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Das Musikblog von Johannes Waechter

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Pilzköpfe und Knollennasen: Die Beatles als Comicfiguren

In zwei neuen, ganz unterschiedlichen Büchern werden die Beatles als Comicfiguren dargestellt. Auf einmal sieht eine eigentlich bekannte Geschichte ganz anders aus...

Von Johannes Waechter

Ihren vielleicht schönsten Auftritt als Comic-Figuren hatten die Beatles bereits 1966. In Asterix bei den Briten ist eine von Fans umjubelte Popgruppe zu sehen, die unzweifelhaft die Beatles darstellen soll; erkennbar sind sie vor allem am markanten Zinken des Drummers. Auch in US-Comics aus dieser Zeit (Spiderman, Batman) hatten sie Gastauftritte, viele dieser Hefte sind inzwischen sehr gesucht.

Daneben waren die Beatles seit den Sechzigern auch mehrmals die Hauptfiguren von Comics und graphischen Erzählungen. (Vielleicht erinnert sich auch noch jemand an das Beatles-Pop-Up-Buch, das Mitte der Achtziger erschien.) Kein Wunder eigentlich, wenn man Drama und Facettenreichtum ihrer Story bedenkt. Im vergangenen Herbst sind nun zwei neue Beatles-Comics erschienen: Baby’s In Black. The Story Of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe von Arne Bellstorf, das in der Hamburger Zeit der Beatles spielt; und Das kleine Beatles-Buch von Hervé Bourhis, eine Gesamtschau der Geschichte der Beatles in gezeichneter Form.

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Bourhis, Jahrgang 1974, hat vor seinem Beatles-Buch bereits Das kleine Rockbuch veröffentlicht, eine Übersicht über die Geschichte der Rockmusik. Die Beatles sind für ihn historische Figuren, deren Geschichte es mit Akribie, Faktentreue und ein wenig Humor darzustellen gilt. Inhaltlich ist sein Buch auf der Höhe der Zeit. Er gibt sich nicht damit zufrieden, das alte Märchen von den vier Freunden aus Liverpool nachzuerzählen, sondern spricht die brutale Hackordnung innerhalb der Gruppe und andere dunkle Kapitel an. Auch enthält sein Buch neben den großen Linien etliche unterhaltsame Details, wie Lennons Leidenschaft für Kaviar, McCartneys Zusammentreffen mit John Wayne und Ringos Ehrung für das “schlechteste Album des Jahres”. So entsteht ein Buch, das allen Novizen (falls es die wirklich gibt) eine exzellente Einführung in den Beatles-Kosmos liefert, das aber auch langjährige Fans lesen können, ohne sich zu langweilen.

Graphisch hat das Buch einen hohen Wiedererkennungswert: Bourhis hat die Angewohnheit, Plattencover und Originalfotos abzuzeichnen, so dass man schon beim Durchblättern auf viele bekannte Bilder trifft. Dieses Material kombiniert er mit imaginierten Szenen und seinen Texten; alles wird auf verschachtelten, inhaltsreichen Seiten platziert, die man ganz genau lesen muss, um nichts zu verpassen. So sieht das Ganze aus:

Arne Bellstorf, Jahrgang 1979, hat einen ganz anderen Ansatz gewählt. Sein Buch Baby’s In Black handelt von der Liebe zwischen Astrid Kirchherr und Stuart Sutcliffe Anfang der Sechzigerjahre in Hamburg. Sutcliffe, damals der beste Freund John Lennons, war als Bassist der Beatles nach Hamburg gekommen, stieg dann jedoch aus der Gruppe aus, um bei Astrid Kirchherr zu bleiben und Kunst zu studieren. Noch bevor der Welterfolg der Gruppe begann, starb Sutcliffe am 10. April 1962 an einer Gehirnblutung.

Die Hamburger Jahre des Beatles üben auf viele – auch auf mich – eine gewaltige Faszination aus. Hier wurden aus vier Liverpooler Jungs die Entertainment-Profis, die ab 1963 die Welt veränderten. Hier eigneten sie sich einen Großteil des umfangreichen Repertoires an, das die Grundlage für ihr Songwriting wurde. Und hier verpasste Astrid Kirchherr ihnen auch die Frisuren, die bald der Inbegriff der jugendlichen Rebellion wurden. Dennoch sind die Beatles in Bellstorfs Buch nur Randfiguren. Statt zum wiederholten Male ihre Eskapaden auf St. Pauli nachzuerzählen, konzentriert sich Bellstorf auf die tragische Liebesgeschichte von Sutcliffe und Kirchherr, die für ihn auch eine universell gültige Geschichte übers Erwachsenwerden ist.

