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Das Musikblog von Johannes Waechter

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Hank Williams – der Größte aller Zeiten?

Vor einem Jahr kam eine Box mit unveröffentlichten Aufnahmen von Hank Williams heraus, die den legendären, 1953 verstorbenen Countrysänger in einem neuen Licht erstrahlen ließen. Nun erscheint mehr Material aus derselben Quelle, wieder in Form einer Drei-CD-Box, und endgültig scheint klar zu sein: Hank Williams' Klasse bleibt unerreicht.

Von Johannes Waechter

Im Journalismus wirft man gerne mit Superlativen um sich, da bin ich selbst keine Ausnahme, aber wenn die New York Times schreibt, eine Platte sei “truly one of the best records ever”, dann merkt selbst der hartgesottene Zeitungszyniker auf. Dieses Lob erteilte das Blatt vor einem Jahr den Unreleased Recordings von Hank Williams, einer Drei-CD-Box des legendären Countrysängers. Nun ist weiteres, bisher unveröffentlichtes Material aus derselben Quelle erschienen, und es wird Zeit, erneut die Superlative hervorzuholen: Auch die neue Box namens Revealed – The Unreleased Recordings ist von kaum zu fassender Großartigkeit.

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Was ist die Geschichte hinter diesen Aufnahmen? 1951 war Hank Williams beim Radiosender WSN in Nashville unter Vertrag für eine fünfzehnminütige Morgensendung; Sponsor war die Mehlmarke Mother’s Best. Da er jedoch viel unterwegs war, wurden viele Shows vorproduziert, um später gesendet zu werden. Erstaunlicherweise haben 72 dieser Shows überlebt. Nach Jahrzehnten im Senderarchiv kamen Ende der Achtziger die Original-Azetatplatten zum Vorschein, nach einem ausgedehnten Rechsstreit konnten die Shows schließlich restauriert und wiederveröffentlicht werden.

hank-williams-revealedZwei Besonderheiten machen diese Funde so außergewöhnlich. Zum einen ist es die Soundqualität, die stellenweise besser ist als auf Williams’ regulären Aufnahmen. Sein Gesang hat hier eine Klarheit und Intensität, die früher nur erahnt werden konnte. Dass es über 50 Jahre nach Hank Williams’ Tod möglich ist, ihn noch einmal neu zu hören, grenzt schon ans Wundersame.

Die zweite Erkenntnis betrifft sein Repertoire. Hank Williams hat fast alle seine Hits selbst geschrieben und den einflussreichsten Songkatalog in der Geschichte der Countrymusik hinterlassen – da liegt der Gedanke nahe, dass er stets nur eigene Songs gesungen hat. Die Mother’s-Best-Shows zeigen nun, wie breit sein Repertoire war, welche Einflüsse ihn definierten. Das trägt viel zum Verständnis dieses außergewöhnlichen Musikers bei.

So ist eine CD der neuen Box den Gospelsongs gewidmet. Williams singt hier einige Kirchenlieder aus dem 18. und 19. Jahrhundert, aber auch modernere Stücke, in denen bereits der Einfluss schwarzer Spirituals zu spüren ist. Obwohl seine allererste Plattenaufnahme ein Gospelsong war, trat dieser Teil seines Repertories später in den Hintergrund; auf der neuen CD wird nun klar, wie sehr sein gesamtes Werk vom Gospel geprägt ist.

Jede der drei CDs enthält neben elf bis zwölf Songs auch eine komplette Radioshow – inklusive Ansagen, Geplauder und Werbesprüchen für Mother’s-Best-Mehl. Diese Shows nun mit 58 Jahren Verzögerung zu hören ist ausgesprochen erhellend und bewegend, auch weil Williams gelegentlich Persönliches preisgibt. “Let me get up out of this chair and get up here to the mike. Maybe my back will stand it for a minute”, sagt er vor dem Song “The Beautiful Home”. Hank Williams litt zeitlebens an einem Rückenleiden, und sein Alkoholismus ist auch aus permanenten körperlichen Schmerzen zu erklären. So enthält diese kurze Ansage bereits eine Ahnung von Hank Williams’ Tragik und Tod.

72 Radioshows sind wiedergefunden worden, das sind insgesamt 18 Stunden Material. Sechs CDs sind bisher erschienen. Ich hoffe, es werden noch einige mehr.

Die Drei-CD-Box “Revealed – The Unreleased Recordings” ist bei TimeLife erschienen.

Kommentare

  • Hinternet-Blog – Presseschau 20. November 2009 –

    [...] Aus Anlass der Veröffentlichung seiner “Unreleased Recordings” fragt das Süddeutsche Blog: ?Hank Williams – der Größte aller Zeiten? [...]

  • Manfred A. Reinhardt

    Hello to all Hankin’ buddies in good ol’ Germany,
    leider hat anscheinend niemand von Euch daran gedacht, dass ol’ Hank vom 14. bis 26. November 1949, also genau vor 60 Jahren, mit der Grand Ol’ Opry auf Tournée in Deutschland war. Ich habe für ein in den USA erschienenes Buch die Reise recherchiert und zusammen mit dem Hank-Experten Brian Turpen aus Indiana eine schöne Geschichte verfasst (mit vielen Fotos, die bisher noch niemand kannte). Wenn Ihr mehr darüber wisssen möchtet, schickt mir einfach ‘ne E-Mail an: reinhardt57@aol.com.
    So long friends and keep Hankin’