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Neue Fotografie 05. Juni 2014

“Chill mal, Mama”

Marlene Thiele (Interview)  Fotos: Mara von Kummer

Die Pubertät: Man ist kein Kind mehr, aber erwachsen ist man auch noch nicht. Man fühlt sich ungebunden, ist aber noch so abhängig. Ein Jahr hat Mara von Kummer die zwölfjährige Diana fotografisch begleitet - eine Studie über ein rästelhaftes Alter.


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Name:
Mara von Kummer
Geboren: 26.05.1977
Ausbildung: Fotografie-Studium an der Ostkreuzschule Berlin
Webseite: http://www.maravonkummer.com/

SZ-Magazin: Frau von Kummer, welche Erinnerungen haben Sie an Ihre eigene Pubertät?
Mara von Kummer:
Meine Pubertät ist mir gut im Gedächtnis geblieben. Es war eine spannende und sehr wichtige Zeit, die natürlich auch ihre schrecklichen Seiten hatte. Ich erinnere mich an zahlreiche Auseinandersetzungen mit meinen Eltern, viele Zweifel, ebenso wie große Träume für die Zukunft. Man wollte erwachsen und selbstbestimmt sein und war darin doch noch so unsicher. Es war ganz bestimmt eine prägende Zeit.

So prägend, dass Sie diese Zeit fotografisch festhalten wollten?
Ja, mich interessiert nach wie vor, wie die Pubertät das Leben formt. Meine eigenen Kinder sind jetzt vier und zehn Jahre alt und ich bin gespannt, wie sie mit dieser Zeit umgehen werden.

Sie haben die zwölfjährige Diana ein Jahr fotografisch begleitet. Warum fiel ihre Wahl auf dieses Mädchen?
Diana verkörperte die Ambivalenz in dem Alter sehr treffend. Mal war sie vorlaut, mal erwachsen, dann wieder jung. Mal war sie hübsch, mal so wütend. Meine vorherigen Fotos zu dem Thema waren eher romantisch und oberflächlich. Und dann hat Diana selbst mich angesprochen, als ich auf einem Spielplatz in Friedrichshain fotografiert habe: „Ey, mach mal ein Foto von mir.“ So fing es an. Diana war ein Mädchen aus der Nachbarschaft, aus dem Kiez wie man hier sagt. Ich habe versucht ihr Vertrauen zu gewinnen, sie besucht und getroffen. Ich bin einfach mitgegangen, zu allem, was gerade anlag. Diana hat das nie gestört und ihre Eltern und Freunde hatten auch kein Problem damit.

Wie war die Arbeit mit ihr?
Es war nicht immer einfach, was auch an Dianas Wildheit lag. Aber die hat mir eben so gut gefallen. Oft waren wir verabredet und sie war nicht da. Erreichen konnte man sie dann auch nicht, damals hatte Diana nämlich kein Handy. Manchmal muss man ruhig bleiben. Einmal war ich dabei, als sie mit ihren Freunden randalierend durch die Straßen zog. Da ist es schwierig, die Beobachterposition zu halten und nicht einzugreifen.

Dennoch sprechen Sie selbst am Ende von einer eher subjektiven Studie.
Das stimmt. Anders bekommt man solche Fotos auch nicht. Um jemandem auf den Fotos den nötigen Respekt entgegen zu bringen, braucht es einer gewissen Sympathie. Mit Diana habe ich übrigens immer noch Kontakt. Sie ist jetzt 18 Jahre alt und selbst Mutter.
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