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aus Heft 14/2017 Design & Wohnen

Den Blick schweifen lassen

Redaktion: Thomas Bärnthaler 

Auch Kreative schauen oft aus dem Fenster, wenn ihnen gerade nichts einfällt. Uns haben sie gezeigt, was sie dabei sehen.



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Aldo Bakker


gilt als einer der innovativsten Designer der Niederlande. Seine oft fremdartig wirkenden Entwürfe sind in diversen Museen gezeigt worden.

»Schaue ich aus meinem Arbeitszimmer nach Süden, dann sehe ich Uilenburg, ein altes Amsterdamer Viertel und ehemaliges jüdisches Ghetto. Der Blick geht weit, was ungewöhnlich ist für Amsterdam. Wenn die Sonne auf die vor unserem Haus verlaufende Uilenburgergracht scheint, wirft das Wasser ein funkelndes Lichtspiel an unsere Decke.«

Stefan Diez


gilt als einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Designer Deutschlands. Er wohnt und arbeitet in der Münchner Geyerstraße.

»Vor 15 Jahren habe ich hier im Hinterhof, direkt am Westermühlbach, mein erstes Atelier eingerichtet. Heute teilen wir uns das Gelände mit Künstlern, Architekten, Grafikern und Musikern. Die Kinder spielen im Hof oder basteln in der Werkstatt zwischen den Modellen und Prototypen. Ich glaube, für meine Arbeit als Designer für Dinge des täglichen Gebrauchs kann ich mir keinen besseren Ort vorstellen.«

Ronan Bouroullec

betreibt mit seinem Bruder Erwan ein preisgekröntes Designstudio in Paris. Zu ihren Kunden zählen Hersteller wie Vitra, Magis und Artek.

»Das Bild zeigt die Terrasse meines Ferienhauses in der Bretagne. Dorthin ziehe ich mich zurück, um zu zeichnen und an neuen Ideen zu arbeiten – normalerweise einmal im Monat, im Sommer für vier Wochen. Im Hintergrund sieht man den Atlantik, wo ich surfen gehe, wenn es das Wetter erlaubt.«


 

Maurizio Cattelan

ist ein italienischer Künstler. Bekannt wurde er mit provokanten Skulpturen (knieender Hitler). Seit 2010 bringt er das Fotomagazin Toiletpaper heraus.

»Ich hatte nie ein eigenes Atelier, aber die Ausblicke aus den vielen Hotels, in denen ich war, waren immer inspirierend. Vor ein paar Tagen war ich in Frankreich. Die Franzosen sind bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Dieser Pool zeigt ohne Zweifel einen Phallus – einer dieser Fälle, in denen Haltung sich in Form ausdrückt. Anders gesagt: Form follows fun.«

Dante Goods and Bads

Aylin Langreuter und Christophe de la Fontaine führen in Neukirchen, Niederbayern, ein internationales Designlabel.

»Vor ein paar Jahren zogen wir aus Mailand in ein kleines mittelalterliches Schloss im Bayerischen Wald, das wir nach unseren Bedürfnissen restauriert haben. Der Blick aus unserem Arbeitszimmer zeigt sozusagen unseren Schlossgarten.«

Jean Jullien

Der Pariser Künstler wurde mit »Peace 4 Paris« bekannt: Das Friedenszeichen aus Kreis und Eiffelturm wurde zum Symbol Trauer nach den Pariser Anschlägen 2015.

»In den letzten Jahren bin ich oft umgezogen. Ich musste viel beruflich verreisen und habe diverse Auszeiten mit meiner Familie genommen. Die Ausblicke aus meinem Fenster ändern sich fortwährend, die Fensterformen auch. Für mich funktioniert das gut: Veränderungen und Überraschungen stimulieren mich.«



Lievore Altherr

Das Duo – der argentinische Architekt Alberto Lievore und die deutsche Designerin Jeannette Altherr – entwirft Möbel für Hersteller wie Arper, Poltrona Frau und Foscarini.

