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Nummer Eins der Woche

Von Nataly Bleuel und Boris Herrmann

Nummer Eins der Woche  68 Kommentare

Nummer Eins der Reue

Am Ende ihres Lebens haben Menschen der Schwester Bronnie Ware erzählt, was sie gerne anders gemacht hätten.  Über unerfüllbare Wünsche an die Vergangenheit.

Von Cornelius Pollmer

Es ist schwer, diese Welt zu verlassen, und es wird einem auch schwer gemacht. Sterben war nie schön, aber es war mal weniger kompliziert. Manches, das lebensverlängernd genannt wird, verlängert doch nur das Sterben. Und statt nach dem Leben auch noch sein Sterben zu optimieren, kann der Mensch wenigstens im Tod sich selbst genug sein – um über das Glück und die Versäumnisse seines Lebens nachzudenken.

Bronnie Ware hat viele Jahre als Krankenschwester in der Palliativmedizin und -pflege gearbeitet. Sie kümmerte sich um Patienten, die sich entschieden hatten, zuhause zu sterben. Bronnie Ware begleitete sie in den letzten Wochen ihres Lebens, manchmal waren es drei, manchmal zwölf. Sie sagt, Menschen wüchsen enorm, wenn sie sich mit ihrem eigenen Tod beschäftigten. Und sie hat auch Gemeinsamkeiten ausgemacht in dem, was Menschen bereuen, wenn sie auf dem Sterbebett liegen und die letzte große Revue passieren lassen. Fünf unerfüllbare Wünsche an die Vergangenheit hat sie besonders häufig gehört:

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1. Ich wünschte, ich hätte den Mut aufgebracht, ein Leben getreu mir selbst zu führen – anstatt eines, das andere von mir erwarteten.

2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.

3. Ich wünschte, ich hätte den Mut aufgebracht, meine Gefühle zu zeigen.

4. Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben.

5. Ich wünschte, ich hätte mich glücklicher sein lassen.

Man könnte jetzt sagen: wie banal das alles ist, esoterische Sommerakademie, Glücksratgeberliteratur.

Man kann aber auch: Bronnie Wares Quintett ernst nehmen, dann erklären sich einem die Häufigkeiten. Man liest die Wünsche, nickt innerlich. Ein Mal, zwei Mal, wenn es schlecht läuft: häufiger. Das könnte in ein paar gute Vorsätze münden, jene aus der Silvesternacht haben sich Mitte Januar ja in aller Regel erledigt. Aber dann verließe einen doch irgendwann wieder der Mut – mehr Arbeit, weniger Gefühle, mehr Erwartungen.

Also: Vielleicht schon mal zu fragen anfangen, wenn man der Wiege noch näher als der Bahre ist.

Ich wünschte, ich…

… und?

Kommentare

  • Jürgen Seibold

    Danke für diesen Artikel !

  • san beakie

    oh, ich habe genickt und wie!
    aber weniger aus unstillbarer sehnsucht, mehr aus eigener erkenntnis bezüglich dieser universellen top-five – denn sie listet wirklich das wichtigste, das ALLERWICHTIGSTE.
    sobald man nur ein fünkchen darin investiert, blüht so vieles auf und versorgt uns mit frischer lust am leben, herrlich. also mal doch die 300 km reise zu den alten schulfreunden machen, mal nicht die eigene meinung aus scheu vor ablehnung hinterm berg halten … und sich lösen vom druck fremder erwartungshaltungen oder vereinnahmungen durch schein-pflichten. es funktioniert.
    und es sollte bereits in unseren schulen unterrichtet werden, damit wir aus manch bitteren vorgaben unserer eltern endlich lernen und das schuldgefühlgepäck vorangegangener generationen nun wirklich mal ablegen können.

    das quintett hängt nun über dem schreibtisch. vielen dank!

  • harun

    LEBENSFREUDE;) Jeder ist seinenes Glückes Schmied!Von NICHTS kommt auch wenig.Und demprimiert drauf kommen bring auch wenig.
    Mach was Du willsts wenn Du die Euronen hats dazu.
    Ansonsten :Pech gehat.

