Pillen, Bier, brennende Kondome
Vor fünfzig Jahren traten die Beatles zum ersten Mal in Hamburg auf.
Von Johannes WaechterFalls ich mal eine gute Fee treffe, die mir drei Wünsche erfüllt, bin ich vorbereitet: Ich weiß genau, was ich sagen würde. Ähnlich oft habe ich mental die Situation durchgespielt, dass plötzlich ein verrückter Professor mit einer Zeitmaschine neben mir auftaucht, um mich zu einem historischen Ereignis meiner Wahl mitzunehmen. “Guter Mann”, würde ich sagen, “bring mich in den Hamburger Star-Club, als dort die Beatles auftraten.”
Heute vor 50 Jahren begann diese mythische Pop-Episode. Am 17. August 1960 traten die Beatles zum ersten Mal in Hamburg auf, in einem ranzligen Club namens Indra. Später spielten sie im Top Ten und im Kaiserkeller, am 13. April 1962 kamen sie dann im Star-Club an, der damals neu eröffneten Top-Adresse unter den Musikclubs auf St.Pauli.
Das brennende Kondom, der Kotz-Igel, die Klobrille – viele Geschichten ranken sich um diese Zeit. Zu viele, um sie hier zu erzählen. Entscheidend ist, dass die Beatles in Hamburg von unbedarften Provinzjungs zu jenen Profi-Musikern wurden, die ab 1963 eine bis heute unübertroffene Karriere hinlegten. In Hamburg wurden sie erwachsen, in jeder Hinsicht: In der Beatles Anthology erwähnt George Harrison, dass St. Pauli auch in punkto Sex eine Offenbarung gewesen sei. Wenn man genau hinschaut, sieht man, wie seine Augen bei der Erinnerung an diese Ereignisse zu leuchten beginnen.
Zwei Bücher sind essenziell für jeden, der aus erster Hand etwas über diese Zeit erfahren möchte. Zum einen Let The Good Times Roll von Horst Fascher, in dem der ehemalige Star-Club-Manager jede Menge saftige Anekdoten über die Beatles und etliche andere Stars ausbreitet. Zum anderen Warum spielst du Imagine nicht auf dem weißen Klavier, John von Klaus Voormann. Darin berichtet der langjährige Beatles-Freund, wie er die Band zusammen mit Jürgen Vollmer und Astrid Kirchherr auf St. Pauli entdeckte und mit dem Boheme-Stil in Kontakt brachte, den das Trio damals pflegte. Vor einem Jahr habe ich ein Interview mit Voormann geführt und ihn dabei natürlich auch nach den Hamburger Tagen befragt.
Zwischen all den Anekdoten kommt allerdings die Musik, die die Beatles damals spielten, oft ein bisschen kurz. Viele tun sie ab, indem sie behaupten, dass die Beatles damals Nacht für Nacht die gleichen dreißig Rock’n'Roll-Nummern runtergeschrubbt hätten. Nichts ist jedoch ferner von der Wahrheit. Die Beatles hatten damals ein extrem breites Repertoire, in dem sich neben R&B und Rock’n'Roll auch etliche Standards, Jazzklassiker, Schlager, Music-Hall-Songs und Seemannslieder befanden. Dass die Eigenkompositionen der Beatles ab 1963 weit über die Grenzen des damals bekannten gingen, liegt auch an den ganzen Liedern, die sie in Hamburg vor betrunkenen Seeleuten spielten. Und genau das hätte ich fruchtbar gerne gesehen, aber ach, ich war noch gar nicht auf der Welt. Und der Mann mit der Zeitmaschine kam bisher auch nicht vorbei.
Ein weiterer Kronzeuge über die Hamburger Zeit der Beatles ist Tony Sheridan. Für den 1961er-Band der SZ-Diskothek habe ich Sheridan interviewt, hier kommen einige Ausschnitte aus diesem Interview, in denen er über die Musik redet, die die Beatles damals spielten, und über die gemeinsame Plattenaufnahme am 22. Juni 1961.
Erinnern Sie sich noch an die erste Begegnung?
Tony Sheridan: Wir trafen uns, als ich in einem Striplokal namens Studio X auftrat: Ich spielte eine halbe Stunde, dann kam eine halbe Stunde Striptease. Eines Abends, ich war gerade bei dem Lied “Not Fade Away” von Buddy Holly, sah ich diese Typen hereinkommen, die Lederjacken, Jeans und Elvis-Haartollen trugen – und habe in ihnen sofort verwandte Seelen erkannt. Das waren die Beatles und wir waren von Anfang an eine Familie, denn sie machten ja genau dasselbe wie ich.
