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Technik 14. Oktober 2016

Laptops kaufen oder Löcher stopfen?

Von Nataly Bleuel  Foto: dpa

Schulen in Deutschland sollen mit einem Fünf-Milliarden-Euro-Programm für digitale Bildung fit gemacht werden. Was halten eigentlich die Schüler davon? Und wäre das Geld für die Renovierung maroder Schulen nicht besser angelegt? Unsere Autorin hat mal nachgefragt.


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Als sie aus der Schule kamen, hab ich direkt mal die Betroffenen gefragt, meine Jungs: Ob sie gerne »mehr Computer« in der Schule hätten, Laptops, Tablets, fixes WLAN und Lehrer, die nicht weinend vorm Whiteboard stehen, weil mit dem schicken digitalen Klassenzimmerbildschirm mal wieder »irgendwas nicht stimmt«. Die Regierung, habe ich gesagt, will nämlich für fünf Milliarden Euro alle Schulen mit Computern ausstatten.

Wie fändet ihr das?

Ich habe ein bisschen die Luft angehalten. Meine Jungs verbringen schon ihre Freizeit am Smartphone, also die Stunden zwischen Schule und Fußballverein. Ich habe keinerlei Anlass zu fürchten, sie könnten den digitalen Anschluss an den Rest des world wide web verpassen. Wenn ich sie bitte, im Netz etwas zu suchen, geht das so rasant, dass ich mir währenddessen die Augen zuhalten muss, sonst wird mir schwindlig. Und dabei halte ich mich selbst schon für gewieft im Googeln. Obwohl ich mir das alles ohne Grund-, Hoch- oder Volkshochschule angeeignet habe. Einfach so, learning by doing, weil es Spaß macht.

»Fünf Milliarden Euro?«, hat mein Großer mit großen Augen gesagt, »so viel Geld?«

Ja, habe ich gesagt, man könnte damit auch die stinkigen Klos aufmotzen und das Leck im Dach der Aula und eine Turnhalle bauen und neue Klassenzimmer, damit ihr euch nicht zu vierunddreißigst auf 25 Quadratmetern stapeln müsst und Intensivunterricht geben an die sechs Schüler aus deiner siebten Gymnasialklasse, die eklatante Lecks haben in Lesen und Rechtschreibung.

Man könnte das Geld in Lehrer investieren, indem man ihnen, beispielsweise, vor ihrem Studium eine Probezeit einräumt, in der sie testen müssen, ob sie überhaupt mit Kindern umgehen können. Ob sie fähig sind, Wissen so anschaulich rüberzubringen, dass Lernen Freude macht. Und man könnte mit diesen paar Milliarden – so viel Geld ist das gar nicht – endlich mal anfangen, gemeinsam darüber nachzudenken, was Schule heute überhaupt leisten soll.

Vielleicht mehr Ganztagsschule, darin auch Tanzen und Kochen, genauso wie Kritisches Denken in Konsum, Politik, Wirtschaft und Medien und sinnliche Orientierung in der Welt, und nicht auf einem platten Wisch, auf den die neun größten Gewässer Amerikas eingekrakelt sind, who the fuck is Mackenzie? Eigentlich, habe ich gedacht, bräuchten wir nämlich eine Mega-Bildungsreform, alles muss anders werden in diesem Land, das sich als eines der wohlhabendsten der Welt brüsten kann. Und dabei wüsste ich, wenn mich einer aus dem Traum weckt, nicht mal auf Anhieb den Namen der Ministerin, die dafür zuständig sein sollte.

Egal. Nee, nicht egal. Hauptsache, Geld fließt. Kurz vor einem IT-Gipfel sagt ein Manager aus der Branche zu dem Digitalisierungsdeal: »Das Programm ist ein Fest für die Industrie.« Geschenkt!

Sagt mein Kleiner: »Kriege ich dann ein Tablet? Nur für mich allein?«
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Möglicherweise.

»Kann ich das dann mit nach Hause nehmen?«

»Auf gar keinen Fall!«, ruft da sein Vater rein.

»Na dann«, sagt mein Sohn schulterzuckend, »ist das erst mal nicht nötig.«
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    Von Nataly Bleuel