Anzeige

SZ-Diskothek

Das Musikblog von Johannes Waechter

SZ-Diskothek  5 Kommentare

Eminem: Ich bin Detroit

In seinem neuen Video unterlegt Eminem einen Text über eine seiner zahlreichen Seelenkrisen mit Bildern seiner Heimatstadt Detroit. Das überraschende Resultat: Der Rap-Superstar erscheint auf einmal als Mensch gewordene Verkörperung der verfallenden Auto-Metropole.

Von Johannes Waechter

“I don’t live too far from where I grew up”, erzählt Eminem, und in der Tat scheint die Beziehung zwischen dem Rapper und seiner Heimatstadt Detroit eine spezielle zu sein. Im Video zu seiner neuen Single “Beautiful”, die morgen erscheint, sind einige in Detroit bekannte Gebäude zu sehen: der Hauptbahnhof, die alte Packard-Autofabrik, das Tiger Stadium, das praktischerweise pünktlich zum Dreh abgerissen wurde.

Anzeige

“Tiger Stadium is being torn down, and the train station is supposed to be demolished too.  This video is one of the last times anybody outside of Detroit is going to see them,” hat Eminem bei RapRadar gesagt. “I wrote ‘Beautiful’ when I was really down, during a difficult time struggling with my addiction. It’s a reminder to keep your head up, and to see who you really are despite what you may be going through. Now that I’ve gotten through the toughest part, I see how the song relates to Detroit, and it feels even more powerful to me.”

Dieses Zitat und auch das Video selbst (siehe unten) legen den Gedanken nahe, dass Eminem sich auf nahezu mystische Weise mit seiner Heimatstadt identifiziert. Ich bin Detroit, scheint er uns zu sagen, so wie ich mich aus den Tiefen der Drogensucht wieder nach oben gekämpft habe, so wird auch Detroit sein Image als sterbende Stadt abstreifen und irgendwann wieder “Beautiful” sein.

Aber wehe dem, der es wagt, Stadt (oder Rapper) zu kritisieren. “Don’t let them say you ain’t beautiful”, heißt es im Refrain des Liedes. An anderer Stelle hat Eminem sich bereits über das schlechte Image der Stadt geärgert, verbreitet von übelmeinenden Medien, die vergäßen, dass “real people” in Detroit wohnten.

Diese Analyse mag nicht besonders schlau sein, aber wahrscheinlich ist es sowieso falsch, von Eminem einen überraschenden Gedanken zu Autokrise, GM-Pleite oder dem vergammelten Bahnhof im Zentrum der Stadt zu erwarten. Seine Bestürzung über den Zustand der Stadt scheint jedoch echt zu sein; und so ist es ein bisschen wie bei einem mittelalterlichen Heiligen, der plötzlich zu bluten beginnt, bloß weil einst der Heiland gemartert wurde: Wenn Detroit leidet, leidet Eminem mit.

Kommentare

  • Joseph

    er wird irgendwie ruiger in den neuen Interviews als früher. Aber seine Lyrics und die Musik haben noch den alten Flair. Ich hoffe sehr auf Relapse 2

  • Melanie Schneider

    der Kerl (Patrice, oder?) geht irgendwie garnicht richtig auf Eminem ein

  • Norbert Tritt

    ich mag die art, wie er redet, er erklärt die Dinge immer recht deutlich und versucht alles so darzulegen, wie er es gesehen hat. Ganz im Gegensatz zu manch anderen Künstlern, die nur den kantenlosen, vorgekauten Brei runterrattern

  • Spike

    Schönes Lied. Für mich das beste auf dem Album, leider geht das Video hier nicht

  • andy

    EminEm…is und bleibt der beste egal wer noch kommt he’s the number one wanker;-)