Viele Fans sind der Meinung, dass die Beatles nur durch die harte Schule, durch die sie in Hamburg gingen, zu einer wirklich großen Band wurden.
Natürlich war das wahnsinnig wichtig für sie. Jeden Abend auf der Bühne zu stehen, wochenlang, monatelang, und alles zu spielen,was wir wollten, ohne Rücksicht auf das Publikum – das hat eine Menge gebracht. Ich war ein Mensch, der immer gepusht hat. Wer mich begleitete, egal, wer es war, der musste sich wirklich Mühe geben. Auch zu den Beatles habe ich gesagt: John, spiel das, Paul, spiel das. Daher kam mein Streit mit Pete Best, dem damaligen Schlagzeuger: Er hat einfach nicht sein Bestes gegeben.
Wie hat sich das auf Ihre Auftritte ausgewirkt?
Anstatt die Platten anderer Leute zu nachzuspielen, fing ich irgendwann an zu improvisieren. Auf der Bühne wurden die Stücke immer länger – bis zu zehn Minuten. Ich füllte die Lieder mit neuen Ideen, Harmonien und Soli auf, ähnlich wie ein Jazzmusiker. Das habe ich instinktiv gemacht, teils aus Langeweile, teils aus Erfindungslust. Und die Beatles haben diese Methode aufgegriffen.
War das Publikum begeistert von langen Gitarrensoli?
Für neunzig Prozent des Publikums hat das wenig Sinn gemacht, weil die sowieso nicht zugehört haben. Die haben getanzt, gesoffen, sich geschlagen oder versucht, den Mädchen zu imponieren. Wir waren froh,wenn wenigstens ein paar Leute auf die Musik geachtet haben. Manchmal hatten wir Freunde im Publikum, Musiker oder andere kunstorientierte Menschen, dann haben wir für die gespielt. Oft war es aber etwas ernüchternd, auf der Bühne zu stehen. John Lennon hatte es leicht, er nahm einfach die Brille ab, dann sah er nichts mehr.
Was für Stücke haben Sie damals gespielt?
Wir hatten ein sehr großes Repertoire, schon allein, um uns bei den ausgedehnten Auftritten nicht zu langweilen. Darunter waren alle Rock’n’Roll-Hits, aber auch Balladen, Countrysongs und viele Stücke aus obskuren Quellen. Wir hatten schließlich alle schon als Kinder ganz verschiedene Spielarten der amerikanischen Musik gehört: Blues, Jazz, Swing, Frank Sinatra und so weiter. Die Beatles hatten zum Beispiel “Besame Mucho” im Programm, einen mexikanischen Song aus den Vierzigern, der mir bis dahin unbekannt gewesen war. Paul McCartney hatte ihn wohl in der Sammlung seines Vaters gefunden.
Man sagt, Sie seien für die Beatles wie ein Lehrer gewesen.
Die Beatles haben damals in der Regel die Amis kopiert; sie haben nicht versucht,die Harmonien der Stücke zu ändern. Ich hatte jedoch großen Spaß an seltsamen Akkorden. Mir fiel zum Beispiel auf, dass Ray Charles in “What’d I Say” nur Siebener-Akkorde spielt.Ich habe dann begonnen,so etwas in Stücke zu integrieren,in denen diese Akkorde eigentlich gar nicht vorkommen. Das hört man zum Beispiel bei John Lennons Rhythmusgitarrenspiel auf “My Bonnie”. Spiel Siebener, John, hatte ich ihm gesagt. Musikalisch war das schon bahnbrechend.
Auch seine breitbeinige Bühnenpose soll John Lennon von Ihnen abgeguckt haben.
Der Vorteil dieser Haltung war, dass man auch nach fünfzehn Bieren noch relativ sicher auf den Brettern stand.
Am 22. Juni 1961 kam es zur legendären ersten Aufnahmesession der Beatles – als Begleitband von Tony Sheridan.
Morgens um acht kam ein Wagen und holte uns ab. Das war hart, denn in der Nacht zuvor hatten wir bis fünf gespielt, wie immer. Der Fahrer brachte uns nach Harburg, in die Friedrich-Ebert-Halle. Auf der Bühne standen bereits Mikros und Verstärker. Was uns allerdings ein bisschen gestört hat: Es war viel zu früh. Deshalb haben wir erst mal ein paar Bier getrunken und ein paar Pillen eingeworfen.