  • ELDO99DE

    Der Artikel hat mich sehr berührt. Ja, ich erkenne eigene Wünsche in einigen Punkten wieder. Nachdem ich vor einigiger Zeit verlassen wurde, begriff ich erst, was es bedeutet das eigene ICH zu leben, leben zu müssen. Nicht nur für die Anderen da sein. Gefühle zeigen, auch als Mann, seinen Freundeskreis zu pflegen, usw. Trotzdem fällt es mir immer noch schwer, die Punkte 1 und 5 der Liste wirklich wahr werden zu lassen. Warum das so ist, keine Ahnung. Ich arbeite daran…….

  • Daniel Fernholz

    Ich habe diesen Weg jetzt beschritten und es fühlt sich gut an! Ich bin jetzt 54 Jahre alt und versuche ab sofort mein Leben als Musiker zu leben. Musik war von jeher meine große Liebe und ich habe sie so viele Jahre wie ein “Hobby” behandelt… Jetzt fange ich an und lerne: Noten, Skalen, Studiotechnik, Website gestalten (www.daniel-fernholz.de) – all das gibt mir eine tiefe Zufriedenheit wie ich sie Jahre, teilweise Jahrzehnte nicht hatte. Es fühlt sich noch ein bißchen fremd an aber ich spüre es tief in mir: das ist mein Ding! Auf dem “Sterbebett” wünsche ich mir Zeit, um mich einfach nur mit dem Sterben zu beschäftigen und ohne großes Bedauern gehen zu können.
    Daniel Fernholz

  • paula

    es scheint einfacher und bodenständiger zu werden wenn es auf die große Reise geht.. hört sich jedenfalls nicht kompliziert an, deshalb vergisst man es vielleicht auch schnell wieder..ach ja @ harun: am Leben erfreun kann man sich auch ganz ohne Euronen, und sich an dem erfreuen zu können was man eben im Augenblick tun muss das ist echt ne Riesenfreude;-)

  • Rainer Baumann

    Da kann ich nicht klagen: Ich habe mein ganzes Leben so gelebt, wie ich es wollte. Jetzt bin ich 66 und bereue nichts.

  • R@Z€

    Vielleicht ist es auch einfach die Frage aller Fragen: was bleibt von mir, wenn ich gehen muss?

    Was habe ich bewegt, außer meinen Kontostand?

    Was habe ich getan, um in den Gedanken meiner Familie, Freunde und Bekannten weiter zu leben. War ich lediglich der nette Fußballfan von nebenan oder war ich „Gedankenpflanzer“, Mammonsammler oder Weltverbesserungsversucher?

    Wofür habe ich gekämpft und welche Welt hinterlasse ich meinen Kindern?

    Ganz unspirituell: „Bitte sag mir, dass ich ein gutes Leben geführt habe.“ (Der Soldat James Ryan)

  • Lesestoff – DenkfabrikBlog.de

    [...] Nummer Eins der Reue Am Ende ihres Lebens haben Menschen der Schwester Bronnie Ware erzählt, was sie gerne anders gemacht hätten. Über unerfüllbare Wünsche an die Vergangenheit [...]

  • Stefan

    Schön, dass ihr das entdeckt habt.

    Lauretta hat schon mal weitergedacht:

    http://life-on-mission.com/2012/01/02/5-garanten-fur-ein-leben-und-ein-sterben-frei-von-bedauern/

  • Lustvoll ins Fettnäpfchen treten. Wenn wir nur könnten. | der inspirationsblog.ch

    [...] Magazin der Süddeutschen Zeitung brachte jüngst einen Artikel mit dem Titel Nummer Eins der Reue. Er handelt von dem, was zahlreiche Patienten der Schwester Bronnie Ware auf dem Sterbebett [...]

  • Ben Karpfen

    Besonders Punkt 5 hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich denke, viele Leute lassen ihr Glück selbst nicht zu… Grüße aus Hamburg!

  • Pije

    sagt:Hallo Alper.Ich danke dir!Dein fand ich sehr gut. Auch dein zum Thema tirfft den Nagel auf den Kopf.

  • Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bedauern | niezualt

    [...] Überschrift las ich in einem Bericht einer großen Tageszeitung ( oder hier, hier und hier [...]

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