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Das Musikblog von Johannes Waechter

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Rod Stewart und der fehlende Swing

Mit einer neuen Best Of-CD zieht Rod Stewart das Fazit seiner Great American Songbook-Reihe. Leider treten darauf auch seine Schwächen deutlich zu Tage.

Von Johannes Waechter

In der Januar-Ausgabe von Uncut habe ich ein Foto von Rod Stewart gesehen, bei dem ich regelrecht den Atem anhalten musste. Mann, war der cool! Wenn man ihn hier so sieht, mit der Colaflasche in der Hand, kann es nicht erstaunen, dass dieser Mann zum Superstar wurde. Durch jahrzehntelanges Singen von Rockballaden hat Stewart es allerdings leider geschafft, seine Vergangenheit als Mod-Idol aus dem Gedächtnis zu tilgen, weswegen viele ein schiefes Bild von ihm haben.

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Die neuesten Nachrichten von Rod The Mod sind, dass er am 16. Februar zum achten Mal Vater wurde. Und dass vor kurzem sein Album The Best Of … The Great American Songbook (Sony) herauskam. Seit 2002 waren fünf CDs erschienen, auf denen er Jazz- und Pop-Standards wie “These Foolish Things”, “As Time Goes By”, “Stardust” und “My Funny Valentine” singt; alle davon wurden mit Gold oder Platin ausgezeichnet und waren weltweite Verkaufsschlager.

Zu dieser CD-Reihe habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Bob Dylan hat in seiner Radiosendung beklagt, dass die “art of interpretative singing” verloren gegangen wäre; und so könnte man sich eigentlich über jeden freuen, der sich berufen fühlt, den alten Liedern etwas Neues hinzuzufügen. Aber was wäre das im Fall von Rod Stewart?

Zuerst einmal muss man ganz klar sagen: Rod swingt nicht die Bohne! Wer die amerikanischen Standards in den Versionen von Frank Sinatra, Tony Bennett, Ella Fitzgerald oder Willie Nelson kennt, der muss sich darüber wundern, wie brav sich Rod Stewart durch die Zeilen hangelt: Der Swing, der durch nuancierte Verschiebungen im Rhythmus erreicht wird, fehlt hier völlig. Auch sonst versteht er es nicht, sich die Songs zu eigen zu machen: Ab und zu kommt ein Vibrato, aber im Prinzip singt er die Lieder vom Blatt und verzichtet auf die Ornamentierung der Melodie, die den Jazz-Gesang ausmacht. Das einzige individuelle Merkmal seiner Versionen ist seine unverwechselbare Stimme.

Wie es auch gehen könnte, demonstriert Stevie Wonder, der zu “What A Wonderful World” einen fantastischen Mundharmonika-Part beisteuert. Hier merkt man sofort, dass jemand das Lied auf seine Weise interpretiert, und ist ergriffen von Wonders seelenvoller Virtuosität.

Andererseits: Wer kennt diese Songs heute noch? Die Zeit, dass sie Hits waren, ist schon Jahrzehnte her, und Jazzsänger mit einer gewissen Breitenwirkung gibt es auch nicht mehr viele. So bleibt es heute zwangsläufig Rocksängern wie Rod Stewart und Robbie Williams überlassen, dieses Repertoire am Leben zu erhalten. Denn diese Lieder verdienen es weiterhin, oben in den Charts zu stehen. Wie viele Menschen sie immer noch zu berühren im Stande sind, sieht man daran, dass “Over The Rainbow” in der Version von Israel Kamakawiwo’ole letztes Jahr zwölf Wochen auf Platz eins der deutschen Charts stand.

So täuscht der Verdienst des Gesamt-Unterfangens im Fall von Rod Stewart über manche Schwächen bei der Ausführung hinweg. Das gilt insbesondere für “What A Wonderful World” (das übrigens auch auf der neuen Best-Of-CD von Iz enthalten ist). Meiner Meinung nach ist das einer der besten Songs aller Zeiten, und wenn auch die Originalversion von Louis Armstrong das Maß aller Dinge bleibt, so ist es trotzdem zu begrüßen, wenn Rod Stewart Satchmos Botschaft mit seinen begrenzten Mitteln weiterträgt.

Kommentare

  • Anja Kern

    Lieber Herr Waechter, ich stimme mit Ihnen überein, dass man diese schönen alten Standards kaum noch live hört. Jedoch gibt es wohl, außer Robby Williams, oder Rod Stewart, einen Sänger, der diese wundervollen Lieder in seinem ganz eigenen Stil erfolgreich interpretiert. Ich spreche von Sänger Robert Jay aus Düsseldorf. Klar, ist er nicht so bekannt wie zuvor genannte. Aber er ist auf dem Weg ganz nach oben. Am 13. Mai 2011 gibt er sein nächstes Konzert in Meerbusch. Ich kenne keinen Swing Sänger mit einer solchen Stimme. Nich immer ist der Bekanntheitsgrad ein Garant für Qualität. Es wäre wünschenswert, wenn auch mal Sänger erwähnt und vorgestellt werden, die nicht unbedingt schon Weltruhm erlangt haben. Robert Jay ist ein Quereinsteiger und hat eine reichlich außergewöhnliche Geschichte zu erzählen. Seine Stimme wird mit denen von Weltstars verglichen und ist es wert Aufmerksamkeit zu bekommen.
    Schauen Sie doch mal auf: http://www.robert-jay.com
    Übrigens hat er die engl. und engl./jap. Version des 3. meistverkauften Songs der Welt : “HANA” von Shoukichi Kina (Japan) verfasst und als erster die Genehmigung erhalten es zu veröffentlichen. Dieses Lied ein HIT. Kein Radiosender spielt es. Schade!!! Das dazu.
    Ich freue mich auf ein Feedback von Ihnen.