Wie ist Bert Kaempfert, eigentlich Jazz- und Schlagerproduzent, mit Ihnen, den wilden St.-Pauli-Rockern, umgegangen?
Wahnsinnig verständnisvoll. Er sprach halbwegs gut Englisch und hat uns ermutigt, uns zu entspannen und so zu tun,als ob die Aufnahmen nichts weiter wären als eine Verlängerung des Gigs vom Abend zuvor. Wir standen also auf der Bühne und es gab eine kurze Diskussion,was wir spielen sollten. Kaempfert schlug “My Bonnie” und “When The Saints Go Marching In” vor. Wir hatten die Lieder drauf, aber mehr als Gag. Das war schließlich kein Rock’n’Roll.
Und dann ging’s los…
Die Pillen haben gewirkt, das Bier ebenfalls und plötzlich waren wir gut drauf.Wir haben alles mehr oder weniger improvisiert, aber wir waren so gut eingespielt, dass wir überhaupt keine Fehler gemacht haben, vielleicht abgesehen von Pete Best. Aber der war mittlerweile nicht mehr wichtig. John hat auf der Gitarre viel Rhythmus gespielt, Paul hat am Bass auch einiges ausgeglichen. So war die Musik perfekt. Kann man schon sagen.
Sie haben dann umgehend einen Vertrag bei der Plattenfirma Polydor unterschrieben.
Ich war leider furchtbar naiv und habe alles unterschrieben, was man mir vorgelegt hat: einen Plattenvertrag, der mir ausgesprochen niedrige Tantiemen garantierte; und einen zweiten Vertrag beim Musikverleger Alfred Schacht. Der sagte zu mir: Tony, du kriegst tausend Mark Vorschuss. Ich dachte: Fantastisch, tausend Mark! Das war ein Vermögen damals. Dann legte er einen Vertrag auf Deutsch vor, mit Kleingedrucktem, das niemand verstand. Dieser Vertrag, den ich idiotischerweise unterschrieb, gilt immer noch – bis heute. Ich weiß es inzwischen, alle wissen es: Ich wurde beschissen, von links und rechts, vom Verlag und von der Plattenfirma. Ich habe immer noch damit zu kämpfen, denn es geht um sehr viel Geld. Wirklich sehr viel.
http://www.youtube.com/watch?v=3U52EYsUNPs
“My Bonnie” erschien im Herbst 1961 als Single und wurde ein Erfolg…
…aber die Polydor sah mich weniger als Rock’n’Roll-Sänger denn als künftigen Schlagerstar. Auch bei diesen Leuten herrschte der Gedanke vor, dass es in einem Jahr mit dem Rock’n’Roll wohl wieder vorbei sei. An den Beatles, die sie ebenfalls unter Vertrag genommen hatten, hatte die Polydor ja überhaupt kein Interesse. Es hieß: Tony, wir werden künftig allerhand zusammen machen, mit Bert und seinem Orchester – mit den Beatles sehen wir keine Möglichkeit. Unter uns, Tony: Die Beatles waschen sich auch nicht so oft. Die könnten ein bisschen sauberer aussehen.
Als im Herbst 1962 der große Erfolg der Beatles begann, sah die Gruppe tatsächlich ausgesprochen adrett aus. Was hielten Sie von diesem neuen Image?
Das war Hochverrat! Wir hatten immer Jeans und Lederjacken getragen, wir waren schließlich wilde Typen. Diese Metamorphose konnte ich einfach nicht begreifen. Woher kamen diese Kleider? Und woher kam diese Scheißmusik? “Love Me Do”, “Please Please Me” – das war doch kein Rock’n’Roll! Leider haben nur wenige Leute gehört, wie die Beatles 1961 und 1962 klangen; damals waren sie eine der besten R&B-Bands in Europa, ganz sicher. Und dann kam “Love Me Do”. In Hamburg dachten wir alle: Schade, das hat sich wohl erledigt. Das war’s dann mit dieser Gruppe.
Foto: dpa
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23 Uhr 28
Bleibt noch zu erwähnen, dass die Beatles vor ihrer Hamburger Zeit im Cavern-Club in Liverpool etwa 250 Auftritte hatten.
