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aus Heft 20/2007 Segeln

"Mit der »Christina« begann für Onassis das ausschweifende Leben"

Seite 2

Henning Hinze 

Obwohl er so fein und gebildet war?
Fluchen konnte Onassis schon immer. Am schlimmsten mit seinen Kapitänen: Wenn wir irgendwo im Hafen lagen und einer seiner großen Tanker ankam, dann ging er dort auf Deck. Und wenn da irgendwas herumlag – ich verstehe kein Griechisch – aber da merkte man: Das waren keine Koseworte, die er seinem Kapitän sagte. Die zitterten!

Und Sie?
Zwischen mir und Onassis fiel in all den Jahren kein einziges böses Wort. Wir waren uns sehr sympathisch. Wenn ich mal an der Reling stand, dann kam er zu mir und wir unterhielten uns über ernsthafte Dinge.
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Worüber?
Über die Menschen. Er war nicht glücklich. »Ein reicher Mann ist ein armer Mann mit viel Geld«, sagte er einmal. Richtige Freunde hatte er nämlich, glaube ich, nicht. Leute, die ihm zugetan sein mussten, ja. Und Freundinnen.

Wie haben Sie sich kennengelernt?
Beim Walfang. Onassis hatte zum 1. April 1950 die deutsche Walfangflotte gekauft – oder das, was von ihr übrig geblieben war. Wir Deutsche, ich auch, hatten vor dem Zweiten Weltkrieg Erfahrungen im Walfang gesammelt. Aber nach dem Krieg hatten wir keine Flotte, bis Onassis mit einem dicken Aktenkoffer voller Dollar kam und uns die alten deutschen U-Boot-Jagdschiffe umbauen ließ. Im Frühjahr 1951 kam er mit seiner Frau und zehn Freunden nach Peru geflogen, wo wir mit der Walfangflotte weit draußen vor der Küste jagten. Sie blieben fünf Tage an Bord.

Was wollte die feine Gesellschaft dort?
Uns bei der Arbeit zuschauen. Wir jagten Pottwale, die in Herden von ungefähr fünfzig Stück auftreten. Man versucht, sich mit seinem Jagdboot in eine gute Position zu bringen, um die fetten Bullen wegzuschießen, die die Herde anführen. Onassis stand oft neben mir und fand das höchst interessant. Da fließt eine Masse Blut. Und auf dem Fabrikschiff, das zu einer Walfangflotte gehört, brauchen die für einen Pottwal, der, sagen wir, hundert Tonnen wiegt, dreißig bis vierzig Minuten.

Ein ganz schönes Gemetzel.
Na ja, über Tierschutz hat man damals noch nicht so viel nachgedacht. Auf der Rückfahrt kam Onassis auf die Brücke und fragte, ob man nicht ein Fangboot im Sommer als Yacht im Mittelmeer benutzen könnte. Wir haben gleich am Kartentisch aufgezeichnet, wie man es von innen umbauen müsste. Und so ähnlich wurde es in Kiel dann auch gemacht, mit Boot Nummer eins, der Olympic Leader, meinem Walfangboot. Eine Kammer wurde mit Vogelaugenahornholz umgebaut. Bildschön. Dann wurde alles weiß angestrichen, die Decks gescheuert und über die Kanone kam eine Abdeckung. Die Sache hatte einen Haken: Onassis wollte unbedingt mich als Kapitän.

Wo ist das Problem?
Ich hatte Urlaub mit meiner Familie geplant. Aber Onassis sagte nur: »Egal. Bringen Sie Ihre Frau mit. Sie ist mein Gast. Sie soll sich auch auf meine Kosten bordfein machen.«
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