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Vorgeknöpft: die Modekolumne 27. Juli 2017

Grandmother Flash

Von Maria Hunstig  Foto: Gettyimages / Patrick van Katwijk

Ein Bild für die Wettergötter: Königin Margrethe von Dänemark macht einen Fototermin ihrer Königsfamilie zur Familien-Aufstellung – und einen Regenmantel zum Symbol für Kreativität und Eigensinn. Wir ziehen den Regenhut!

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Zum Fototermin am Gravensteiner Schloss erschien Königin Margrethe von Dänemark vor kurzem als buntbemalte Allwetter-Postbotin. Daneben, mit ausreichend Sicherheitsabstand, der jüngere Teil der Königsfamilie um Kronprinz Frederik: einheitlich in graublauer Steppjacken-Langweileruniform und mit Gesichtern, die zu sagen schienen: »Wir wissen auch nicht, was die alte Frau sich dabei gedacht hat.«

Dabei ist die Königin offenkundig die einzige, die hier eigenen Stil beweist. Was aussieht wie eine beschichtete Tischdecke – war ursprünglich auch als solche gedacht! Margrethe kaufte den geblümten Wachstoff schon 1995 im Londoner Kaufhaus Peter Jones und ließ sich daraus vom damaligen royalen Haus- und Hof-Couturier Jørgen Bender den exzentrischen Regenmantel schneidern. Seitdem tauchen er und der dazugehörige postgelbe Paddington-Hut immer wieder in der Garderobe der Königin auf, anlässlich ihres 75. Geburtstags schafften sie es sogar ins Museum.

Die Königin war damit nicht nur dem DIY-Trend und der Tendenz, Mode zu personalisieren, weit voraus, sie ist auch heute noch kreativ und künstlerisch tätig. So malt sie Landschaftsbilder, illustriert Bücher und entwirft Theaterkostüme – und sicherlich auch einen Großteil ihrer charakteristischen bunten Garderobe mit. Die ist – anders als der berühmte minimalistische Stil ihrer Landsmänner – nämlich so gar nicht skandinavisch. Margrethe trägt gern knallige Farben, opulente Roben mit aufwändigen Verzierungen sowie teils aberwitzige Kopfbedeckungen und Accessoires.

Der Nachwuchs tut sich hingegen schwer mit so viel Stil und Modemut. Ob sie unter der allgemeinen royalen Schwäche für überteuerte, leichte Daunenjacken leiden? (Wir haben diese hier schon einmal dokumentiert) Oder bringt sie nur der Regen aus dem Konzept, weil eigentlich Blümchenkleid und offenes Hemd eingeplant waren?
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Das stilvolle Tragen von Regenbekleidung hat schon viele ins Straucheln gebracht. Zuletzt kämpfte George W. Bush Anfang des Jahres mit den Tücken eines transparenten Regenponchos bei der Vereidigung Donald Trumps. Andererseits sind, seit #Festivalstyle ein alljährlich wiederkehrender Sommertrend ist, gummierte Regenparkas zu wahren Trendteilen geworden. Es gibt Modelle in allen Farben des Regenbogens, besonders angesagt sind pastellfarbene, transparente oder Lack-Versionen; der schwedische Hersteller Stutterheim bietet sogar eine Design-Ausführung in Kooperation mit dem italienischen Modehaus Marni an.

Der Tenor: Wenn schon graues Wetter, dann doch wenigstens ein leuchtendes Äußeres. Lang lebe die Königin.

Wird getragen von:
Paddington, dem Bär
Passender Rap-Name zum Outfit:
Grandmother Flash
Der Song dazu:
Meine Oma fährt im Regenfall Motorrad
Nicht verwechseln mit:
Tischdecke für den Terrassentisch

 

Maria Hunstig

ist Redakteurin beim Modefachmagazin Sportswear International. Sie hat schon Leute in Würde eine Warnweste tragen sehen und ist deshalb überzeugt, dass Stil vor allem eine Frage der Haltung und des Kontexts ist. Diesem geht sie regelmäßig in dieser Kolumne auf den Grund.

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