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SZ-Diskothek

Das Musikblog von Johannes Waechter

SZ-Diskothek  2 Kommentare

Snoop Dogg, der Meister der Selbstvermarktung

Pornovideos hat er schon gemacht, Platten, Hot Dogs, Skateboards und einen Grill verkauft. Pünktlich zum Erscheinen seines neuen Albums Malice N Wonderland enthüllte Snoop Dogg nun eine neue Geschäftsidee: Bald wird er als Stimme eines Navigationsgeräts zu hören sein.

Von Johannes Waechter

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Bei Bob Dylan war es noch eine Ente, bei Snoop Dogg stimmt es. Der Rapstar hat sich, wie letzte Woche bekannt wurde, von Tom Tom als “Celebrity Voice” verpflichten lassen und wird in Zukunft die Autofahrer als Navi-Stimme über die Straßen dieser Welt geleiten: “Thanks for the ride man, I had the time of my life”, sagt er am Ende der Demo-Version. Bisher bin ich auch mit Landkarte und Stadtplan stets ans Ziel gekommen, aber Snoop als Beifahrer dabei zu haben, wäre selbst für mich ein Grund, ein Navi zu kaufen; zumindest wenn unter den Satzbausteinen des Programms diese unsterblichen Worte sind: “Rollin’ down the street, smokin’ Indo, sippin’ on gin and juice.”

Seit Jahren beobachte ich Snoops Talent zur Selbstvermarktung mit einer Mischung aus Verwunderung und Respekt. Manche mögen ihm Ausverkauf vorwerfen, andererseits hat Snoop als einer der ersten erkannt, dass schwindende Plattenverkäufe den Star von heute vor die Herausforderung stellen, neue Erlösmodelle zu erfinden. Hier bewies er eine Meisterschaft, die seine musikalischen Errungenschaften schon lange in den Schatten stellt.

Von ihm gibt es nicht nur T-Shirts und Armbänder, sondern auch Skateboards, Hot Dogs, einen Grill (“Snoop de Grille”) und ein Cadillac-Sondermodell (“Snoop de Ville”). Er drehte erfolgreiche Porno-Videos (“Snoop Dogg’s Doggystyle”) und ließ die Öffentlichkeit mittels Fernsehformaten wie Dogg After Dark und Snoop Dogg’s Father Hood an seinem Leben teilhaben. Längst gibt es von ihm eine iPhone App, und twittern tut er natürlich auch; Follower momentan: 758.753.

Kürzlich wurde er sogar zum Chef des Labels Priority Records ernannt, das Capitol/EMI nach einer mehrjährigen Kreativpause wiederbelebte. Bei Death Row/Priority war im November 1993 Snoops Debüt Doggy Style erschienen, und als ich jetzt Malice N Wonderland hörte, dachte ich mit einer gewissen Wehmut an dieses von Dr. Dre produzierte Meisterwerk zurück. Denn die Kehrseite von Snoops geschäftlicher Diversifizierung besteht darin, dass die Musik bei ihm inzwischen in den Hintergrund getreten ist.

Malice N Wonderland wirkt über weite Strecken eher lustlos, wie eine lästige Pflichtübung. Die stärksten Tracks sind “Secrets” und die Single “Gangsta Luv”, die anderen zehn Stücke plätschern eher ereignislos dahin. Meist machen die Hooklines mehr Eindruck als Snoops Rap, und Gäste wie Soulja Boy und Pharell wirken um einiges vitaler als der Doggfather.

Aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm. Snoop ist inzwischen vor allem eine Ikone der Popkultur. Vorgestern war er bei Conan O’Brien zu Gast, und als ich den Clip sah, wurde mir klar, dass die Leute ihn lieben, weil er einfach er selbst ist. Verabschieden wir also Snoop, den Rapper, und begrüßen wir Snoop, das Gesamtkunstwerk.

Fotos: Estevan Oriol

Kommentare

  • Hinternet-Blog – Presseschau 14. Dezember 2009 –

    [...] Süddeutsche Musikblog: ?Snoop Dogg, der Meister der Selbstvermarktung [...]

  • CBi

    Das ausgerechnet die alte Garde neue Wege findet sich selbst zu vermarkten, Hut ab Mr. Dogg.