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aus Heft 41/2008 Fernsehen Noch keine Kommentare

Die unandliche Geschichte

Seit 31 Jahren spielt Michael Ande den Assistenten des "Alten". Lassen sich nach so langer Zeit Mensch und Rolle noch trennen?

Von Susanne Schneider  Toby Binder (Fotos)



Nun neigt der Tag sich schon zum Abend hin, und keiner hat sich nach ihm umgedreht. Er saß im Straßencafé an der Münchner Freiheit, er ging durch Schwabing spazieren, er sah aus, wie er sonst auch immer aussieht freitags um Viertel nach acht: graue Haare, Brille, nicht groß, nicht klein, um den Bauch ein wenig rundlich, freundliches Gesicht. Er sagt: »Ich freue mich, wenn man mich anspricht«, er sagt: »Ich fürchte den Tag, an dem mich niemand mehr erkennt.« So darf einer schon reden, der von den 64 Jahren seines Lebens 55 im Rampenlicht gelebt hat.

Doch heute hat ihn niemand um ein Autogramm gebeten, keiner sein Fotohandy gezückt. Aber jetzt, immerhin, wird er fröhlich begrüßt: vom Wirt seiner Lieblingskneipe. Michael Ande ist hier seit 30 Jahren Stammgast, »meine zweite Heimat«, der Wirt hier seit 30 Jahren Wirt. Noch länger, 31 Jahre, spielt Michael Ande den Gerd Heymann, einen der drei Assistenten des Alten. Vom ersten Tag an ist er dabei, von 1977 bis heute – eine Art Weltrekord mit inzwischen 335 Folgen. Damit hat er Fritz Wepper auf den zweiten Platz verwiesen, den anderen ewigen Krimi-Assistenten, der 29 Jahre der Harry war, erst der vom Kommissar, dann der von Derrick.
Hier war Ande zwölf und ein Kinderstar: 1956 in dem Film Das Hirtenlied vom Kaisertal.
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Michael Andes Lieblingskneipe in der Mitte Altschwabings heißt »Drugstore«, und sie hatte ihre große Zeit, als Schwabing seine letzte große Zeit hatte, Uschi Obermaier, die Studentenkrawalle. Und dass er dort noch immer am liebsten sitzt, sagt eine Menge über ihn, seine Beständigkeit. Wäre er Leichtathlet, dann einer für die Langstrecke, der Sprint ist nicht sein Gewerbe. Es erzählt auch viel über seine Rolle in der Serie Der Alte, zu der einem kein modischerer Begriff als »hausbacken« einfällt: Seit 31 Jahren geht es um Mord, immer wird der Mörder gefasst, fast immer zieht der Alte den richtigen Schluss, fast nie Michael Ande, der als Gerd Heymann Sätze sagt wie: »Mann, das ist ja ein toller Schuppen« oder: »Soll ich ’ne Großfahndung rausgeben?"

Durchaus stolz ist er darauf, dass es ihm in diesen 31 Jahren gelungen ist, den Assistenten Gerd Heymann zu einem freundlicheren Menschen zu machen, als es anfangs im Drehbuch vorgesehen war. »Starr war er«, sagt Ande, »humorlos, gefallsüchtig.« Inzwischen aber darf Gerd Heymann Mitgefühl zeigen, Humor, ein Augenzwinkern manchmal. Sein Verdienst.

Auch wenn man es nicht recht glauben will, die Zuschauer lieben das. Beständig sehen fünf bis sieben Millionen den Alten, oft die höchste Einschaltquote des Tages, die Serie wurde in mehr als 100 Ländern ausgestrahlt. Vielleicht muss man es anders sagen: Michael Ande ist kein Star im neuen Sinn, er ist ein leiser Mensch in einer leisen Serie.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Irgendwann kam mal einer auf die milliardenschwere Idee zu behaupten, der Beruf des Schauspielers habe etwas mit Glamour zu tun.)

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