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Klickbringsel: das Souvenir 12. Juni 2015

Windpferd im Garten

Von Susanna Bingemer 

Dem bayerischen Teppichhändler Ali verdankt unsere Autorin ihre ersten tibetischen Gebetsfahnen – und siehe da: auch als Nicht-Buddhistin spürt sie deren Einfluss.

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Mein Mann machte eine Zeit lang Yoga in einem Teppichladen, den der Besitzer für den Yoga-Kurs zur Verfügung gestellt hatte. Vergangenen Sommer hat Teppich-Ali (der eigentlich Alexander heißt und einer alteingesessenen, bayerischen Teppichhändler-Familie entstammt) für alle Yogis seiner Gruppe tibetische Gebetsfahnen aus Nepal mitgebracht. Dort lässt er seine Teppiche anfertigen. Ich kenne Teppich-Ali nicht persönlich, aber an dieser Stelle möchte ich mich bei ihm für sein Geschenk bedanken.

Als mein Mann die Gebetsfahne nach Hause brachte, war ich fasziniert und habe sie bei uns im Garten wie eine Girlande zwischen zwei Bäume gehängt, so dass die bunten Fähnchen im Wind flattern können. Das sieht anmutig aus und bringt Farbe ins Grüne. Vor allem aber verbreitet die Fahne auch in unserem Vorstadtgarten ein gewisses Dach-der-Welt-Flair, mein Geist wird bei ihrem Anblick offener, ich fühle mich dann irgendwie mit allen Menschen dieser Welt verbunden. Und das ist wohl kein Zufall. Denn natürlich sollen tibetische Gebetsfahnen nicht einfach Deko sein.

In Tibet gehören diese Fahnen zur buddhistischen Tradition. Überall auf den Pässen und Berggipfeln im Himalaya sind sie zu sehen, aber auch an Stupas oder Privathäusern. Wichtig ist, dass die Gebetsfahnen möglichst weit oben aufgehängt werden und frei flattern können. Ihre Farben blau, gelb, rot, grün und weiß stehen für die fünf Elemente Raum, Erde, Feuer, Wasser und Luft. Auf die farbigen Fähnchen sind mit Holzstempeln buddhistische Motive, Gebete und Mantras gedruckt. Der tibetische Name rlung rta (gesprochen: Lungta) für Gebetsfahne heißt »Windpferd« - im tibetischen Buddhismus ein wichtiges Symbol für Lebensenergie. Und wie ein Pferd soll die Gebetsfahne Mantras, Wünsche und Hoffnungen in alle Welt hinaustragen. Die im Wind flatternden Lungtas senden, so der Glaube, ständig positive Energien aus.

Kein Wunder, dass ich mich beim Betrachten meiner Garten-Lungta so beschwingt fühle! Offenbar wirkt ihre Lebenskraft auch bei Nicht-Buddhisten. Dass sich die Fähnchen allmählich in ihre einzelnen Fäden auflösen, gehört zum Konzept - die Fäden sollen nämlich Glück und Wünsche noch viel besser in alle Welt verteilen können. Aber wenn meine Gebetsfahne sich mal gänzlich aufgelöst haben wird und ich auch nicht in absehbarer Zeit nach Tibet kommen werde, kann ich bei tibet-online-shop.de von tibetischen Flüchtlingen in Nepal handgefertigte Lungtas nachbestellen. Dadurch unterstütze ich gleichzeitig die Aktivitäten der Tibet-Initiative, die den Online-Shop betreibt. Das dient dann vielleicht auch schon mal der positiven Energie auf der Welt.


(Foto: .marqs / photocase.de)
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