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#7Tage7Songs 19. November 2017

»Zwischen Paranoia, Politik und Gottkomplex«

Selbst der Rapper Casper hatte mal eine Zeit, in der er mit Hip Hop gar nichts mehr anfangen konnte. Stattdessen wandte er sich einer völlig anderen Musikrichtung zu. Hier kommen die sieben Songs seines Lebens.

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#1 »No Halo« von Sorority Noise
Das ist der Opener zu dem überragenden Album »You're Not As ___ As You Think«
aus diesem Frühjahr. Als ich »No Halo« zum ersten Mal gehört habe, wusste ich sofort, dass das für mich der Song des Jahres ist. Er beginnt so:
 
This last week, I slept eight hours total, I barely sleep
Maybe that's why I've been weak


Dieser Einstieg in ein Album, das vom Erwachsenwerden und von Freundschaft,
aber auch von Depression und Tod handelt, hat mich direkt gefesselt und unglaublich berührt. Gleichzeitig klingt es nicht melancholisch, sondern spielt mit Reminiszenzen an 90er-Jahre College, Post Emo und Garage Rock:

So I didn't show up to your funeral
But I showed up to your house
And I didn't move a muscle
I was quiet as a mouse


Da soll nochmal einer sagen, dass ein Haus-Maus-Reim platt ist!




#2 »We Are« von American Nightmare

Im Spätherbst 2001 war ich gerade zum Studieren nach Bielefeld gezogen, es war arschkalt, die Stadt war grau und ich zum ersten Mal komplett auf mich alleine gestellt. Irgendwo zwischen Studieren, tagsüber im Plattenladen arbeiten, nachts an der Bar stehen und dazwischen noch Schichten im Skateshop schieben, hatte sich Rap in eine Richtung entwickelt, die mir überhaupt nichts mehr gab. Ich war sehr trotzig aus dem Nest geflohen und hatte in meinem neuen Zimmer nur eine Matratze auf dem Boden, einen Schreibtisch und einen Fernseher. Da fiel mir das Album »Background Music« von American Nightmare in die Hände und eröffnete nicht nur musikalisch eine neue Welt für mich, sondern machte auch den Sänger Wesley Eisold zu meinem Helden. Die Musik ging vorwärts, seine Stimme war hart und dennoch brüchig, der Klang eine Wand, aber textlich war dennoch alles sehr verletzlich und ehrlich. Mein absolutes Lieblingsalbum.
 



#3 »Where Was Heaven« von Wu Syndicate
Mein Alltime-Favorite-Rapsong ist witzigerweise von einer der wahrscheinlich vergessensten und egalsten Gruppen aller Zeiten. Im Nachhall der großen Wu-Tang-Clan-Ära gab es irrsinnig viele Splittergruppen des Rap-Clans, bei denen man als Außenstehender nicht mehr wusste, wer wirklich dazugehörte und wer nicht. Damals lief die Sendung »Supreme« jeden Abend auf VIVA Zwei, in der eine Stunde lang Interviews und Videoclips aus der Hip-Hop-Szene liefen (wer die Sondersendung mit Taktloss nicht kennt, sollte das J E T Z T nachholen). Irgendwann wurde dort auch »Where Was Heaven« gespielt. Das Lied hat mich direkt abgeholt. Das restliche Album ist nicht wirklich gut und die Gruppe hat auch sonst nichts gerissen, aber »Where Was Heaven« wird auf meiner Top-Rap-Songs-Liste für immer die Nummer Eins sein.


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#4 »Fourth Of July« von Sufjan Stevens
Als Sufjan Stevens auf der Bildfläche erschien und nach und nach Alben über Bundestaaten,, Weihnachtsplatten und allerlei Gimmicks anhäufte, war das null meins. Aber als 2015 sein Magnus Opus »Carrie & Lowell« erschien, haute mich das um. Es ist ein sehr persönliches Album über Stevens Kindheit mit einer bipolaren, drogensüchtigen und mittlerweile verstorbenen Mutter und einem sehr nahen Stiefvater. Ich habe in den letzten Jahren wahrscheinlich kein Lied so oft gehört wie »Fourth of July«.




#5 »Black Skinhead« von Kanye West
Das »Yeezus«-Album ist Kanye West in seiner pursten Form – ungefiltert, progressiv und genial. Wahrscheinlich ist es auch die streitbarste Platte in seinem Gesamtwerk, aber für mich ist es die stärkste. Die Songs pendeln immer irgendwo zwischen Paranoia, Politik und Gottkomplex. Es ist ein so großmäuliges wie zartes Album. Ich war zufällig mit Freunden in New York als ein Date der »Yeezus«-Tour im Madison Square Garden nachgeholt wurde und – wie der Zufall so wollte – gab es für diese Show noch exakt vier Karten. Also klar, dass wir alle hin sind. Es war nicht mehr und nicht weniger als das »Thriller«, das »Dark Side Of The Moon«, das »Jesus Christ Superstar« unserer Zeit. I am a fan of Kanye West.




#6 »Mother North« von Satyricon
1996 oder 1997, mit 14 oder 15 Jahren, hatte ich einmal sturmfrei und konnte unten im Wohnzimmer so lange fernsehen, wie ich wollte. Weil ich noch kein eigenes Gerät im Zimmer hatte, war das ein Ereignis. Zu der Zeit sendete MTV nachts die Clips unzensiert und manchmal auch diejenigen, die tagsüber nicht ins Programm passten. An dem Abend, an dem ich sturmfrei hatte, lief auch »Mother North«. Ich hatte davor nur hier und da von Black Metal gelesen, dieser Musik, die den Teufel verehrt. Aber als ich »Mother North« hörte, hatte ich direkt eine wahnsinnige Faszination für das Blastbeat-Schlagzeug, die Corpse Paint und natürlich für den Reiz des Verbotenen. Seitdem begleitet mich Black Metal durchs Leben.




#7 »Ooh Child« von The Five Stairsteps

Das ist das beste Lied aller Zeiten. War es schon immer.



Casper tourt noch bis zum Frühjahr 2018 mit seinem neuen Album »Lang lebe der Tod« durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.