K.D. Lang: “Meine Songs sind nicht besonders gut”
... aber als Sängerin ist die Kanadierin weiterhin eine Ausnahmeerscheinung, wie ihr Auftritt bei der Olympia-Eröffnungszeremonie in Vancouver zeigte. Nun erscheint eine opulente Retrospektive ihrer Karriere, die die Stärken – und Schwächen – von K.D. Lang deutlich macht.
Von Johannes Waechter
Wer in der Nacht von Freitag zu Samstag lange genug aufblieb, um im Fernsehen die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele anzuschauen, wurde Zeuge eines unerwarteten musikalischen Highlights. Ich rede nicht von Bryan Adams, sondern von der kanadischen Sängerin K.D. Lang, die plötzlich in einem überdimensionierten weißen Anzug auf einem Würfel in der Arena stand und Leonard Cohens “Hallelujah” sang. Kurz zuvor war der Tod des georgischen Rodlers bekannt geworden, was ihrer Performance zusätzliche Prägnanz verlieh. (Hier gibt es den Mitschnitt eines Interviews zu sehen, das sie nach dem Auftritt gab, sowie einige Auschnitte aus der Eröffnungsfeier.)
Am selben Tag erschien, was für ein Zufall, ihre neue Best-Of-Sammlung Recollection (Warner). Das Album gibt es als Doppel-CD sowie als üppige Luxus-Version, erweitert um eine CD mit Raritäten und und eine DVD mit Videos. In den vergangenen Jahren hatte ich K.D. Lang etwas aus den Augen verloren, nun freue ich mich, dass sie wieder aufgetaucht ist. Danke, Olympia!
Die neue CD bestärkt mich allerdings in der Ansicht, dass die späten Achtziger und frühen Neunziger K.D. Langs stärkste Phase waren. Damals brachte sie zuerst einige exzellente Country-Platten heraus, auf denen sie den Gesangsstil ihres Idols Patsy Cline wiederbelebte. 1992 wechselte sie mit dem Album Ingenue zum luxuriös produzierten Erwachsenenpop. Ihr Outing als Lesbe brachte sie in die Schlagzeilen und führte sogar dazu, dass sie von Madonna angekultet wurde; einige Jahre schien es, als würde hier ein neuer Superstar heranwachsen.
Doch es kam alles ganz anders. Das Album All You Can Eat (1995) enttäuschte, und bei Lang selbst setzte sich zudem die Einsicht durch, dass ihr das Leben im Rampenlicht doch nicht sonderlich behagte. Hinzu kam ein Mangel an selbst geschriebenen Songs. In Interviews hat sie oft über Schreibblockaden geredet und ihre eigenen Songs kritisiert. Erst letzte Woche sagte sie im kanadischen Magazin McLean’s : “…my songs aren’t that good. One of the downsides of covering other people’s material is that I pick the best out of a 30- or 40-year career, then I put my own diddly songs up against them and it’s not really fair.”
Zwar kam 2008 wieder ein Album mit eigenen Songs heraus, inzwischen überwiegt in ihrem Repertoire aber das Fremdmaterial. Lang brachte ein Album mit Balladen übers Zigarettenrauchen heraus und coverte auf Hymns Of The 49th Parallel die Lieder von kanadischen Songwritern wie Leonard Cohen, Joni Mitchell und Neil Young; außerdem tritt sie regelmäßig mit Jazz-Altmeister Tony Bennett auf und singt sich dabei durch das great American songbook.
Ich finde es erstaunlich, dass Lang anscheinend immer noch das Gefühl hat, sich fürs Covern rechtfertigen zu müssen. Es gibt sehr viele – vielleicht zu viele – Singer-Songwriter, die halbgare Elaborate über ihre Befindlichkeiten zum Besten geben. Aber es gibt nur noch wenige Crooner, die die alten Balladen und Torch Songs auszufüllen vermögen. K.D. Lang sollte das zu ihrer Lebensaufgabe machen.
Fotos: Jeri Heiden / Warner
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13 Uhr 48
Man könnte einen Wettbewerb ausrufen, wann Cohens Hallelujah am unpassendsten eingesetzt wurde. Bisher war ich der Ansicht, im Film “Watchmen” zur Untermalung einer Sexszene. Das war echt geschmacklos. Aber das hier bringt meine Ansicht ins Wanken…
16 Uhr 47
@ Phunky
Cohen hat ja wohl selbst gesagt, dass es inzwischen genug Versionen von “Hallelujah” gebe und dass die Leute aufhören sollten, den Song zu covern. Der Einsatz bei Olympia hat mir aber gefallen. Ich finde, in solchen Momenten merkt man, wie kraftvoll ein genialer Song sein kann – nicht nur, dass ihm die komische Zeremonie nichts anhaben konnte, “Hallelujah” hat der Zeremonie mehr Glanz verliehen, als sie eigentlich verdient hatte.
17 Uhr 24
Moin Johannes,
ich habe diese Feier nicht gesehen. Ich bin jetzt davon ausgegangen, dass das verlinkte Video den entsprechenden Moment abbildet, oder?
