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aus Heft 05/2014 Technik

All inklusiv

Till Krause  Fotos: Thomas Rusch, Michael Najjar

Bald fliegen die ersten Hobby-Astronauten in den Weltraum. Darunter auch der Deutsche Michael Najjar - er trainiert seit Jahren dafür. Stationen eines langen Starts.



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JULI 2011, BERLIN

Michael Najjars Reise ins Weltall beginnt mit einem Brief. Absender: Richard Branson, der britische Milliardär, der Weltraumtourismus so selbstverständlich machen will wie einen Transatlantikflug. Najjar hat bei Bransons Firma Virgin Galactic eine Reise ins All gebucht, als einer der ersten Passagiere überhaupt. Im Brief bedankt sich Branson für die Buchung, schreibt etwas von einem »neuen Kapitel der Raumfahrt« und ernennt Najjar zum »Virgin Galactic Pioneer«. Der Start ist in ein paar Jahren geplant: Ein Spezialflugzeug bringt ein von Bransons Firma entwickeltes Raumschiff mit sechs Sitzen auf 15 000 Meter Höhe, dort zündet der Raketenantrieb und schießt die Passagiere auf 110 000 Meter über dem Meeresspiegel, sie drehen ein paar Minuten lang ihre Runden in der Schwerelosigkeit und schauen auf die Erde hinab. Das Ticket kostet 150 000 Euro, viel Geld für ein bisschen Weltraum-Sightseeing. Aber für Najjar geht es um mehr: Er ist Künstler, seine großformatigen Fotoarbeiten hängen weltweit in Museen. Das Thema seiner Kunst: Technik und die Frage, was sie mit Menschen macht. Für ihn ist der Flug ins All eine Dienstreise: Er will, als erster Künstler im Weltraum, Bilder von seiner Reise ins All machen. Das Ticket haben Sammler seiner Bilder bezahlt, die sich davon spektakuläre Kunstwerke versprechen.

OKTOBER 2011, NEW MEXICO, USA

Der Weltraumflughafen Spaceport America in der Wüste New Mexicos sieht aus wie eine Qualle aus Beton. Von hier aus sollen die Weltraumtouristen starten, aber noch wird gebaut. »Pioneer Astronauts« wie Najjar bekommen spezielle Führungen, er ist begeistert, macht Fotos und besucht eine Konferenz über kommerzielle Raumfahrt, die Firmen wie Boeing jedes Jahr in New Mexico veranstalten. Zu dieser Zeit hört er von einem Mann namens Andreas Bergweiler, einem Reiseveranstalter mit guten Kontakten zu russischen Kosmonautentrainern. Mit ihm wird sich Najjar über die nächsten Monate 327 E-Mails schreiben, um ein Training in Russland zu organisieren - nur dort dürfen Amateure sich professionell auf Weltraumreisen vorbereiten. »Raumfahrt war lange genug in der Hand staatlicher Organisationen«, sagt er, »jetzt öffnet sich der Weltraum für fast alle.« Michael Najjar ist ein sportlicher Mann mit Lachfalten, der gern Wörter wie »irre« und »unfassbar« verwendet. Sein Weltraumprojekt ist mit diesen Begriffen gut beschrieben: Er will ein möglichst komplettes Astronautentraining absolvieren - und daraus Kunstwerke schaffen. Notwendig wäre diese Mühe nicht. Den Flug mit Virgin Galactic würden halbwegs fitte Menschen auch ohne viel Training hinbekommen, verpflichtend sind nur ein paar Untersuchungen und ein dreitägiger Kurs, »aber warum soll ich mir dieses Abenteuer entgehen lassen?«

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Till Krause hat viel Zeit mit Michael Najjar verbracht - und sich vom Weltraum-Fieber anstecken lassen. Unser Redakteur würde auch sehr gern ins All fliegen - aber leider hat er bisher niemanden gefunden, der ihm die Reise bezahlt.

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