»Von unserem Fenster aus sehen wir auf unseren Dachgarten – und von ihm aus auf das gotische Viertel Barcelonas. Wir kultivieren ihn schon seit dreißig Jahren, wohlwissend, dass es ein Privileg ist, Licht, Weite und das gute Leben zu spüren, während unten die heiße, laute, überfüllte Stadt brummt.«

Jasper Morrison

Der Londoner Industriedesigner entwirft puristische Elektrogeräte, Möbel, Geschirr und Bushaltestellen. Seine Trambahn für die Stadt Hannover wurde mit dem IF Transportation Design Prize ausgezeichnet.

»Dieses Oberlicht befindet sich an einer Stelle unseres Studios, wo ein großes Bücherregal steht, ein Holzofen und ein Tischchen. Hier sitze ich, schaue nach oben und freue mich jedes Mal über die schöne alte Ziegelfassade des benachbarten ehemaligen Industriegebäudes.«



Hans Ulrich Obrist

ist künstlerischer Leiter der Londoner Serpentine Gallery und laut dem Kunstmagazin Art Review der derzeit einflussreichste Mensch der Kunstwelt.

»Wenn ich aus dem Arbeitszimmer meiner Wohnung in Kensington blicke, sehe ich auf einen kleinen kommunalen Garten, wie es sie im Stadtbild von London viele gibt. Hier am Fenster sitze ich morgens, bevor ich in mein Büro in der Serpentine Gallery gehe, und arbeite an meinen Büchern und anderen Publikationen. Die von mir bewunderte Schriftstellerin Etel Adnan sagte mir mal: Ein Tag, an dem man keinen Baum sieht, ist ein verlorener Tag.«



Muller Van Severen

Fien Muller und Hannes Van Severen zählen mit ihren minimalistischen Möbeln zu Belgiens erfolgreichsten Designern.

»Wir sind eben erst in unser neues Atelier in der Nähe von Gent eingezogen. Friedlich, offen, hell – ein Raum, der einen aufatmen lässt. Und der Geborgenheit vermittelt, denn der Blick aus dem Fenster zeigt unseren Garten und unsere Wohnung gegenüber.«



Humberto und Fernando Campana

Die Brüder zählen zu den herausragenden Designern Brasiliens, berühmt für ihre surreal anmutenden Möbel und ihre soziale Agenda. Das Bild oben zeigt Humberto Campana.

»Das ist der Blick vom 2009 gegründeten Campana-Institut auf die Hochhäuser und Straßenschluchten von Higienópolis, jenem Viertel von São Paulo, dessen kultureller Strahlkraft wir so viel zu verdanken haben. Das Institut, das sich der Stadtentwicklung und sozialen Projekten verschrieben hat, ist unser Versuch, etwas zurückzugeben.«

Konstantin Grcic


ist Deutschlands wichtigster Designer. Seine Entwürfe für Stühle, Lampen und Tische finden sich in internationalen Museen. Er lebt in München und Berlin.

»Von meinem Schreibtisch aus blicke ich in den Himmel über Berlin. Rechts hinten ist die Spitze des Fernsehturms zu sehen. Sie zeigt mir an, wo Mitte ist, oder besser, wie weit ich davon entfernt bin. Zum Glück. Von meinem Büro aus erlebe ich Berlin als ruhige, unaufgeregte Oase. Und dann ist da noch Oscar Niemeyers wunderschönes Wohnhaus aus dem Jahr 1957, auf das ich blicke. Im morgendlichen Gegenlicht auf diesem Foto wirkt es etwas grau, aber im Abendlicht fängt es an zu leuchten.«

Matteo Thun

Der italienische Designer und Architekt mit Sitz in Mailand entwirft Produkte wie Möbel, Uhren und Gläser. Zudem hat er sich als Innenarchitekt von Hotels und Clubs (etwa das »P 1«) einen Namen gemacht.

»Bei der Morgengymnastik – Pilates – ist der Campanile von San Marco mein Begleiter, am Abend bei einem Glas Wein sind es die Guglie del Duomo, die Statuen und Türmchen des Mailänder Doms.«

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