Bellstorfs großer Trumpf ist nun, dass Astrid Kirchherr ihm persönlich bei dem Buch geholfen hat. Über einen Zeitraum von drei Jahren traf er sich immer wieder mit ihr und ließ sich einzelne Szenen und Gespräche aus ihrer Beziehung zu Sutcliffe schildern. Sein Buch hat zwar keinen dokumentarischen Anspruch und wurde Astrid Kirchherr auch nicht zur Endabnahme vorgelegt, dennoch dürfte es wesentlich näher an den damaligen Ereignissen sein als der Film Backbeat, der Mitte der Neunziger die Hamburger Zeit der Beatles behandelte. Ganz unabhängig von den künstlerischen Qualitäten ist das Buch also auch ein relevante Ergänzung zu den anderen wichtigen Büchern über die Frühphase der Beatles, wie zum Beispiel den Memoiren von Klaus Voormann, Horst Fascher und Pete Best sowie Pauline Sutcliffes Biographie ihres Bruders.

Kirchherr und Voormann fühlten sich damals als Existentialisten, Bellstorfs Stil passt gut dazu: Seine durchweg in schwarzweiß gehaltenen Zeichnungen sind klar und präzise, wenn es auch in seinem Hamburg stets Herbst zu sein scheint und oft Zigarettenrauch durch die Bilder zieht; der nüchterne Stil gibt von Anfang an einen Vorgeschmack auf das tragische Ende der Geschichte: In den relativ schematisch gezeichneten Gesichtern der Figuren werden die Emotionen nur angedeutet, mindestens ebenso viele Informationen liefert jedoch Bellstorfs Wahl der Hintergründe: ein Traumwald, ein schummriges Atelier. Und am Ende Schweigen.

Copyright der Bilder: Hervé Bourhis/Carlsen Verlag; Arne Bellstorf

Kommentare

  • Little Lucille

    Titel ist gut und inhalt noch besser.
    Eine geschichte so erzählt das es selbst die jüngsten verstehen

  • Graphic Novel » Blog Archiv » “Pilzköpfe und Knollennasen: Die Beatles als Comicfiguren”

    [...] Ihren vielleicht schönsten Auftritt als Comic-Figuren hatten die Beatles bereits 1966. In Asterix bei den Briten ist eine von Fans umjubelte Popgruppe zu sehen, die unzweifelhaft die Beatles darstellen soll; erkennbar sind sie vor allem am markanten Zinken des Drummers. Auch in US-Comics aus dieser Zeit (Spiderman, Batman) hatten sie Gastauftritte, viele dieser Hefte sind inzwischen sehr gesucht. mehr [...]

  • khfpl

    Immer wieder gerne behauptet, aber immer noch nicht wahr: es war nicht Astrid Kirchherr, es war Jürgen Vollmer (Pilzkopf). In Paris übrigens :-)

  • Kunstdirektor

    Diesen Comic mit dem Film Backbeat zu vergleichen und ihn auch noch als besser zu qualifizieren, ist mehr als gewagt. Zeigt vielleicht mehr auf den Autor dieses Artikels und seine mögliche Unkenntnis wirklich gut gezeichneter Comic-Novels. Dieser Comic ist es jedenfalls nicht und hat keinerlei zeichnerische Qualität. – Backbeat jedenfalls war in allen Belangen ein sehr guter Film mit großartigen Darstellern.

  • Mihael

    Uff, die Dinger sind doch viel zu teuer für mich als abgerockten Studenten. Außerdem habe ich mich noch gar nicht durch die Anthology gekämpft (das Biest hat aber auch Ausmaße), von den ganzen wichtigen Biographien und semiwichtigen Biographien von Beatles-Anhängseln ganz zu schweigen. Nowhere Boy soll ja auch ein schlechter Film sein für echte Fans und diese ganzen anderen Filme müssen ja auch noch geschaut werden… Kein Wunder bin ich noch wach!

    khfpl hat übrigens Recht, wenn ich mich recht entsinne. Es war explizit nicht Astrid Kirchherr, sondern Jürgen Vollmer, und das in Paris, an so eine Information kann ich mich auf jeden Fall auch vage erinnern.