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InstaKram 16. April 2017

Harry Potter und der Retweet des Todes

Von Marc Baumann  Foto: Reuters

J.K. Rowling kann nicht nur weltberühmte Romane schreiben, sondern auch richtig gute Tweets. Ihre besten Reaktionen auf Trolle, Kritiker und das politische Weltgeschehen.

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10,2 Millionen Follower hat die Bestsellerautorin J.K. Rowling inzwischen auf Twitter, mehr als 7500 Tweets hat sie verfasst. Twitter ist für Rowling (neben ein bisschen Eigenwerbung für Bücher, Filme oder Theaterstücke) vor allem ein Boxring, in dem sie ihre liberalen Ansichten zur Schau stellt und dann in den Nahkampf übergeht. »Du hast Feinde? Gut, dass bedeutet, dass du in deinem Leben für Dinge eingestanden bist«, zitiert sie auf Twitter einmal Winston Churchill. Hier ein kleiner Auszug aus Rowlings Twitter-Kämpfen für das Gute.
Wer bekommt es hier ab? US-Präsident Donald Trump, der sich weigert, Angela Merkel die Hand zu geben.
Was schreibt Rowling? Dass sich Trump wie ein verzogener Fünfjähriger benimmt. Kürzer und präziser kann man ihn wohl nicht charakterisieren. 
Wer bekommt es hier ab? Rowling macht den Verfasser des Tweets netterweise (für ihn) unkenntlich, aber man darf vermuten, dass er oder sie etwas gefrustet vom Leben ist und darum Rowling sehr untergürtelinig beleidigt. 
Was schreibt Rowling? »Ich glaube, er ist verliebt in mich«. Oder wie der Amerikaner sagt: Kill em with kindness.
Wer bekommt es hier ab? Ein wütender Trump-Fan, der aus Wut über J.K. Rowlings Kritik an Trump all seine Harry-Potter-Bücher und -DVDs verbrennen will.
Was schreibt Rowling? Sie bietet ihm ein Feuerzeug an, gibt aber zu bedenken, dass der Dampf brennender DVDs giftig sein könnte - und sie trotzdem sein Geld auf dem Konto hat. Vermutlich hat der Trump-Fan nach diesem Tweet sein Handy aus Wut auch gleich noch in die Flammen geworfen.
Wer bekommt es hier ab? US-Vize-Präsident Mike Pence.
Was schreibt Rowling? Sie verweist auf einen Tweet von Pence aus dem Jahr 2015, in dem sich Pence damals noch gegen einen generellen Einreisestopp für Muslime aussprach. Weil Pence 2017 unter Trump plötzlich für den Einreisebann ist, zitiert Rowling (für den bibeltreuen Pence) einen Bibelvers: »Was hat ein Mann davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber seine Seele verkauft.« 
Wer bekommt es hier ab? Der US-Moderator Chuck Woolery (moderierte dort einst das Glücksrad).
Was schreibt Rowling? Woolery beschwert sich darüber, dass Frauen so genannte Pussy Hats tragen dürfen (Pussy im Sinne von Vagina, als Protest gegen Donald Trumps »Grab her by the pussy«-Zitat). Umgekehrt aber würden Frauen, glaubt Woolery, sofort protestieren, wenn Männer Penis Hats tragen würden. Dass es eher unwahrscheinlich ist, dass Hillary Clinton noch mal US-Präsidentin wird und sie dann wohl kaum sagen würde, dass man als reiche Frau Männer begrabschen dürfe (»Grab him by the dick«), übersieht Woolery. Rowling entgegnet ihm, dass er seinen Penis-Hut doch gerne mit Stolz tragen solle. 

Wer bekommt es hier ab? Der TV-Mogul Rupert Murdoch, der nach dem Angriff auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo auf Twitter schrieb, dass auch friedliebende Muslime die Konsequenzen dafür tragen müssten.
Was schreibt Rowling? Wenn umgekehrt auch alle Christen verantwortlich wären für die Taten einzelner Christen, dann würde sie sich nach diesem Tweet des Christen Murdoch freiwillig und auf der Stelle selber exkommunizieren.
Wer bekommt es hier ab? Roger Stone, der Trump während dessen Präsidentschaftswahlkampf beraten hat. Stone beschimpft eine Frau, die ihn sachlich in einem Tweet kritisiert hat, als »stupid ignorant ugly bitch«.
Was schreibt Rowling? »Dieser Mann ist ein Berater des Anführers der freien Welt. Dieser Mann hier.«
 
Wer bekommt es hier ab? Ein Twitter-Nutzer, der durch frauenfeindliche Tweets auffällt.
Was schreibt Rowling? Sie weist ihn freundlich daraufhin, dass man im Internet nicht nur ungestraft Frauen beleidigen und bedrohen dürfe, sondern es auch ein guter Platz wäre, um diskret Mittel zur Penisvergrößerung zu kaufen – die er offensichtlich nötig habe. 

Wer bekommt es hier ab? Ein besorgter Christ, der tweetet, dass einer der Charaktere aus den Harry-Potter-Büchern im Alter von 666 Jahren sterbe – und die Zahl 666 gelte ja als Zahl des Antichristen.
Was schreibt Rowling? Dass Flamel in den Potter-Büchern nicht sterbe. Und es doch so viel einfacher sei, sie anzugreifen, wenn man zumindest die Bücher vorher gelesen habe.
Wer bekommt es hier ab? Katrina Pierson, Teil des Trump-Teams, die in einem Tweet schreibt, dass Barack Obamas Vater in Kenia geboren sei und Mitt Romneys Vater in Mexiko – und dann fragt, ob es keine »pure breeds« (rein Geborenen) mehr gäbe?
Was schreibt Rowling? »Die Todesesser sind unter uns.« In Rowlings Harry-Potter-Saga kämpfen die Bösen, Todesesser genannt, immer gegen die angeblich unreinen Zauberer, die aus Ehen von Zauberern mit normalen Menschen stammen. Der Anführer der dunklen Zauberer heißt übrigens Lord Voldtrump.. äh, Voldemort.




Wer bekommt es hier ab? J.K. Rowling selber.
Was schreibt Rowling? Am Tag der US-Wahl wünscht sich Rowling einen guten Wahlausgang. Ein Trump-Anhänger antwortet ihr daraufhin, sie sei eine »pasty« Schlampe und solle das Maul halten. »Pasty« kann im Englischen sowohl als »bleich« als auch »dicklich« gedeutet werden. Rowling schreibt daraufhin sehr charmant selbstironisch: »Ok, zugegeben, ich bin pasty. Werde aber trotzdem nicht meinen Mund halten.«  
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