07 Uhr 43
Tja Tony, wärst Du doch damals mit den Jungs nach England gegangen. Deine finanziellen Probleme gäbe es heute nicht.
07 Uhr 58
@ Kunstdirektor
Danke für den Kommentar, aber so stimmts nicht ganz. Im Cavern sind die Beatles zum ersten Mal am 21. März 1961 aufgetreten, nach ihrer Rückkehr aus Deutschland. Insgesamt haben sie dort 292 mal gespielt, der letzte Auftritt war im Sommer 1963. Soweit ich weiß waren die Auftritte dort auch längst nicht so lang wie in Hamburg, wo sie immer die ganze Nacht spielen mussten. Im Cavern gab es ja zum Beispiel die Tradition der “lunchtime shows”, da sind dann die Leute in ihrer Mittagspause hingegangen. Schade, dass das aus der Mode gekommen ist. Viele Grüße!
08 Uhr 17
@ Kater Piep
Statt nach England ging Tony Sheridan bizarrerweise nach Vietnam und trat dort ab Ende der Sechziger vor amerikanischen Truppen auf. Nachzulesen im Buch von Horst Fascher…
10 Uhr 06
[...] im Hamburger Indra-Club jährte sich zum 50. Mal und wurde auch bei ByteFM besprochen. Der Blog des SZ Magazins macht sich unter dem Titel “Pillen, Bier, brennende Kondome” Gedanken über [...]
20 Uhr 53
Ich halt’ das im Kopf nicht aus. Warum wurde ich erst im Jahre 1962 geboren. Ich hätte soooooooo gerne alles von vorne an erlebt. Folglich bin ich dazu verdammt, alle Informationen und Zeitzeugenberichte wie ein trockener Schwamm aufzusaugen. Welch’ faszinierende Epoche. Ich beneide alle aktiven Beatles-Fans, die diese glorreiche Epoche bewußt miterleben durften. Mein einziger Glanzpunkt: Ich erlebte Paul McCartney live in Hamburg im Jahre 2005.
MfG
Jörg
09 Uhr 01
Moin Zusammen,
ich kann es irgendwie nicht so richtig verstehen. Ich bin auch zu jung um die Beatles live erlebt zu haben. So richtig beqwusst wahrgenommen habe ich sie eigentlich mit dem Tod von John Lennon, da war ich Neun. Mit der Musik der Beatles bin ich allerdings schon aufgewachsen, wie auch mit einigen anderen, die mir die Kindheit versaut haben (Pink Floyd zum Beispiel ;-)).
Die Musik der späten Beatles liebe ich wirklich sehr, aber diese Faszination am ganzen Drumherum, die fehlt mir wirklich total. Und ich kann sie auch nicht nachvollziehen. Und mal so im Ernst, ich glaube die allermeisten Zeitzeugen haben davon mal so rein gar nichts mitgekriegt. Und ich bezweifle, dass es denen, die diese Zeit gern miterlebt hätten aber nicht haben, zu eben der Zeit anders ergangen wäre. Ich glaube man macht sich da gern ein bisschen romantisch verklärte falsche Vorstellungen…
10 Uhr 18
Hallo Phunky,
aber sind diese romantischen Vorstellungen nicht auch das Schöne am Pop… Mir geht es übrigens so, dass mich seit einigen Jahren zunehmend die frühe Musik der Beatles fasziniert, mehr noch als die späten Alben. Dass das “Weiße Album” genial ist, hört man sofort, aber “With The Beatles” ist auf seine Art nicht minder genial. Und der Schlüsel zu dieser Musikrevolution der Jahre 63/64 liegt meines Erachtens zum Teil in Hamburg. Viele Grüße!
10 Uhr 50
Moin Johannes,
wir hatten die Diskussion ja schon mal bei Deinem letzten Beatles-Beitrag. Ich mag die Musik, die Personen interessieren mich erstmal nicht so sehr. Die musikalische Beatles-Revolution ist für mich ungefähr so weit weg, wie der Matrosenaufstand in meiner Heimatstadt. Ich kenne die Welt von vorher einfach nicht. Und das lässt sich meiner Meinung auch nicht nachvollziehen, in dem man drüber liest. Die Interessenlage ist da aber halt einfach unterschiedlich und das ist ja auch gut so.
