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aus Heft 49/2012 Internet 1 Kommentar

Das soll wohl ein Witz sein

Simple Regeln, harter Kampf: Wer schafft es, innerhalb von drei Wochen mehr Lacher im Internet zu erzielen - das ZEITmagazin oder wir?

Von Marc Baumann und Wolfgang Luef 

Eine Mischung aus Schadenfreude und Situationskomik: Papst Benedikt XVI. kämpft gegen den Wind. Unsere Fotozusammenstellung (im Netz gibt es noch Dutzende andere Bilder) samt ironischen Spruch wurde weltweit verbreitet und von Usern in mehrere Sprachen übersetzt.


Was ist lustig? Eine schwierige Frage. Fast unmöglich zu beantworten. Das weiß jeder, der mal einen Witz erzählt hat und danach als Einziger lachen musste. Humor kann man nicht erzwingen, Humor kann man nur versuchen. Das haben wir gemacht: Weil es in einem Heft zum Thema Konkurrenz auch mal einen jubelnden Sieger und einen traurigen Verlierer braucht, wagten wir uns in einen Witze-Wettkampf gegen das ZEITmagazin.

Austragungsort war das Internet, vor allem Facebook, dort kann man am ehesten nachvollziehen, wie lustig etwas ist – man postet einen Scherz und zählt einfach, wie viele Leser »Gefällt mir« drücken oder den Witz sogar auf ihrer Facebook-Seite teilen. Im Netz ist das »Teilen« die moderne Form des Witze-Weitererzählens. Man schickt das, was einem gefällt, an seine Bekannten – per E-Mail, Facebook oder Twitter. Mit der ZEITmagazin-Redaktion legten wir folgende Regeln fest: Wer für einen Witz die meiste digitale Zustimmung bekommt, gewinnt. In die Wertung kommen nur Bilderwitze oder Fotomontagen, die zwischen dem 21. Oktober und dem 1. November im Internet veröffentlicht wurden. Witz nach Vorschrift: Unser Wettbewerb klingt wie ein Monty-Python-Sketch über deutsche Humorarbeit.

Die Erben von Monty Python trifft man heute im Internet: etwa den viel gelobten Blog »Kim Jong-Un looking at things«, der Fotos des nordkoreanischen Diktators sammelt, wie der sinnfrei sein Land inspiziert (Diktator besichtigt eine Minigolfbahn, Diktator besichtigt Gummistiefelfabrik, Diktator besichtigt Hasenställe). Großartig komisch. Wem früher ein guter Witz eingefallen ist, der konnte ihn auf dem Pausenhof erzählen oder am Stammtisch, heute verbreiten sich Witze online in ein, zwei Tagen in der ganzen Welt.

Wenn Mitt Romney die US-Wahl verliert oder Felix Baumgartner den Stratosphären-Sprung schafft, dauert es nur Augenblicke, bis das Web reagiert. Fast zeitgleich erscheinen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter die ersten spöttischen Kommentare, wenige Minuten später kursieren erste Fotomontagen auf Facebook. Zum Internet-Klassiker wurde auch Mario Balotelli, der nach seinem Tor zum 2:0 im EM-Halbfinale mit nacktem Oberkörper im deutschen Strafraum prahlte. Balotelli wurde aus dem Originalfoto herausgeschnitten und in andere berühmte Bilder eingesetzt: neben Barack Obama, der der Jagd auf Osama bin Laden zusieht. Neben Leonardo DiCaprio am Bug der »Titanic«. Neben Neil Armstrong bei der Mondlandung. Herrlicher Quatsch. Schaffen wir das auch? Wird das ZEITmagazin lustiger sein?


DER ERSTE VERSUCH

Unser erster Scherz geht auf Kosten des Papstes. Es gibt viele Bilder von Freiluftmessen, auf denen er mit dem Wind kämpft. Wir sammeln sie und schreiben drunter: »Es ist ein windiger Job, aber einer muss ihn ja machen.« Lustig, oder? Wir rechnen mit einem Begeisterungssturm. Vergeblich. 1447 Leute drücken auf unserer Facebook-Seite (mit über 70 000 Fans) den »Gefällt mir«-Knopf, 510 Menschen teilen das Bild auf ihrer eigenen Seite. Na ja.

Zum Vergleich: Der erfolgreichste Facebook-Post, den wir vor dem Wettbewerb geschafft hatten (ein EM-Foto vom grinsenden Mats Hummels neben am Boden zerstörten Holländern), hatte fast 50 000 »Likes« und wurde ebenso oft geteilt. Für einen Scherz auf Christian Wulffs Kosten am Tag seines Rücktritts bekamen wir 23 000 Likes. Wir lernen: Der richtige Zeitpunkt ist wichtig für einen Witz. Der Papst war am 21. Oktober kein Thema. Auch die Kollegen vom ZEITmagazin tun sich anfangs schwer: Ihr erster Beitrag zum Wettbewerb, eine Neudeutung der Apple-Tastatur-Symbole, kommt nicht über 250 Likes. Wirklich lachen müssen darüber vor allem: wir.

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Kommentare

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  • Dinah Schlawiner (0) Ein Rechtschreibfehler im letzten Satz. Darüber muss ich vor allem: lachen.