Flugshow

Wie ein englischer Bastler einem alten Traum der Menschheit nachjagt – und versucht, das Jetpack neu zu erfinden.

In einer Scheune nahe Salisbury, England, testen Richard Browning und sein Team ihre Erfindungen. 

Die Piloten sind schlank und muskulös. Mit schnellen, geübten Bewegungen legen sie ihre Fluganzüge an: den Nierenschutz, die schweren schwarzen Lederstiefel, die flammenfesten Hosen, die Schwimmweste, den mit Kerosin gefüllten Rucksack. Sie stecken sich gelbe Stöpsel in die Ohren, packen große schwarze Kopfhörer darüber und schwarze Helme mit verdunkelten Visieren. Dann hieven sie sich die Triebwerke auf den Rücken und ziehen die Gurte fest, die sie sich um Beine und Brust gespannt haben. Schließlich gleiten ihre Hände in zwei Metall-Manschetten,

Die drei Männer stellen sich am Rand des Hafenbeckens von Gloucester auf, einer etwas heruntergekommenen Stadt im Südwesten Englands. Das Wasser vor ihnen ist braun und trüb. Die Wolken über ihnen sind regenschwer, im Juni 2019.

Richard Browning, der Erfinder der Maschinen, die sie auf ihren Rücken tragen, drückt den Knopf in seiner rechten Hand, der die Triebwerke anlässt. Sein Jetpack fährt mit einem Heulen hoch. Die zwei anderen Piloten folgen ihm. Die Luft über dem Beton beginnt vor

Plötzlich quillt grauer Rauch aus der Arm-Turbine des Piloten, der rechts neben Browning steht. Dichter Qualm hüllt die kleine Gruppe von Zuschauern ein, die sich am Pier versammelt hat. Für einen Moment sieht es aus, als ob der Arm des Piloten brennt. Es

Der Rauch legt sich rasch, ohne Feuerlöscher. Was bleibt, ist das Gefühl, dass hier sehr schnell sehr viel schiefgehen kann. Dass es kein Spiel ist, dem man zuschaut.

Browning, der Mann, der das Jetpack gebaut hat, ist 41 Jahre alt, was man

Als Kind war er umgeben von Männern, die Flugzeuge bauten oder flogen. Ein Großvater

»Zuerst ist da immer die Versuchung, etwas Konventionelles zu machen, das einen Steuerknüppel und

Erfahrung hatte er so gut wie keine, nicht einmal eine Pilotenlizenz. Als junger Mann

Es begann das Experiment eines relativ gut informierten Laien. Im März 2016 befes­tigte er

Browning kaufte etwas Kerosin, Jet A1, und startete die Turbine in seiner Garage. »Das

Das nächste Mal fuhr er aufs Land. An einer verlassenen Landstraße ließ er den

Browning überzeugte einen Bauern, dessen Scheune weit draußen auf dem Land als Übungsgelände benutzen

Zunächst machte es Spaß. Es war Sommer, es war warm, und sie alle waren

Dann wurde es Herbst und Winter. Es wurde kalt. »Er ist wochenlang nur rumgesprungen«,

Browning befestigte die sechs Turbinen an den Beinen und Armen. Die Beine haben die

Neben der Stabilität gibt es ein anderes Problem: Während die Triebwerke laufen, verbrauchen sie

Brownings erster Flug war schließlich eine labile Angelegenheit von sechs Sekunden, in kaum einem

Browning ist nicht der Erste, der sich an einem Jetpack versucht hat. Seit den

Der erste freie Flug mit einem Jetpack fand am 20. April 1961 statt, auf

An einem kalten Frühlingstag – die Temperaturen lagen knapp über dem Gefrierpunkt zwischen dem

Graham öffnete ein Ventil. Das Wasserstoffperoxid strömte auf seinem Rücken über eine dünne Platte

Die Maschine konnte fliegen – aber selbst wenn man den Tank bis ans Maximum

Der Erfinder des ersten Jetpacks, der Ingenieur Wendell Moore, brach sich die Knieschiebe, als

Aber für einige Zeit scherte sich niemand besonders um die Nachteile der Maschine. Bei

