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Vorgeknöpft: die Modekolumne 02. November 2017

Eine gute Lüftung ist alles

Von Maria Hunstig  Gettyimages / Clive Mason

Sie fragen sich in Läden auch immer, wer diese Jeans mit riesigen Löchern und Schlitzen kauft? Nun, Lewis Hamilton. Überhaupt ist der Formel-1-Weltmeister modisch gesehen ein bunter Hund, auch wenn man es nicht auf den ersten Blick vermutet.


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Die Kombi aus Jeans und weißem T-Shirt kann die einfachste und unprätentiöseste Kleiderwahl der Welt sein, im Falle Lewis Hamilton ist sie das nicht.

Der britische Formel-1-Fahrer holte sich am vergangenen Wochenende seinen vierten Weltmeistertitel nach dem großen Preis von Mexiko ab. Und obwohl er dabei fast ausschließlich Sponsorenkleidung trug, schaffte er es, seinem Outfit den typischen Hamilton-Style einzuverleiben. Zum weißen Mercedes-Shirt und der zugehörigen Cap kombinierte er eine ebenfalls strahleweiße Jeans, über den Knien abgeschnitten und mit zahlreichen »Zerstörungen« übersät, dazu eine auffällige Sonnenbrille und prunkige Kreuzkette sowie seine Glitzer-Grundausrüstung aus funkelndem Nasenpiercing und passenden Ohrsteckern.

Lewis Hamilton ist – auch wenn sein All-White-Look aus Mexiko es auf den ersten Blick nicht vermuten lässt –, modisch ein bunter Hund. Der Brite setzt sich offenkundig intensiv mit seiner Kleiderwahl auseinander und ist regelmäßiger Gast auf den Fashion Weeks dieser Welt. Seine Vorliebe für die verschiedensten Luxusdesigner und teure Turnschuhe bringt Hamilton regelmäßig Ärger mit Mercedes-Sponsoren wie Boss oder Puma ein. 

Auch »destroyed Denim« gehört zu Hamiltons Style-Favoriten. Der Trend zu Jeans mit aufgerissenen Knien und anderen verschlissenen Stellen kommt ursprünglich aus der frühen Punk-Bewegung, wo ihn Künstler wie die Sex Pistols oder Iggy Pop als modisches Anti-Establishment-Ausdrucksmittel nutzen. Heute haben die Hosen ihre politische Aussagekraft und DIY-Attitüde verloren – die Risse und Verschleißerscheinungen werden von den Jeansherstellern maschinell oder in Handarbeit mit Schere, Schmirgelpapier und Co. zugeführt. Das ist aufwändig und kostspielig. Jeansmodelle wie die der amerikanischen Marke Fear of God, Lieblingslabel von Celebrities wie Kanye West oder Justin Bieber, kosten gern mal bis zu 1000 Euro - für eine »kaputte« Hose.

So sind Löcher in Jeans paradoxerweise zu einem Statussymbol geworden – und passen damit bestens zu Rolex, Bling-bling-Kette, Tattoos und Designer-Sonnenbrille - der klischeemäßigen Proll-Uniform, der Hamilton und zahlreiche weitere Sportler (Fußballer!) sehr zugetan sind: Klotzen, statt kleckern.

Ein eigener, unangepasster Stil ist gut, doch Hamilton schießt mit seinen Outfits eben gerne mal am Ziel vorbei. Vor zwei Jahren wurde ihm - trotz persönlicher Einladung - der Zutritt zur königlichen Box beim Wimbledon-Finale verwehrt, weil er mit Blumenhemd und Panamahut nicht dem geltenden Dresscode entsprach.

Mit der Mode ist es eben anders auf der Rennstrecke: Manchmal muss man das Gas auch raus nehmen.

Wird getragen von:
Fußballern, Instagrammern, Kanye West, Pietro Lombardi
Wird getragen mit: Glitzerschmuck, Designer-Sonnenbrille, Luxus-Sneakers, Long-Shirt, Sportwagen, Bizeps, Tattoos
Das sagt Muddi: So viel Geld für eine KAPUTTE Hose?!
Passende Songzeile: »Ging nie durch San Francisco, in zerrissenen Jeans«

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Maria Hunstig

ist Redakteurin beim Modefachmagazin Sportswear International. Sie hat schon Leute in Würde eine Warnweste tragen sehen und ist deshalb überzeugt, dass Stil vor allem eine Frage der Haltung und des Kontexts ist. Diesem geht sie regelmäßig in dieser Kolumne auf den Grund.

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