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Das Musikblog von Johannes Waechter

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Noisettes im Interview: “Sag das richtige, sonst hau ich dir eine rein”

Nicht zuletzt wegen des umwerfenden Styles von Sängerin Shingai Shoniwa sind die Noisettes eine der meistdiskutierten neuen Bands. Im Interview erzählen sie von ihrem aktuellen Album Wild Young Hearts und ihrer Musik auf der Schnittstelle zwischen Soul und Punk.

Von Johannes Waechter

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Wild Young Hearts, gerade bei Universal erschienen, ist das zweite Album der Noisettes – möglicherweise wird es ihnen den Durchbruch bringen. In England machen Sängerin Shingai Shoniwa, Drummer Jamie Morrison und Gitarrist Dan Smith jedenfalls gerade ziemlichen Wirbel, wobei der ungewöhnliche Style der aus Zimbabwe gebürtigen Shingai der Band einige zusätzliche Aufmerksamkeit eintragen dürfte. Aber auch die Musik ist gut: eine eingängige Mischung aus Soul, Brit-Pop und Punk. Ich traf die Noisettes in einem Münchner Café, und zur Begrüßung sangen sie mir dreistimmig “Mr. Sandman” vor. Leider lief da mein Tape noch nicht.

Auf eurem Album entdecke ich mehr Einflüsse als bei vielen anderen Gitarrenbands. “I’ll Never Forget You” beginnt zum Beispiel wie ein Soulsong.

Shingai: Soulmusik ist die Grundlage von dem, was wir tun. Zumindest von dem, was ich als Sängerin tue. Ich glaube, die meisten Sänger werden dir sagen, dass es beim Singen eigentlich nur um Soul geht.

Jamie: Im Soul ist viel Raum für die Texte, die Botschaft der Songs. Als wir mit unserer letzten Tour fertig waren, stand für uns fest, dass wir Shingai beim nächsten Album mehr Raum für das wichtigste in unserer Band geben müssen, nämlich ihren Gesang.

Dan: Es geht darum, das richtige Gleichgewicht zu finden. Bei “I’ll Never Forget You” hat das etwas gedauert, anfangs war der Song sehr gitarrenlastig, fast schon Ramones-artig. Wir haben ihn nach und nach souliger gemacht.

Shingai: Das liebe ich an unserer Band: Wir klingen nicht wie eine durchschnittliche britische Indie-Combo.

Wer will das schon?! Im Britpop geschieht doch seit Jahren nichts sonderlich kreatives mehr.

Shingai: Viele verlieben sich einfach in den Gedanken, eine Rockband zu sein, und folgen all den Regeln, die es zu geben scheint. Sie kopieren Bands, die es schon gibt.

Dan: Wir hingegen sind ruhelose Menschen. Wir wollen immer etwas neues erleben, ob beim Konzert oder im Studio.

Ich habe viel über eure Shows gelesen: Die sollen recht intensiv sein.

Jamie: Wir spielen seit fünf Jahren zusammen, da hat sich einiges entwickelt. Kürzlich haben wir in der Brixton Academy im Vorprogramm von Maximo Park gespielt – die haben wir weggeblasen! Trotz ihrer tausend Scheinwerfer und ihrer Riesen-PA.

Das kann ja jeder sagen.

Jamie: Bei unseren Gigs kann alles passieren. Es gab einen, da hat Shingai die ganze Menge dazu gebracht, sich hinzusetzen.

Dan: 500 Leute! Alle haben sich brav auf den Boden gesetzt. Und dann ist Shingai runtergegangen und hat von der Mitte des Raumes aus weitergesungen.

Jamie: Bei einem anderen Gig haben die Leute sie über ihren Köpfen durch die Halle getragen. Sie hat dabei die ganze Zeit Gitarre gespielt.

Live-Musik wird wieder wichtiger, sagt man.

Shingai: In unserer Generation gibt es wieder sehr viele Bands, die sich in erster Linie übers live spielen definieren.

Dan: Eine Platte hat heute nicht mehr denselben Stellenwert wie vor zehn Jahren. Früher war eine Platte ein kleines Kunstwerk, dass du irgendwo in deinem Haus hingestellt hast, heute ist das Album nur noch ein Haufen Daten auf deinem MP3-Player. Die Leute laden sich ihre Player mit irgendwelchem Zeug voll, aber wissen gar nicht, was das für Bands sind, die da spielen. Wenn du heutzutage eine Band wirklich kennenlernen willst, musst du zu einem Konzert gehen und sie dir anschauen.

Shingai, gibt es schon Mädchen, die Deinen Style kopieren?

Shingai: Was ich an unserer Band mag…

Jamie: Ja! Die Antwort ist: ja!

Dan: Sie ist zu bescheiden.

Jamie: Die Leute fragen mich: Kennst Du Shingai? Ja, sage ich, ich bin auch in der Band. Stehst Du dann jeden Abend mit ihr auf der Bühne? Ja, lässt sich nicht vermeiden.

Shingai: Mir wäre es am liebsten, wenn unsere Musik die Mädchen – und natürlich auch die Jungs – dazu ermutigen würde, sie selbst zu sein. Ich sehe manchmal Mädchen, die sich so viel Mühe geben, andere zu kopieren, dass sie wie Klone aussehen. Amy Winehouse zum Beispiel, deren Frisur wird ständig kopiert. Ich mag Leute wie Madonna, die ihren Stil dauernd ändern: Dann kann dich keiner mehr kopieren.

Welche Sängerinnen bewunderst Du?

Shingai: Nina Simone, Shirley Bassey, Billie Holiday, Miriam Makeba, Dinah Washington …

Dinah Washington finde ich auch ganz besonders toll. Wusstest Du, dass sie siebenmal verheiratet war?

Shingai: Dann muss ich mich ja ranhalten. Ich nehme ab sofort Anträge entgegen. Nein, viele der großen Sängerinnen haben öfter die Männer gewechselt. Sister Rosetta Tharpe war sogar eine Bigamistin. Sie war noch nicht geschieden, als sie die nächste Ehe schloss: in einem Baseball-Stadion..

Shingai, wie behandeln dich die beiden Typen in der Band? Dan: Sag das richtige, sonst hau ich dir eine rein.

Jamie: Und dann kommst du wieder in deine Kiste.

Shingai: Ich bin der Boss, aber die beiden geben das Kommando.

Kommentare

  • Frank

    Hallo Johannes Waechter,

    weil die Kommentarfunktion bei ´Who´s been talkin´ abgeschaltet ist, an dieser (unpassenden) Stelle:

    Heute wird der Boss 60 und nichts in diesem Blog, keine Songliste, nichts in der SZ…..??????? Das kann nicht wahr sein!!!
    Befindet sich ganz München im Oktoberfestrausch?

  • Johannes Waechter

    @ Frank
    Eine berechtigte Kritik. Habe es leider zeitlich nicht geschafft, auf den Geburtstag einzugehen. Dasselbe gilt leider für den 75. Geburtstag Leonard Cohens. Weniger schlimm finde ich es hingegen, den 75. von Udo Jürgens links liegen gelassen zu haben.