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Nackte Zahlen: Sexkolumne 22. März 2017

So lang wie ein Kängurusprung

Von Alena Schröder  Illustration: Sammy Slabbinck

Nirgends überschätzen Männer ihre Penisgröße so sehr wie in Australien. Was sind die Gründe?

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Wenn es um die Länge ihres Penis in erigiertem Zustand geht, verlässt Männer gelegentlich der Realitätssinn. Dass dies ein globales Phänomen ist, hat nun die Datingwebsite saucydates.com herausgefunden, indem sie rund tausend ihrer männlichen Mitglieder in verschiedenen Teilen der Welt nach der geschätzten Größe ihres erigierten Penis gefragt hat. Um eine realistische Einschätzung dieser Größenangaben zu erhalten, wurden ebenso viele Frauen gefragt, wie groß in etwa der letzte erigierte Penis war, dem sie begegnet sind. Man kann diese Methode der Datenerhebung nicht gerade wissenschaftlich nennen, schließlich messen die wenigsten Männer und Frauen nach. Und trotzdem lässt sich doch Erstaunliches aus dieser Befragung herauslesen.
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Wenig überraschend ist, dass die Amerikaner, selbstbewusste Bewohner des »greatest country on earth« auch ihren Penis mit 18,3 Zentimetern am größten einschätzen, amerikanische Frauen korrigieren diese Einschätzung vorsichtig nach unten und kommen im Schnitt auf 16,8 erigierte Zentimeter. Kanadische Männer dagegen, höflich und bescheiden wie man sie kennt, scheinen ihre Penisgröße eher zu unterschätzen: Sie kamen auf durchschnittlich 17,3 Zentimeter, während sich die kanadischen Frauen auf 17,6 Zentimeter einigen. Am allergrößten ist die Diskrepanz zwischen gefühlter Ständergröße bei australischen Männern und Frauen. Australier schätzen ihr eigenes Prachtstück im Schnitt auf 18 Zentimeter, australische Frauen wollen es dagegen nur mit schlappen 14 Zentimetern zutun gehabt haben.

Wenn man nun davon ausgeht, dass die weibliche Schätzung der Realität näher kommt als die männliche, dann überschätzen Australier die Größe ihres erigierten Penis um ganze 17,5 Prozent. Gründe dafür sind mit Sicherheit in den geografischen Gegebenheiten Australiens zu suchen. Als Flächenland mit beeindruckender Biodiversität sind es australische Männer schon seit jeher gewohnt, bei der Nahrungsbeschaffung weite Strecken zurück zu legen und es dabei mit allerhand potentiell tödlichen Gefahren aufnehmen zu müssen: Alligatoren, boxenden Kängurus, tödlichen Riesenspinnen, Schlangen, Skorpionen. Hat sich der Australier also tagelang durch's Outback gekämpft, um die Familie daheim mit dem Nötigsten zu versorgen, gehört die dramatische Schilderung seiner Kämpfe mit gigantischen und gefährlichen Wildtieren zur Familienfolklore. Und natürlich sind die Tiere in diesen Erzählungen immer ein bisschen größer und gefährlicher als in Wirklichkeit. Selbst in urbanen Gegenden würde »Sorry, Schatz, hat länger gedauert, ich wollte nach dem Einkaufen nur noch schnell ein, zwei Wellen reiten und plötzlich kam dieser riesige Hai auf mich zu, mit dem ich eine halbe Stunde um mein Leben kämpfen musste« als einigermaßen plausible Entschuldigung durchgehen. Australische Frauen dagegen sind schon seit Jahrhunderten daran gewöhnt, den leicht überdramatisierten Schilderungen der Männer mit wohlwollender Gleichmütigkeit zu begegnen und innerlich automatisch ein bisschen was von Größe und Gefährlichkeit abzuziehen.

Australien – ein Land, das es gewohnt ist, mit gefühlter Größe und Differenzen zwischen Wunsch und Realität zurechtzukommen. Kein Wunder, dass ausgerechnet hier eines der weltweit erfolgreichen Trash-TV-Formate gedreht wird, in dem sich Menschen »Stars« nennen dürfen, die maximal D-Prominente am Ende der TV-Verwertungskette sind und sich für den Preis eines völlig nutzlosen Adelstitels (»Dschungelkönig«) auf jede nur erdenkliche Art und Weise erniedrigen und verlachen lassen.
Alena Schröder

ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie gelobt, keine »arm, aber sexy«-Kalauer in dieser Kolumne unterzubringen, die sie im Wechsel mit Till Raether schreibt.

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