Toni Braxton im Interview: “Ich war schrecklich deprimiert”
Kaputte Ehe, Karriereflaute, lebensgefährliche Erkrankung – Toni Braxton hatte es nicht leicht in den letzten Jahren. Im Interview erzählt sie von diversen Schicksalsschlägen, ihrer Vergangenheit als Pfarrerstochter und ihrem neuen Album "Pulse".
Von Johannes Waechter
Hallo Toni Braxton, ich würde zu Anfang gerne über Ihre Kindheit reden.
Bei mir war alles ein bisschen anders als bei anderen Kindern, da ich sehr religiös erzogen worden bin. Ich durfte zum Beispiel keine weltliche Musik hören. Bei uns zu Hause gab’s nur Gospelmusik.
Geben Sie es zu: Ab und zu haben Sie dennoch heimlich Popmusik gehört!
Klar. Michael Jackson, Prince, Anita Baker, Stevie Wonder. Und Fleetwood Mac – die habe ich als Kind geliebt, weil der Fahrer von unserem Schulbus sie immer gespielt hat.
Welche Soul-Diven haben Ihnen damals besonders imponiert?
Da gab es so viele! Ich habe Diana Ross geliebt – ihre Schuhe, ihre Kleider, ihre Musik. Besonders gut erinnere ich mich an ihr Album The Boss; sie war die Beyoncé der Achtziger. Und ich liebte die Queen Of Soul, Aretha Franklin. Genau wie ich war sie ein PK –
– ein was bitte?
Ein PK, ein Preacher’s Kid. Sie ist in der Kirche ihres Vaters aufgetreten, genau wie ich. Ich habe mich sehr mit ihr identifiziert, auch weil es Proteste von ihrer Gemeinde gab, als sie zur weltlichen Musik gewechselt ist. Das habe ich auch alles mitgemacht.
Wie alt waren Sie denn, als Sie zum ersten Mal in der Kirche aufgetreten sind?
Da war ich fünf. Ich fürchte, ich habe ganz schön falsch gesungen. In der Kirche zu singen hat mich aber damit vertraut gemacht, öffentlich aufzutreten. Die Kanzel war meine Bühne, und es gab sogar ein Mikrofon.
Viele Soulsänger haben in der Kirche angefangen. Was ist die Verbindung zwischen Gospelmusik und Soul?
Die Wurzeln des Soul liegen in der Gospelmusik. Und wenn man bereits in der Kirche übt, ist später vieles leichter. Aretha und ich mussten vieles nicht mehr lernen, was normale Jugendliche lernen müssen, wenn sie zu singen anfangen.
Auch deutsche Sänger versuchen sich gelegentlich am Soul, aber irgendwie klappt das nie so richtig. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Ich glaube, du musst die Soulmusik ein bisschen in den Genen haben. Für mich war es nie ein Problem, so zu singen. Andererseits weiß ich, dass ich auch eine Country- oder Pop-Platte machen könnte. Bloß Oper wäre schwierig: Dafür fehlt mir die klassische Gesangsausbildung.
Was ist der größte Unterschied zwischen dem Soul von früher und dem R&B von heute?
In den Achtzigern musste man laute, harte Noten singen. Heute ist alles eher laid back und entspannt.
Welchen Einfluss hat die Digitalisierung der Studiotechnik auf die Musik?
Da gibt es viele Vorteile. Man kann zügiger aufnehmen und die Musik auch schneller veröffentlichen. Außerdem ist es viel leichter, Fehler zu korrigieren oder Effekte einzusetzen. Ich brauche so etwas nicht, aber ich verurteile niemanden, der das macht. Der Nachteil der Digitalisierung ist allerdings, dass digitale Musik viel leichter gestohlen werden kann. Das hasse ich wirklich!
Auch einige Songs Ihres neues Albums Pulse waren lange vor Veröffentlichung im Internet zu hören.
Wir hatten zwölf Songs für das Album ausgewählt – und jeder einzelne davon ist durchgesickert! Wir mussten fünf neue Titel aufnehmen und das Album nach hinten verschieben.
Das Album kommt mir recht persönlich vor.
Ja, 95 Prozent der Lieder gehen auf mein Leben und meine Erfahrungen zurück. Zum Beispiel “Why won’t you love me” – machen wir uns nichts vor, so fühlen sich Frauen doch die meiste Zeit. Kaum ist man in einer Beziehung, geben sich die Männer keine Mühe mehr.
