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Religion 19. Mai 2016

Ohne Amt, in Würden

Von Tobias Haberl  Foto: Matthias Ziegler / Soothing Shade

Seit sechs Jahren ist Margot Käßmann nicht mehr Bischöfin, sondern einfache Pastorin. Doch sie längst zurück. Auf Facebook geht sie trotzdem nur heimlich.



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2010 trat Margot Käßmann nach einer Alkoholfahrt mit 1,54 Promille als Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende zurück. Von heute auf morgen war sie nicht mehr die mächtigste Frau der Evangelischen Kirche Deutschlands, sondern eine ganz normale Pfarrerin, die sich eine neue Wohnung suchen muss. Sie ist damals abgetaucht, hat an Universitäten in Atlanta und Bochum unterrichtet, und die große Frage war: Wird diese Frau zurückkommen und wenn ja, als was?

Margot Käßmann ist längst zurück, aber nicht mit Brimborium durch den Haupteingang, sondern leise durchs Hintertürchen. Im Moment reist sie als Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 durch die halbe Welt, um möglichst viele der 800 Millionen Protestanten auf die Gedenkparty einzustimmen, die nächstes Jahr samt Weltausstellung, Kirchentag und Jugendcamp in Wittenberg steigen wird.

Käßmann und Luther: das passt perfekt, beide gläubig, aber gar nicht mal so fromm, eher sinnlich, aufmüpfig und immer gut für einen Skandal. »Die predigt Wasser und trinkt Wein«, haben einige damals geschimpft. »Als ob ich jemals Wasser gepredigt hätte«, sagt sie heute. Und klar wusste sie, dass sich einige aufregen würden, wenn sie diesen Job übernimmt, aber sie wusste auch, dass sich, egal, was sie macht, einige aufregen würden. Kaum eine Frau spaltet unser Land so sehr, Millionen verehren sie, der Rest lehnet sie umso radikaler ab. Sie bekommt immer mal wieder Mails, in denen ihr Menschen mitteilen, dass sie ihr gern die Kehle durchschneiden oder sie über IS-Gebiet abwerfen würden.

Wir haben Margot Käßmann quer durch Asien begleitet, Thailand, Indonesien, Singapur, Hongkong und in ihrem Häuschen auf Usedom besucht. Wir waren dabei, wie sie Vorträge vor interessierten Studenten in Jakarta und vor wütenden Rentnern in Pattaya gehalten hat. Wir waren mit ihr Stabmuscheln essen in Singapur, bei Vollmond schwimmen in Bangkok und spazieren in den Gassen Hongkongs. Sie hat uns verraten, warum sie nur heimlich auf Facebook ist, was sie am Tag nach ihrem 60. Geburtstag macht und wo sie mal begraben werden will. Zuletzt waren wir mit ihr am Ostseestrand, ihrem Kraftort, und jetzt wissen wir, was dieser Job ist: Auftakt für größere Aufgaben, womöglich das Amt der ersten Bundespräsidentin? Oder versöhnlicher Abschluss einer ungewöhnlichen Kirchenkarriere?

Lesen Sie das gesamte Porträt mit SZplus:

 
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