.

Ursula Schiffner Die drei machten untereinander einen sehr harmonischen Eindruck. Es gab eine klare Rollenverteilung: Essen, waschen, den Wohnwagen aufräumen war ganz klar die Rolle von Liese. Um Technik, Sportgeräte und die Fahrräder hat sich Max gekümmert. Gerry reparierte den Wohnwagen oder das Auto. Er fuhr gern allein aufs Meer raus, teilweise über Stunden. Die Sorge von Liese, dass er heil zurückkommt, war dann immer sehr groß.
Wolfgang Schiffner Das waren eigentlich ganz nette Menschen, mit denen wir da zu tun hatten. Man kannte sich ja und hat ihnen auch vertraut. Die drei haben mit unseren Töchtern auch »Siedler von Catan« gespielt. Aus meiner Sicht war es so, dass Liese die Kasse verwaltet hat. Sie hat im Restaurant immer gezahlt. Einmal war ich mit Max, also Mundlos, in der Stadt, und wir haben uns einen Döner geholt. Das war schon gut inszeniert, was die gemacht haben.


TAG 61
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Stefan Apel, Zschäpes Cousin. Manfred Götzl, Richter. Beate Zschäpe, Angeklagte. Annerose Zschäpe, ihre Mutter. Mustafa Kaplan, Anwalt Nebenklage.

Götzl Welche Rolle spielte Frau Zschäpe nach der Wende in Jena?
Apel Wir waren halt 'ne große Gruppe. Sie war mit Mundlos und Böhnhardt liiert.
Götzl Wie lief Ihr Leben damals ab?
Apel Unkontrolliert. Mit Saufen, Party, Spaß. Gearbeitet habe ich kaum.
Götzl Hatten Sie auch Kontakte zu Rechtsradikalen?
Apel Wir waren nicht direkt integriert, aber rechtsgerichtet auf jeden Fall: gegen den Staat, gegen Ausländer, gegen Linke, gegen alles.
Götzl Wie hat Mundlos gelebt?
Apel Am Anfang hat er Party gemacht, dann hat er sich nach oben gesteigert.
Götzl Was meinen Sie damit?
Apel Er ist zu Demos gefahren, Parteiveranstaltungen oder Kameradschaftstreffen.
Götzl Welche Kameradschaft?
Apel Weiß ich nicht, ich hatte bald nichts mehr mit ihnen zu tun. Ich habe zu Uwe Mundlos und meiner Cousine nur noch ab und zu hallo gesagt. Mundlos war mit meiner Lebensführung nicht einverstanden. Er hat mich einen Asi genannt.
Götzl Wie war die Lebenseinstellung bei Ihrer Cousine, bei Böhnhardt?
Apel Wir haben uns nie über Politik unterhalten. Die anderen zwei - hat jeder gewusst -, konnten sich ganz schön reinsteigern in solche Sachen.
Götzl Was meinen Sie damit?
Apel Sie haben zum Beispiel keinen Alkohol mehr getrunken. Die waren halt rechts. Mundlos hat einer Zigeunerin einmal ein Stück Kuchen an den Kopf geworfen.
Götzl Versuchen Sie, Ihre Cousine ein wenig zu beschreiben.
Apel Sie hat sich nichts gefallen lassen, sie war robuster im Umgang als andere Frauen. Und sie hatte die Jungs in Griff.
Götzl Was meinen Sie damit?
Apel Wenn sie mit einem zusammen war, hat sie auch was gesagt. Sie hat auch gern gelacht und Wein getrunken. Beate hat nur Frauengetränke getrunken, Wein und Sekt.
(Apel ab. Annerose Zschäpe tritt in den Zeugenstand, setzt sich ihre Brille auf.)
Götzl Als Mutter der Angeklagten haben Sie ein Zeugnisverweigerungsrecht. Wollen Sie irgendwelche Angaben machen?
Zschäpe Nein.
Götzl Sind Sie damit einverstanden, dass Ihre polizeiliche Vernehmung eingeführt wird?
Zschäpe Nein. (Sie schaut ihre Tochter an. Beate Zschäpe weicht ihrem Blick aus.)
(Annerose Zschäpe ab. Stefan Apel tritt wieder in den Zeugenstand.)
Kaplan Was hatten Sie eigentlich gegen den Staat?
Apel Wir waren frustriert und haben uns gegen alles gewandt. Dass der Staat alles zulässt, die Ausländer und so. Und wir hängen auf der Straße herum.
Kaplan Wie viele Ausländer kannten Sie damals?
Apel Keine.
Kaplan Welche Vorteile haben die Ausländer genossen vom Staat?
Apel Wir waren der Meinung, dass sie Geld und Wohnungen vom Staat bekommen und nichts dafür tun müssen.
Kaplan Wie kamen Sie zu der Meinung?
Apel Das haben wir uns so gedacht.


