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SZ-Diskothek

Das Musikblog von Johannes Waechter

SZ-Diskothek  10 Kommentare

Duffy: Flatternde Seele

Auf ihrem neuen Album Endlessly brilliert Duffy bei den schnellen Stücken, scheitert jedoch an den Balladen.

Von Johannes Waechter

Was ich erst jetzt mitbekommen habe: Wie erfolgreich Duffys Debüt Rockferry vor zwei Jahren gewesen ist. Das Album hat sich über sechs Millionen Mal verkauft. Sechs Millionen! Das ist eine Marke, die inzwischen eigentlich nur noch Susan Boyle, die Beatles mit der x-ten Wiederveröffentlichung und irgendwelche grauslichen Countrysänger erreichen. Doch anscheinend ergab Duffys Kombination aus rauchiger Balladenstimme, Retro-Sound und blondem Charisma eine Hitformel mit weltweiter Zugkraft. Was bedeutet das nun für ihr zweites Album Endlessly (Universal), das morgen erscheint?

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Ich habe das Album inzwischen ein paar Mal gehört und dabei folgenden Eindruck gewonnen: Duffy versucht, Rockferry zu übertreffen, in dem sie gleichzeitig in zwei Richtungen losrennt. Die schnellen Nummern sind noch tanzbarer und infektiöser als auf dem Debüt, bei den Balladen versucht sie hingegen, noch mehr in die Tiefe zu gehen, noch mehr rohe Emotionen rüberzubringen. Dabei wird sie von Musikern unterstützt, die man erstmal nicht an ihrer Seite erwartet hätte, zum Beispiel dem längst graumelierten Songschreiber Albert Hammond, der einst nicht nur “It Never Rains In Southern California” schrieb, sondern auch Whitney Houstons “One Moment In Time” (die Älteren werden sich erinnern). Als Backing Band sind The Roots zu hören.

Letzteres funktioniert wunderbar. The Roots sind einfach eine hervorragende Band, sie erlösen Duffy aus der Retrofalle bringen eine Funkverständnis mit, das einige der Tanznummern auf dem Album nahezu unwiderstehlich macht. Mit sicherem Instinkt wurde der stärkste dieser Songs als erste Single ausgekoppelt: “Well Well Well” ist einer dieser Songs, dem man schon beim ersten Hören eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer auf den Dancefloors dieser Welt anmerkt.

Das Problem das Albums liegt für mich bei den Balladen, wo sich bekanntlich zeigt, ob jemand singen kann. Um besonders viel Gefühl rüberzubringen, macht Duffy ausgiebig Gebrauch von einem zwiespältigen Stilmittel: dem Vibrato. Jedes Mal, wenn sie eine langgezogene Note singt, beginnt ihre Stimme zu flattern wie ein Schmetterling auf der Blumenwiese. Hier ein Beispiel aus dem zweiten Song “Too Hurt To Dance”: “Pleaheahease Mr. DJ, won’t you turn the music dowhauhaun / Why can’t you understahahand, I’m to hurt to dahahance tonihihihight”. Statt Emphase stellt sich bei solchen Manierismen eher Belustigung ein.

Das wäre dann wohl der Unterschied zwischen Blue-Eyed Soul und echter Soulmusik. Wie schon viele andere Retro-Soul-Alben zuvor erbringt Endlessly erneut den Beweis, dass die Soulmusik und vor allem der Soulgesang von einst eben doch nicht so leicht zu kopieren ist, wie man denken mag. Dennoch finde ich es erfreulich, dass dieser nostalgische Sound seinen Platz in der aktuellen Musikwelt gefunden hat, denn wenn schon Nostalgie, dann lieber unter Bezugnahme auf einen Höhepunkt der Popgeschichte wie den Sechzigersoul. Wirklich befremdlich finde ich das Take-That-Fieber, bei der in der nostalgischen Rückschau auf einmal eine Musik verklärt wird, über die man in den Neunzigern zurecht gelacht hat und die heute keinen Deut besser geworden ist.

Kommentare

  • phunky

    Moin Johannes,
    the Roots sind eine echt gute Band. Ähnlich wie die Dap Kings. Allerdings teilen beide das Problem, des öfteren mit total überschätzten Sängerinnen gesehen worden zu sein.

    Wobei ich Amy Winehouses Musik etwas weniger banal finde, insbesondere aber auch die Texte besser leiden kann. Dafür sieht Duffy besser aus, zieht sich besser an und kommt nicht so unsympathisch rüber ;-)

    Ich fand Rockferry schon öde, das neue Album höre ich mir wohl eher nicht an. Sowas läuft bei mir unter “Küchen-Blues”, kann man gut mal beim Abwaschen hören oder um die Abzugshaube zu übertönen…

  • Johannes Waechter

    Hallo Phunky,
    kann Dich verstehen, aber irgendwann wird der Tag kommen, an dem Du am Rand der Tanzfläche stehst, wenn der DJ “Well Well Well” auflegt. Ich vermute, dass Du dann denken wirst “Gar nicht so übel, der Song”. Aber für die große Soul-Ekstase gibt es natürlich andere. Vielen Dank übrigens nochmal für das Video von neulich.

  • Nina

    Hm, ich hätte nicht gedacht, dass sie in der Rezension so gut wegkommt. Aber naja, Ehre wem Ehre gebührt. Nur eines stört mich wahnsinnig an Duffy: dass sie immer aussieht, als hätte sie ihre Hose vergessen. Dieses Video zu “Well Well Well” geht deswegen m.E. gar nicht.

  • Johannes Waechter

    @ Nina
    Sehr treffende Beobachtung!

  • kuhn

    Duffe hat eine sehr prägnante Stimme. Aber, ähnlich wie bei Frau Amy W. nervt diese dann allmählich. Und aus der ersten Überraschung wird dann schnell Quälerei. Ich bleib beim 60s Soul.

  • Anna

    Was ist denn mit der Stimme passiert? Irgendwo zwischen Mickey und zuviel Helium gelandet.

  • Mapambulo

    Die Stimme kenn ich – meiner 6 Wochen alten Tochter gelingt häufig ähnliches, nur hat die noch keine so tolle Begleitband. Ansonsten mach ich mir eher Sorgen um phunkys Dunstabzugshaube – nicht zu beneiden, wirklich nicht …

  • deggerich

    ey johnny, kein wunder, dass sie gut wegkommt. schließlich bearbeitest du auf dem video, nur sehr schlecht getarnt unter der locken-perücke, die drums. wellwelwell :-)

  • Johannes Waechter

    Hallo Markus, fühle mich ertappt … aber gar nicht so schlecht, mein Drum-Part, oder?

  • deggerich

    lieber johnny, absolut, du warst schon immer mein lieblings-blechtrommler. liebe grüße aus deiner verschneiten heimat