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bedeckt München
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aus Heft 48/2016 Ein Interview ohne Worte

Wie geht der Kennerblick bei einer Weinprobe?

Fotos: Frank Bauer

Der Weinkritiker Hugh Johnson über Wein im Tetrapack, den Brexit und wie man bei der Weinprobe eine gute Figur macht, auch wenn man keine Ahnung hat.



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Geboren:
10. März 1939 in London
Beruf: Weinkritiker
Ausbildung: Anglistikstudium in Cambridge
Status:
Sehr guter Jahrgang

Ein heller, sommerlicher, etwas bitterer Rotwein vom Gardasee, klingt das nicht gut? Oder: Weltklasse-Rotwein, tanninherb, alkoholreich, trocken, aber wunderbar komplex und duftig (Rosen und mit zunehmendem Alter Teer) mit einem langen, fast portweinartigen Abgang. Es ist natürlich sein Urteilsvermögen, das den Briten Hugh Johnson zum weisen und hochverehrten Weinkritiker gemacht hat. Es ist aber auch sein Ton. Ohne die Sprache neu erfinden zu wollen, beschreibt er Duft und Geschmack eines Weines so präzise und schnörkellos, dass man ihn zu spüren meint. Johnson, heißt es, sei auch insofern ein besonderer Mensch, als er so gern über Wein nachdenke wie er ihn trinke. Im Vorwort der neuesten Ausgabe des Weinführers Der kleine Johnson 2017 blickt er auf vierzig Jahre zurück, in denen er dieses Buch jährlich aktualisierte. Anfangs passte das Weinbüchlein in die Hosentasche, nun sind es 450 Seiten, 15 000 Weine. Dabei, stellt Johnson erstaunt fest, wird heute doch viel weniger Wein auf der Welt getrunken als damals. »Das liegt am Autofahren«, meint Johnson, »die Leute sind vorsichtiger geworden.« Und sie bestellen Mineralwasser - eine Idee, auf die in den Siebzigerjahren kaum jemand verfallen wäre.

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