TAG 66

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Rocco Rautenberg, Kriminalhauptmeister aus Zwickau. Manfred Götzl, Richter.

Rautenberg Ich wurde im Dezember 2006 mit der Bearbeitung eines Wasserschadens betraut. Im Haus wohnte eine Frau Lisa Dienelt, die habe ich als Zeugin vorgeladen. Aber es erschien niemand auf die Ladung. Ich bin in das Haus gegangen und habe versucht, mit Frau Dienelt zu sprechen. Die Frau hat mir geöffnet und gesagt, dass sie nicht Lisa Dienelt ist, sondern Susann E. Sie erschien dann zwei Tage später auf der Dienststelle. Herr E. kam auch mit.
Götzl Die Susann E., haben Sie die auch vernommen?
Rautenberg Ich habe die Frau vernommen, die mir die Tür geöffnet hat.
Götzl Aber wir haben zwei Namen, Susann E. und Lisa Dienelt?
Rautenberg Die Frau sagte, Liese sei ihr Spitzname. Und am Klingelschild steht Dienelt, deswegen würden alle davon ausgehen, dass sie wohl Dienelt heiße.
Götzl Haben Sie Erinnerungen an die Vernehmung?
Rautenberg Als sie sagte, dass sie am Vormittag des Wasserschadens nicht in der Wohnung war, war sie für die Sache nicht mehr so wertvoll.
Götzl Was war mit Herrn E.?
Rautenberg Er war nicht geladen, er war einfach da. Er sagte, sie kümmerten sich um die Wohnung des Herrn Matthias Dienelt, weil er Fernfahrer war. Sie kümmerten sich um die Katzen.


TAG 69
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Siegfried Mundlos, Vater von Uwe Mundlos. Manfred Götzl, Richter.

Mundlos Vor 1990 war mein Sohn auf keinen Fall ein Rechter. Er war hilfsbereit und sehr lieb zu seinem älteren behinderten Bruder. Er hat versucht, seinen Freunden zu helfen. Vor allem Uwe Böhnhardt. (Pause.) Böhnhardt war eine tickende Zeitbombe. Bekannte aus der Szene sagten mir: Der kann dich abstechen, der ist gefährlich. Das muss der Familie Böhnhardt auch bekannt gewesen sein. Aber die haben das systematisch verschwiegen. Mein Sohn wusste nicht, mit wem er sich da abgab.
Götzl Wieso haben Sie das nicht mit Ihrem Sohn besprochen?
Mundlos Sie sind ein Klugsch...
Götzl (Unterbricht.) Was fällt Ihnen ein! Mich so anzugehen! Noch einmal, und Sie müssen mit Ordnungsmitteln rechnen, Herr Doktor Mundlos.
Mundlos Sie dürfen mich ruhig Professor nennen.


TAG 71

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Manfred Götzl
, Richter.

(Aus Zwickau ist die ehemalige Nachbarin von Zschäpe über eine Videoleitung zugeschaltet. Nach wenigen Fragen wird die Vernehmung abgebrochen, weil die 91 Jahre alte Frau nicht vernehmungsfähig ist.)

Götzl Sind für heute noch Anträge, Erklärungen? (Stille.) Dann darf ich Ihnen allen erholsame Feiertage wünschen. Die Sitzung ist für heute geschlossen.
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Die Fortsetzung des NSU-Prozesses: Im Justizgebäude an der Nymphenburger Straße 16 wird das Oberlandesgericht München am 8. Januar 2014 das »Strafverfahren gegen Beate Z. u. a. wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung u. a. (NSU)« weiterführen. Bereits jetzt hat der 6. Strafsenat weitere 118 Verhandlungstage bis zum 18. Dezember 2014 terminiert. Es sind Zeugen zu den bisher behandelten Fällen geladen, außerdem stehen der Mord an der Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter und das Nagelbombenattentat in Köln-Mülheim auf der Agenda.

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