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Nackte Zahlen: Sexkolumne 08. Oktober 2017

Gut gelacht ist halb gekommen

Von Alena Schröder  Illustration: Sammy Slabbinck

Humorvolle Männer, das wurde jetzt festgestellt, verursachen bei Frauen die besten Orgasmen. Wie kann das sein und was bedeutet das für uns miesepetrige Deutsche?

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Einmal mehr liefert die Wissenschaft Beweise für den Zusammenhang zwischen Humor und gutem Sex: US-amerikanische Forscher haben für eine Studie über hundert heterosexuelle Singlefrauen zwischen 20 und 69 nach den Liebhaberqualitäten ihrer verflossenen Partner befragt und so herausgefunden, welche Charakterzüge Männer zu besonders guten Orgasmusproduzenten machen. Dabei wurde folgender Zusammenhang deutlich: Je humorvoller der Partner, desto besser und intensiver die durch ihn ausgelösten Orgasmen der Frau. Wie lässt sich das erklären? Wie genau hängen Humor und Orgasmuskompetenz zusammen?

Guter Humor und gute Orgasmen haben viel mit der richtigen Technik zu tun. Ein bisschen Talent und Fingerspitzengefühl gehört schon auch dazu, aber im Wesentlichen gilt es, sich durch stetiges Üben ein paar handwerkliche Fähigkeiten draufzuschaffen, die dann ein Leben lang verfeinert werden müssen. Sowohl beim Humorhandwerk als auch bei der Orgasmusproduktion ist Timing ein ganz entscheidender Faktor. Es gilt, eine gewisse Spannung aufzubauen, zu halten, nicht zu früh mit der Pointe um die Ecke zu kommen, um ihr dann im richtigen Moment den nötigen Wumms zu verleihen. Und zu guter Letzt gehört sowohl zum Humoristen als auch zum Orgasmusexperten ein gewisses Maß an Selbstreflexion. Sich selbst hinterfragen, gut zuhören, Kritik und Verbesserungsvorschläge annehmen und nicht jedes mal die selbe Masche anwenden – all das unterscheidet im Humor- und im Orgasmuswesen den Profi vom Laien.
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Doch was bedeuten diese Erkenntnisse für den Humorstandort Deutschland? Vor allem im Ausland hält man »Humorlosigkeit« ja für eine der herausragendsten Eigenschaften der Deutschen. Heißt das, dass im Ausland mehr orgasmiert wird? Leben Britinnen in einem Zustand permanenter sexueller Ekstase, weil die dortigen Männer ihnen soviel feinere, subtilere, hintergründigere, schwärzere Orgasmen verschaffen? Sind die irre lustigen Frisuren von Kim Jong-un und Donald Trump am Ende doch nichts anderes, als verzweifelte Versuche, die Damenwelt auf ungeahnte sexuelle Fähigkeiten aufmerksam zu machen? Müssen wir uns noch mehr Sorgen um Mario Barths Freundin machen, als wir es ohnehin schon tun?

Weit gefehlt. Hierzulande gehen eben nicht unbedingt die humorvollsten Männer in die Spaßindustrie, wo sich ja langfristig doch nur das Mittelmaß durchsetzt. Deutschlands wahre Humoristen üben ihr Handwerk eher im Privaten aus. Man geht hier nicht zum Lachen in den Keller. Man geht ins Schlafzimmer.
Alena Schröder

ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie gelobt, keine »arm, aber sexy«-Kalauer in dieser Kolumne unterzubringen, die sie im Wechsel mit Till Raether schreibt.