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aus Heft 25/2010 Gesellschaft/Leben Noch keine Kommentare

Mauern ohne Ende – die Reaktionen

Vor einer Woche dokumentierte das SZ-Magazin ausführlich, wie im Kloster Ettal über Jahrzehnte Schüler misshandelt, missbraucht und gequält wurden. Der Artikel der Redakteure Bastian Obermayer und Rainer Stadler stieß bei den Lesern auf große Resonanz, positiv wie negativ. Lesen Sie hier Auswahl der Reaktionen.






1.

Es ist nicht von Belang, ob der Bericht sachlich ist. Denn die öffentliche Hinrichtung der sittlichen Glaubwürdigkeit des Benediktinerklosters Ettal samt Gymnasium und Internat ist moralisch gerechtfertigt. Dies nicht nur aus Rücksicht auf die Opfer.
Der Reflex von Eltern und Schülern sowie uns Alt-Ettalern, sich gleichsam für die Schule in die Schussbahn zu werfen, ist die verzweifelte Verteidigung einer Jugendidylle, deren Zerstörung in der Tat traumatische Ausmaße annehmen kann. Es ist dann nicht weniger als der Verlust einer unbedingten familiären Instanz, einer elementaren emotionalen Verankerung.
Auch in Anbetracht des Leids der Opfer, das man sich nicht ausmalen kann, ist dies ein Aspekt, der nicht leichtfertig übergangen werden darf. Auch für die unversehrten Ettaler geht in diesen Tagen ein Stück Jugend verloren und damit ein Stück eigene Existenz und Identität zu Bruch.
Aber als Christen glauben wir: Nur die Wahrheit, auch wenn sie schmerzhaft ist, kann das Leid innerhalb der Familie beenden und Frieden bringen, nicht aber verzweifelte Versuche, zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Damit erübrigt sich freilich die in Anbetracht des realen Leids der Opfer kleinliche Diskussion, ob die Meiden differenziert berichten oder nicht, ob das Bistum besonnen handelt oder nicht, ob die Gewalt systematisch war oder nicht.
Das einzige, was nicht nur den Opfern, sondern uns allen helfen kann, ist unsere Rolle als Täter zu akzeptieren und gemeinsam um Vergebung zu bitten. Das jetzt Nötige ist, sich schonungslos zu erforschen, wo und wann man Teil der Gewalt war, oder Ihrer Verharmlosung (!), und um Vergebung zu bitten. Nur so können die Opfer jemals Frieden finden und nur so können vielleicht auch wir das befremdliche Schamgefühl bewältigen, ein Ettal von Herzen geliebt zu haben, das zu solchem Scheusal in der Lage war.

Philipp Mauch
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2.
Sehr geehrte Damen und Herren,
für den ausgezeichneten Beitrag von Bastian Obermayer und Rainer Stadler über die Verbrechen im Kloster Ettal danke ich Ihnen sehr.
Es werden hier Missbrauchsfälle und Misshandlungen dokumentiert, die in diesem Umfang und in dieser Bösartigkeit kaum vorstellbar sind. Das Unglaubliche dabei ist, dass es sich bei den Folterern um Geistliche handelt, also um Menschen in der Nachfolge Christi, die durch das Sakrament der Weihe "christusförmig" geworden sind.
Für die traumatisierten Opfer ist es wichtig, dass diese Verbrechen öffentlich gemacht werden, denn die Täter fürchten am meisten die Wahrheit. Von daher bleibt es nach wie vor notwendig, dass Sie weiterhin solche Beiträge veröffentlichen, damit sich die Menschen vor diesen Tätern, die es überall und zahlreich in der katholischen Kirche gibt, wirksam schützen können.
Mit freundlichen Grüßen,

Dr. theol. Karl-Heinz Minz

3.
Ihr Bericht im Magazin vom 25.06. "Mauern ohne Ende" ist rechtlich ein Flopp und inhaltlich ein Schmarren. Die armen Internatisten, die Sie zitieren, behaupten Dinge die sie nicht beweisen können und verlogen sind. Meiner Meinung nach sind sie nur auf eine Entschädigung aus. Das wissen Sie auch. Und trotzdem veröffentlichen Sie einen solchen Mist. Wer sind nun die Verbrecher Denken sie mal darüber nach. Mein Testabo habe ich per sofort gekündigt. Mein nächster Kurzurlaub findet in Ettal statt verbunden mit einer Spende an das Kloster.
Herzliche Grüße,

Alfons Weiller

4.

Meine Familie liest Ihre Zeitschrift regelmäßig (da wir öfters weg sind nicht im Abo), sie wird täglich gekauft. Ich freue mich besonders auf das Magazin, ich mag alle Rubriken. Während eines Aufenthaltes in Italien kauften wir letzte Woche die Ausgabe mit der Reportage über das Kloster Ettal. Es wurde in den letzten Wochen in vielen Zeitschriften über die Probleme geschrieben, aber dieser Artikel ging wirklich unter die Haut. Ich habe nur eine Frage: Bei aller Berichterstattung über die Täter fehlen eigentlich Berichte über die Elternhäuser dieser Kinder. Wie kann es sein, dass Kinder über Jahre missbraucht werden und diese Kinder haben Eltern, denen sie wohl nichts berichten konnten oder durften oder sie wurden wissentlich wieder in die Schulen und Klöster zurückgeschickt. Da wir in der Nähe von Salem und der Schule in Gaienhofen am Bodensee wohnen, waren diese Schulen auch Thema für unsere Kinder. Wir haben sie aber letzten Endes doch auf Gymnasien vor Ort geschickt. Wie werden mal die Elternhäuser in den Mittelpunkt gerückt?
Vielen Dank für Ihre schöne Zeitung.

Sonja Kamm

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