Was ich so übel daran finde, ist gar nicht so sehr der Song und wie Frau Lang ihn singt. Es ist nicht einmal diese furchtbar klerikal angehauchte Robe, die die Dame trägt.
Weshalb ich ihn so unpassend eingesetzt finde ist, dass das Publikum nicht damit umgehen konnte. Dieses Gejohle nach jedem Refrain, das ist unsäglich. Schlimmer hätte es nur in Deutschland sein können, da hätte man vermutlich noch mitgeklatscht. Immer auf die Eins…
12 Uhr 36
K.D. Lang ist eine der guten, gar keine Frage. Ich kenne sie vor allem aus den 80′ern. Absolut Torch and Twang hab ich daheim und haue ich mir heute abend auf den Plattenspieler. vielleicht auch noch Angel with a lariat.
Das sie lesbisch ist, war soweit ich mich erinnern kann schon in den achzigern bekannt und das sie dann wie die große Patsy Cline klang machte sie besonders spannend für eine eher undergroundige Hörerschaft, und rehabilitierte damit auch gleich noch Country ein Stück weit.
Dieses selbst schreiben und komponieren halte ich für überbewertet. Eine gute Sängerin/Sänger benötigt vor allem ein feines Gespür fürs Repertoire. Die großen haben meist eh nicht selbst komponiert und ich finde nicht das es Ihnen geschadet hat.
Servus und Danke
Michael
17 Uhr 55
Ich saß tatsächlich mitten in der Nacht vor dem Fernseher, um die Eröffnungszeremonie zu verfolgen. K.D. Lang, war definitv das beste daran…
10 Uhr 10
Ich habe mit die Wiederholung der Zeremonie am Samstagvormittag angeschaut. Der Auftritt von K.D. Lang war der musikalische Höhepunkt der Zeremonie und hat die “fröhliche” Choreographie der Zeremonie (wenn sie denn auch Geschmackssache war) gut unterbrochen und so eine ruhige und bedächtige Phase geschaffen, die der Situation m.E. durchaus gerecht wurde.
@phunky: Das Video stammt von einem früheren Auftritt, bei der Eröffnungszeremonie ist Lang wie im Artikel beschrieben “in einem überdimensionierten weißen Anzug” aufgetreten. Das Publikum hat die ganze Zeremonie über angemessen reagiert, so auch bei dem Lied – Gejohle gab es nach den Refrains jedenfalls nicht.
11 Uhr 01
Ist das nicht die, die von der Presse beachtet wurde, weil sie Lesbe ist und ihren Namen klein schreibt? Ihre Songs sind wirklich nicht erwähnenswert
11 Uhr 59
Einige sollten den Artikel erst einmal richtig lesen, bevor sie hier posten! Aber das ist mal wieder typisch deutsch!
13 Uhr 28
Moin Turbo,
vielen Dank, konstruktive Hinweise sind immer erwünscht. Und ohne Ausrufezeichen und Unterstellungen und VErhaltensmaßregeln erst recht :-). Das ist mir schlicht entglitten, waren zwischen Text und Video wohl zu viele Buchstaben… Na, dann ist ja alles fein und ich will nichts zu der Dame gesagt haben, gibt meines Erachtens auch eigentlich nichts zu ihr zu sagen.
@Michael,
generell ist gegen eine gute Coverversion nichts zu sagen und nicht jeder muss Songs schreiben. Aber gerade in und um Nashville hat der musikalische Genpool über Jahrzehnt unterdurchschnittliche Auffrischung erhalten und das hat die Countrymusik in meinen Augen (vielmehr Ohren) schon sehr beschädigt. Irgend jemand muss aber nun mal auch Songs schreiben. Wenngleich es nicht zwingend skandinavische Ausmaße annehmen muss, wo sich anscheinend jeder dem gerade die Freundin weggelaufen ist, mit ner Akustikgitarre auf einen Barhocker niederlässt und eine CD aufnimmt…
07 Uhr 51
Wie kann man sich so lange daran hochziehen,ob eine super
Sängerin, einen großen Anzug trägt,lesbisch ist oder Songs covert.-Das ist alles egal-wichtig ist,das k.d.lang bei ihrem Auftritt in Vancouver eine wichtige Botschaft weitergegeben hat und das ist ihr Ziel gewesen.
Wer Ahnung von Musik hat und vielleicht auch schon von ihrer
CD -Watershed- gehört.Sollte sich was gutes tun und in eines ihrer Konzerte gehen.
23 Uhr 39
Ich finde es vom Autor ungerecht, k.d. lang so hinzustellen, als würde sie nur covern. Ja sie tut es und ja sie tut es oft besser als die originale sind. Ihre Stimme ist einzigartig und sie ist als Person authentisch. Eine echte Seltenheit in unserer heutigen (Musik)Kultur. Watershed ist nur zu empfehlen.
14 Uhr 07
Keiner singt meiner Meinung nach Halleluja so gefühlvoll und schön wie kd lang.
@Stella
Der Autor schrieb nicht, kdl würde nur covern, er schrieb vielmehr, sie sollte mehr gute, oft vergessene Songs covern,. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn der Song zur Stimme passt.
Ich wünschte nur, sie wäre auch mal in Deutschland zu sehen.