Bell legte ein Programm mit Hunderten Showvorführungen auf. Sie zeigten das Jetpack Journalisten und Politikern. Die New York Times meinte am 9. Juni 1961, die Zukunft des modernen Soldaten vor sich zu sehen. Das Wissenschaftsmagazin Popular Science versprach, dass die ersten Jetpacks in »zwei oder drei Jahren« zum Kauf stehen würden. Außerdem sei das Gerät »leicht zu fliegen«. Graham flog vor den versammelten Beamten des Pentagon und dem Präsidenten John F. Kennedy, der laut einem Zeitungsbericht »mit großen Augen und offenem Mund« zusah »wie ein Kind«. Es gab Showflüge auf Jahrmärkten, auf Messen und auf der Weltausstellung in New York. 1964 wurden 396 öffentliche Aufführungen veranstaltet, zwei Millionen Menschen sahen das Jetpack in dem Jahr. 1965 flog Bill Suitor, der Bell-Pilot, als Stuntdouble für Sean Connery im James-Bond-Film Feuerball. Bond sagt in dem Film über das Jetpack: »No well dressed man should be without one.« (In der Synchronisation nicht ganz so schön: »Zum korrekten Anzug das passende Gerät.«)

Es brauchte nüchternere Menschen, um die Schwächen zu sehen. Die Planer der US-Armee erkannten,

Das Jetpack wurde danach zu einer Erinnerung an eine Zukunft, die es nie gegeben

Aber die alten Jetpacks verschwanden nach und nach. Einige landeten in Museen. Einige wenige

Daedalus, der Vater von Ikarus, der sich und seinem Sohn die Flügel für den

Gasturbinen kennt man aus dem Flugzeug. Sie entwickeln große Schubkraft bei relativ niedrigem Verbrauch.

Doch Ende der Neunzigerjahre trat eine kleine Ingenieursfirma in Ballrechten-Dottingen, in der Nähe von

Das Jetpack ist auch eine Erinnerung an ein altes Modell des Fortschritts: die Utopie,

Der Anzug, den er unter Schmerzen erarbeitete, bestand schließlich aus sechs Mini-Turbinen, so ist

Zunächst sah man dem Anzug das Provisorische noch an. Die Elektronik steckte in einer

In der Zeit, als er die ersten erfolgreichen Flüge machte, schlief er kaum. Er

Nach einigen Wochen konnte Browning länger als eine Minute in der Luft schweben, konnte

Er zeigte Freunden den Anzug. Sein bes­ter Kumpel aus Schulzeiten sagt, dass er eigentlich

Im April 2017 stellte Richard Browning seinen Anzug US-amerikanischen Investoren vor. Nach einem Demonstrationsflug

Sein Vater hatte fast drei Jahrzehnte zuvor einen ähnlichen Weg eingeschlagen. Auch er hatte

Heute führt Browning auf dieses Erlebnis seine Rastlosigkeit zurück und seine Risikobereitschaft. »Ich hatte

Browning war in dieser Zeit nicht der Einzige, der Wagniskapital für einen Fluganzug bekam.

Und: Es fällt leicht, mit den neuen Maschinen Geld zu verdienen. Veranstalter zahlen bis

Aber innerhalb von zwei Jahren absolvierte er mehr als 80 Showflüge in aller Welt.

An dem Tag im Juni 2019 in Gloucester, England, als beim ersten Flugversuch das

Der zweite Versuch läuft besser. Er feuert seine Triebwerke an, zwei an jedem Arm,

Browning steht in der Mitte des Rauschens und Brausens still da, die Arme seitlich

Es ist nicht einfach, sich dem Sog dieses Anblicks zu entziehen. Man spürt den

Für einige Zeit hat auch Google über das Jetpack nachgedacht. Die Forschungsabteilung X, die

Teller lag mit beiden Vorhersagen nicht ganz richtig. Aber fast. Brownings Jetpack frisst nur

Eine einfache Lösung für diese beiden Makel ist nicht in Sicht. »Senkrechtes Abheben und

Das zweite Problem ist genauso fundamental: Kleine Triebwerke mit engen Düsen sind immer laut.

Was er letztlich sagt: Die Vernunft zwingt uns zurück in die Richtung eines ganz

Und natürlich ist da immer noch die Frage nach der Sicherheit. Browning fliegt bis

Es scheint eine Frage der Zeit, bis etwas fatal schiefgeht. Mindestens einer seiner Mit­bewerber

Browning sagt offen, er glaube nicht, dass irgendjemand bald mit seinem Fluganzug zur Arbeit

Die Kommerzialisierung des Gerätes ist genau wegen dieses Widerspruchs so verdruckst, so inkonsequent. Browning

Auf die Frage, was er denn nun erreichen möchte mit dieser Maschine, antwortet Browning

Vielleicht ist das der wahre Zweck des Jetpacks: dass es die Menschen hin und