In der Soulmusik geht es oft um harte Zeiten. Auch sie mussten in den letzten Jahren einiges durchmachen.
Ich hatte starke gesundheitliche Probleme. Die Ärzte haben eine Gefäßerkrankung diagnostiziert, das war wirklich beängstigend. Sie sagten, ich könne nie wieder aufnehmen oder touren. Aber dann war es zum Glück doch nicht so schlimm. Ich brauche keine Herztransplantation, aber ich muss auf mich achtgeben, und wenn alles zu anstrengen wird, muss ich mich ausruhen. Aber ich bin hier. Ich lebe!
Klingt dennoch heftig.
Ich bin eine Zeitlang vom Weg abgekommen. Das waren die dunkelsten Stunden in meinem Leben. Ich war schrecklich deprimiert.
In solchen Momenten prophezeien die Kritiker in der Regel, dass die Karriere nun dem Ende zugeht.
Das sagen sie über jeden, der schon so lange im Geschäft ist wie ich. Das haben sie auch über Mariah Carey gesagt, bis sie mit einem Monster-Album zurückkam und “Ätsch” gesagt hat. Jetzt will ich auch “Ätsch” sagen.
Wie finden Sie eigentlich Lady Gaga?
Ich liebe Gaga! Ihre Kostüme sind so extravagant, dass die Leute leicht übersehen, was für eine gute Musikerin sie ist. Ich schaue sie an und sehe unsere neue Madonna.
Und was sagen Sie zum Comeback von Whitney Houston?
Jeder schlägt gerade auf sie ein. Ich kann beide Seiten verstehen. Die Fans geben Geld aus und erwarten natürlich eine Top-Leistung von einer Künstlerin wie ihr. Aber sie hat viel durchgemacht und wir müssen ihr die Chance geben, wieder zu sich selbst zu finden.
Toni Braxtons Album “Pulse” ist am 7. Mai bei Atlantic/Warner erschienen.
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14 Uhr 24
das TB verständnis für Whitney hat, verwundert nicht. Vor einigen Jahren in HH war ihr Konzert dermassen erbärmlich, dafür aber schön teuer und uninspiriert.
Im realen Leben braucht diese Sängerin niemand, obwohl ich einige Stücke von ihr nicht schlecht fand auf CD.
16 Uhr 24
Die Kinks sangen schon vor Jahrzehnten vom “Plastic Man”!
Welch weise Vorahnung, auch wenn es in diesem Fall ein “Plsatic Girl” ist.
22 Uhr 43
Eine sehr talentierte Sängerin die auch erfolgreich im Musical mitspielt. Freue mich auf das neue Album.
09 Uhr 17
Das schlimme an moderner Studiotechnik ist ja gerade das vieles so einfach geworden ist.
Gerade junge Künstler haben gar keine gelegenheit mehr zu üben, zu proben und sich selbst zu verbessern.
Früher nutzte man dafür auch die Studiozeiten, da man halt so lange machen musste bis der Take saß. Gerade etwas bekanntere Künstler haben Monate im Studio verbracht und das Aufnahmeequipmnet hilft viel wenn man die eigenen Fertigkeiten verbessern will.
Heute wird nach dem dritten Take die Software bemüht, da Studiozeit teuer ist.
12 Uhr 43
Zunächst ein Geständnis: In sentimentaler Stimmung und unter Heavy-Rotation-Einfluß eines Musikvideos habe ich mir in den 90er-Jahren des vorigen Jahrtausends mal eine Toni Braxton-Single gekauft („Un-break My Heart“).
Aufschlussreich fand ich in diesem Interview ihre Antwort auf Johannes´ Frage, welche Soul-Diven ihr damals am meisten imponiert hätten [Nummerierung hinzugefügt]:
„Ich habe Diana Ross geliebt – [1.] ihre Schuhe, [2.] ihre Kleider, [3.] ihre Musik.“
Klar, auch das ist Pop, aber es hat seine Tücken, wie die Sängerin im Zusammenhang mit Lady Gaga an späterer Stelle selber erkennt:
„Ihre Kostüme sind so extravagant, dass die Leute leicht übersehen, was für eine gute Musikerin sie ist.“
Viele Grüße von
Rüdiger
11 Uhr 46
find ich gut
06 Uhr 59
Das ganze Interview wirkt wie eine leicht unangenehme Pflichtübung.