Was ich sagen wollte ist eigentlich eher, dass jemand in Niederbayern diese revolutionäre Grundsteinlegung gar nicht mitbekommen konnte. Vermutlich kaum irgendjemand außerhalb Hamburgs. Und dass es deshalb den allermeisten gar nicht weiter geholfen hätte, zu der Zeit gelebt zu haben. Man hätte die Beatles vermutlich so wahrgenommen wie heutige Eltern Tokio Hotel. Wobei ich das ausdrücklich nicht als Vergleich der Bands wahrgenommen wissen will…
10 Uhr 56
Hallo Phunky,
das ist ein Punkt, den ich oft mit meinem Vater besprochen habe. Der hat nämlich vom Herbst 1966 bis Sommer 1967 in London gelebt. Er war vor Ort, als Sgt. Pepper herauskam, er hätte sich Jimi Hendrix und The Who im Marquee angucken können — aber das hat ihn alles gar nicht interessiert. Er ist lieber in die Oper und ins Theater gegangen. Früher war ich darüber fast ein bisschen fassungslos, aber inzwischen habe ich akzeptiert, dass man seine eigenen Interessen nicht anderen Menschen überstülpen kann.
12 Uhr 19
Ganz genau. Stellt sich mir ohnehin die Frage, was ist schlimmer, in der Welthauptstadt der Popmusik zu leben und das zu ignorieren, oder eben das Gegenteil: In München zu leben ;-) …
14 Uhr 09
@ Johannes Waechter. Danke für die Info. Gruß zurück.
10 Uhr 59
Wenn man sich die frühen Alben genau anhört, dann sind v.a. die Covers sehr aufschlußreich. Die Beatles sind immer sehr nah an den Originalen, ich meine nicht das sie sie 1:1 nachspielen, auch der Beat ist oft harmloser, aber z.B. in den Harmoniegesängen (sie treffen fast immer den Kern des Covers) und sie sind unglaublich und für heutige Verhältnisse erst recht, vielseitig was ihr Repertoire betrifft,
Ich glaube das ist die Folge dieser unglaublichen Menge an Liveauftritten in Hamburg. Das ganze ‘ich bin ein Künstler und ihr müßt euch jetzt anhören was ich spiele’ gab es nicht. Ein jeden Tag völlig anders zusammengesetztes Publikum mit unterschiedlichsten Erwartungen mußte zufrieden gestellt und v.a. UNTERHALTEN werden.
Ich glaube, daß das im Kern die Beatles ausmacht.
17 Uhr 28
Der Wunsch, die Beatles mittels einer Zeitreise in die Frühsechziger nochmals auf einer Bühne in Hamburg zu erleben… habe jetzt auch häufiger darüber nachgedacht, nachdem Johannes dieses Begehren in seinem Beitrag geäußert hat – ist mir früher eigentlich nie in den Sinn gekommen.
Mir scheint dabei eine große Rolle zu spielen, mit welchem Bewußtseinsgrad in Sachen Musik man dann im Kaiserkeller oder Star-Club sitzt: Mit dem Musikhorizont von heute oder dem von damals, ohne Ahnung, was dann, unter anderem ja auch von den Beatles, noch kömmen würde?
Der im Artikel erwähnte Klaus Voormann, der in seinen Erinnerungen ganz nebenbei erwähnt, dass er für die Gestaltung des „Revolver“-Covers lediglich ein Pauschalhonorar von 50 Pfund erhielt, kam nach Erhalt des Auftrags ins Studio und hörte eine vorläufige Fassung von „Tomorrow Never Knows“. Und er „erkannte den Beginn einer neuen Musikära“, schreibt aber auch, wobei er an die wilden Konzerte in den Hamburger Clubs dachte: „Ich weiß, daß mich für einen Moment Wehmut überkam“. Das wiederum spricht dafür, sich so oder so, Wissensstand hin oder her, mal kurz zurück nach St. Pauli beamen zu lassen.
Ich würde mich von der Zeitmaschine aber fast noch lieber zu den Aufnahmesessions von „Rubber Soul“ zurückschicken lassen.
Viele Grüße von
Rüdiger
15 Uhr 39
Ich bin ebenfalls (JG 1952) von Anfang an Beatles Fan (eigentlich J.L.- Fan). Hatte leider nie die Möglichkeit ein Live Konzert zu sehen. Auf dem Appel Dach haben sie dann nochmal gezeigt was sie können. Hab jedesmal Gänsehaut wenn ich das sehe….. Die Hamburger Zeit muss toll gewesen sein.