Louie And The Lovers: Wiedergeburt einer Kultband
Louie And The Lovers waren vier Latino-Teenager, die 1970 ein erstaunliches Album aufnahmen. Da sich die Platte damals kaum verkaufte, ist sie inzwischen eine Rarität. Nun wird Rise wiederveröffentlicht (mit jeder Menge Bonusmaterial) – und beweist, dass der Blitz der Inspiration manchmal an den unwahrscheinlichsten Orten einschlägt.
Von Johannes Waechter
Trotz eines Faibles für Geheimtipps und vergessene Helden hatte ich bis vor kurzem noch nie von Louie And The Lovers gehört. Doch seit zwei Wochen läuft ihre CD The Complete Recordings (Bear Family) bei mir rauf und runter und sticht alles aus, was sonst noch so erscheint (inklusive Beatles, Jay-Z und Whitney Houston). Obwohl ihre Musik aus bekannten Bausteinen zusammengesetzt ist, entwickelt sie in ihrem beschwingten Fluss eine Sogwirkung, die mir lange nicht mehr begegnet ist. Wer also sind Louie And The Lovers?
Hier ihre Geschichte in Kurzform: Louie And The Lovers waren eine mexikanisch-amerikanische Band, die 1970 bei Epic das Album Rise veröffentlichten; ihr Produzent war damals der legendäre Tex-Mex-Rocker Doug Sahm. Ein zweites Album wurde aufgenommen, doch obwohl Größen wie Flaco Jimenez und Dr. John an den Sessions beteiligt waren, erschien es nie. Die Band löste sich auf und nur der Leader Louie Ortega machte weiter Musik. In den Achtzigern und Neunzigern tourte er zum Beispiel als Gitarrist mit den Texas Tornadoes, der Supergruppe aus Doug Sahm, Flaco Jimenez, Freddy Fender und Augie Meyers.
Die Bear-Family-CD enthält nun nicht nur die Rise-LP, sondern auch das bisher unveröffentlichte, zweite Album sowie diverse Extratracks; 27 Titel sind auf The Complete Recordings erhalten. Die exzellenten Liner Notes stammen vom schwedischen Musikjournalisten Lennart Persson, der leider Mitte des Jahres verstorben ist. Sein Text ist die Abschiedsbotschaft eines großen Musikliebhabers.
Wie hören sich Louie And The Lovers an? Besser als Persson kann ich es auch nicht sagen: “Rise is a completely unencumbered, simple, matter-of-fact mixture of Ritchie Valens’ sexy Chicano swing, traditional Mexican music, and artless American rock’n'roll by way of Creedence Clearwater Revival. The fact that no one in the band was over twenty at the time of recording lends an air of innocence and freshness to the album that is totally disarming.”
Gerne würde ich jetzt auf ein Youtube-Video verlinken, aber Louie And The Lovers sind so obskur, dass dort noch niemand ihre Musik hochgeladen hat. Immerhin kann man bei The Rising Storm den tollen Song “I Know You Know” anhören, der einen guten Eindruck von den Qualitäten der Band liefert, von ihrem starken Songwriting, den tollen Harmonien, dem klingelnden Gitarrenspiel und der jugendlichen Frische, die Persson zurecht hervorhebt. Die Errungenschaften von Rise werden noch erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Band das Album in einer einzigen, 18-stündigen Marathonsession aufgenommen hat. Damals wusste man, wie’s geht…
Die Leuchte
Das Modul-Regal
Der Eimer
Der Stapelhocker
20 Jahre
Sagen Sie
Perfekter Plan
CUS



Kommentare