Quittensecco

Marius Wittur wollte eigentlich nur verwaiste und verwahrloste Quittenbäume retten - am Ende hatte er das perfekte Hochzeitsgetränk erfunden.

Gerade bekam ich einen Anruf aus Italien: »Hans, I have a question - remember you brought us a bottle of quince prosecco?«, fragte mich die russische Verlobte meines französischen Sterne-Koch-Freundes. »Who is the producer of this heavenly nectar?« Irina plant gerade die Getränkeversorgung für ihre Hochzeit in Moskau. Natürlich weiß ich, wer diesen Secco herstellt. Es ist Marius Wittur. Der gelernte Baumpfleger nennt sich selbst manchmal den »linken Flügel von Slowfood«.

Bei ihm heißt das allerdings vor allem eines: Er fühlt sich zuständig für die Pflege allgemeinen Kulturgutes. Wittur beschneidet unzählige verwaiste und verwahrloste Quittenbäume in seiner Heimat, dem mainfränkischen Weinbaugebiet nordöstlich von Würzburg. So bleiben die uralten Bäume länger gesund. Viele der vergessenen Quittensorten vermehrt Wittur in seiner kleinen Quittenbaumschule. So rettet er sie vor dem Aussterben. Durch die gute Pflege tragen die Bäume wieder reichlich Früchte. Zuerst war das ein Problem - wohin im Herbst mit mehr als zehn Tonnen der goldgelben duftenden Quitten?

Lösungsversuch Nummer Eins war ein sehr guter, trockener Quittenwein. Doch jedes Jahr wird die Ernte größer, Wittur und seine Frau entwickelten einen Quittensecco, der mir noch besser gefällt. Gerade haben sie damit einen Preis gewonnen beim Wettbewerb »Bayerns beste Bio-Produkte«. Der goldgelbe Secco schmeckt leicht, spritzig, fruchtig, aber nicht süß und duftet nach meiner Lieblingsfrucht. Meistens trinke ich ihn pur als sommerlichen Aperitif. Dieser Secco mit seinem unwiderstehlichen Duft ist, ohne dass man dafür irgendetwas mischen muss, eine Art natürlicher Hugo (den wir beim SZ-Magazin übrigens schon 2003 unter dem Namen Holdirinha als Sommerdrink entwickelt haben). Manchmal gieße ich auch einen Schluck Quittensecco über ein Zitronensorbet mit Minzblatt - genau die richtige Version für eine Hochzeit.