Reise | Heft 43/2009

Die Promi-Insel

Und wenn noch so viele Berühmtheiten hier über die Promenaden stolzieren - Sardinien lässt sich nicht beeindrucken: Die werden schon wieder gehen.

Von Rainer Stephan  Olivier Kugler (Illustration)


Stimmt schon, vor Sardinien bretterte zum Beispiel ein Motorboot den schnorchelnden Götz George nieder, und auf Sardinien vergnügt sich Silvio Berlusconi außerehelich. Also gilt Sardinien als Promi-Insel. 1963 kaufte Prinz Karim Aga Khan einen gerade 15 Kilometer langen Streifen an der nördlichen Ostküste und baute ihn unter dem Namen »Costa Smeralda« zum Luxusgehege für sehr reiche Menschen aus. Und die kamen: von Giorgio Armani und Gina Lollobrigida bis zu Lady Di und Roger Moore und schließlich auch Flavio Briatore, der hier seinen »Billionaire Club« eröffnete. Immerhin hatte Aga Khan den Slogan vom »sanften Tourismus« schon begriffen, bevor der erfunden wurde: Kein Hochhaus verschandelt die Costa Smeralda; die Privathäuser wie die (wenigen) Hotels fügen sich ins Ambiente der Uferlandschaft ein, mit ihren Ocker-, Grün- und Grau-
tönen. Das »Cala di Volpe« galt einst als schönstes und teuerstes Hotel der Welt; Jacques Couelle, ein Pionier des organischen Bauens, hat es entworfen; heute kostet eine Nacht im Doppelzimmer immer noch 600 Euro.

Zu teuer? Dann wenigstens zum schönsten Zeltplatz Sardiniens: Coccorrocci. Der liegt in der Mitte der Ostküste, einige Kilometer südlich von Ba­risardo, vor einem von roten Felsen begrenzten Kieselstrand. Die Fahrt dorthin ist eine Reise ins wahre Sardinien: Vom Flughafen Olbia führt sie an den Touristenstränden um San Teodoro vorbei auf die gottverlassenen Berghöhen der Barbagia (zu Deutsch: Barbarei). Schön, auf seine spröde Weise, ist Sardinien erst recht hier oben.

Doch kurz bevor man den Campingplatz erreicht, passiert man sozusagen dessen Gegenteil: Das Luxusferiendorf Su Sirboni ist ganz im Stil der hier doch 200 Kilometer entfernten Costa Smeralda erbaut. Ein Gespensterort. Die Anlage steht leer; der Zaun rostet seit mehr als 35 Jahren. Damals hatte zum Beispiel Helmut Schmidt in Su Sirboni Urlaub gemacht. Dann aber wollte der norditalienische Besitzer das Feriendorf erweitern und zudem billige Fremdarbeiter statt Einheimischer beschäftigen. Die Sarden sagten Nein, der Besitzer machte sein Hotel dicht. Seither wird das Kaufangebot jedes Jahr erneuert (und erhöht), die Einheimischen pfeifen auf den Luxustourismus.
Übrigens: Der Aga Khan pfeift mittlerweile auch drauf. Seit 2003 gehört die Costa Smeralda zu mehr als fünfzig Prozent der kalifornischen Investmentgesellschaft Colony Capital. »Wer übers Meer kommt«, sagt ein sardisches Sprichwort, »wird uns bestehlen.«

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Übernachten In Porto Cervo, dem Hauptort der Costa Smeralda, kann man im hübsch oberhalb des Yachthafens gelegenen Hotel Luci di la Muntagna (Tel. 0039/0789/ 920 51) vergleichsweise günstig übernachten (80 bis 130 Euro pro Person).
Essen In der Nähe des Hotels bietet das kleine Restaurant La Petronilla (Tel. 0039/0789/ 921 37) vorzügliche sardische und toskanische Küche, ohne die an der Costa üblichen Fantasiepreise.
Unbedingt auf dem Camping Coccorrocci zelten (mit Restaurant, in dem auch sardische Spezialitäten serviert werden): Marina di Gairo, Tel. 0039/0782/241 47, ganzjährig geöffnet, ab 25 Euro pro Nacht für Zwei-Personen-Zeltplatz und Autoabstellplatz.

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