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Neue Fotografie 03. Februar 2016

Gut versteckter Luxus

Interview: Johanna Schwarz  Fotos: Daniel Gebhart de Koekkoek

Wer im Winter campt, muss ganz schön arm dran sein, dachte sich der Fotograf Daniel Gebhart de Koekkoek. Auf einem Campingplatz in St. Moritz merkte er, dass das Gegenteil richtig ist.



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Name: 
Daniel Gebhart de Koekkoek
Geboren: 1982 in Innsbruck
Ausbildung: Praktikum bei Magnum in New York
Wohnort: Wien und Berlin
Homepage: gebhart.dk/

SZ-Magazin: Wie ist Ihre Wintercamperserie entstanden?
Daniel Gebhart de Koekkoek: Ich war in Tirol bei meinen Eltern zu Besuch und habe ein Schild gesehen: »St. Moritz – 200 km«. Das brachte mich auf die Idee, dort hin zu fahren und reiche Russen zu fotografieren. Die Idee ging dann zwar nicht auf, ich entdeckte aber durch Zufall zwischen verschneiten Bäumen diesen Campingplatz – direkt neben den Luxushotels. Das wirkte interessanter und hat mich sofort angezogen.

Wieso? Ein Campingplatz ist doch nichts Ungewöhnliches.
Aber Campen im Winter? Wer tut sich so etwas an, habe ich mich gefragt.

Doch wahrscheinlich Menschen, die preiswert Urlaub machen wollen und sich das Hotel in St. Moritz nicht leisten können.
Das habe ich anfangs auch gedacht. Ich bin dann aber mit einigen Campern ins Gespräch gekommen und habe erfahren, was ihre Wohnwägen und die Stellplätze dort kosten. Etliche Leute haben nämlich Jahresstellplätze gemietet und lassen ihre Wohnwagen permanent dort stehen. Zu diesen Preisen könnten sie genauso gut über Jahre in ein Hotel gehen! Aber sie ziehen den Campingplatz vor.

Haben Sie erfahren warum?
Es geht ihnen um die Freiheit. Sie möchten nichts vorgeschrieben bekommen, vor allem nicht, wann sie zu essen haben und was sie dazu anziehen sollen. Es sind entspannte, zugängliche, lockere, meist ältere Menschen, denen man ihren Wohlstand auf den ersten Blick nicht ansieht. Der zeigt sich erst in den Details: Die Besitzer des Wohnwagens mit dem Weihnachtsbaum davor (Bild 10) können zum Beispiel ihren Ofen von zu Hause aus steuern. Wenn sie auf dem Campingplatz ankommen, ist ihr Wohnwagen schon warm. Viele der Camper gönnen sich schon ein bisschen Luxus.

Was wollten Sie zeigen?
Ich campe selbst gerne und mag diesen Lebens- und Urlaubsstil. Vor allem mache ich aber gerne Portraits von Menschen, die in ihrer eigenen kleinen Welt leben; das ist auch das Thema meines Buchs The World We Live In. Mich reizt es, wenn Menschen für ihren kleinen Bereich eine Leidenschaft entwickeln. Außenstehende verstehen diese Begeisterung oft nicht, aber die Menschen selbst gehen auf in ihrer kleinen Welt uns sind deshalb oft sehr zufrieden.

Die Fotos wirken ein bisschen retro. Absicht?
Eigentlich nicht, aber ja, die Fotos sind analog fotografiert. Und es ergibt sich aus der Kulisse. Die Wohnwagen sehen einfach so aus, dazu kommen die Kleidung und der Stil der Camper.

Licht und Schatten scheinen Ihnen besonders wichtig zu sein ...

Ja, das schöne Licht dort hat mich zusätzlich gereizt. Mein Hauptaugenmerk lag auf der blauen Stunde, also der Zeit nach Sonnenuntergang. Außerdem arbeitete ich mit langen Belichtungen von bis zu zwei Minuten. Das Licht auf den Bildern entstand durch die Mischung aus Scheinwerferlicht, dem Sonnenuntergang und der Reflektion von allem im Schnee.

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