Der Callboy von der Tankstelle
Ein Callboy der Vierziger Jahre packt über seine Affären mit Cary Grant, Edith Piaf, Spencer Tracy und Katharine Hepburn aus.
Von Michaela Haas
(Foto: Cary Grant und Katharine Hepburn in The Philadelphia Story, USA 1940, dpa)
“Ich kannte Hollywood wie kein anderer”, prahlt Scotty Bowers, 88, im Vorwort zu seinem neuem Buch Full Service: Meine Abenteuer in Hollywood und das geheime Sexleben der Stars. “Was auch immer die Leute wollten, ich hatte es. Ich konnte alle ihre Fantasien wahr werden lassen. Egal, wie ausgefallen oder ungewöhnlich es die Leute haben wollten, ich war derjenige, der wusste, wie sie genau das bekommen konnten, was sie suchten. Hetero, schwul oder bi; männlich oder weiblich; jung oder alt – ich hatte was für jeden.“
Full Service erscheint in Amerika erst in zwei Wochen, aber seit die New York Times an diesem Wochenende ein Interview mit Scotty Bowers druckte, streitet sich Hollywood über die Frage, ob Bowers intime Geschichten stimmen, oder ob er sie nur gut erfunden hat, um das Buch besser zu verkaufen.
Bowers, 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg frisch aus der Marine entlassen, fand einen Job als Tankstellenwart auf dem Hollywood Boulevard in der Nähe der Paramount Studios. Er beschreibt, wie er, 23jährig und blauäugig, an der Tankstelle stand, als der Schauspieler Walter Pidgeon in einem zweisitzigen Cabrio vorfuhr und ihm 20 Dollar für eine schnelle Nummer bot. “Es war der Beginn von unglaublichen, trunkenen Tagen, wild erotisch und unbeschwert”, schwärmt Bowers in dem Buch. Schnell sprachen sich seine Dienste herum, und er begann, gutaussehende Kumpels von der Marine für Frauen und Männer im Filmbusiness zu vermitteln.
Auf 286 Seiten schildert Bowers, wie er Stars wie Rita Hayworth und Katharine Hepburn Bettpartner nach Wunsch besorgte. Alleine der Hepburn habe er “mehr als 150 verschiedene Frauen vermittelt.” Bowers sagt, er hätte die größten Stars der Ära in seinem Kundenregister gehabt: Cary Grant, George Cukor und Rock Hudson. Er selbst habe mit Edith Piaf, Spencer Tracy, Vivien Leigh und Cary Grant das Bett geteilt. Auch ein flotter Dreier mit dem Duke of Windsor und seiner Frau Wallis gehört zu den skandalösen Geständnissen in seinem Buch, das prompt scharfe Reaktionen hervorrief.
Er sei nur ein schillerndes Großmaul, dessen Behauptungen man alle nicht überprüfen könne, kontern Menschen aus dem Umfeld der Leinwand-Ikonen von damals. Aber Matt Tyrnauer, der gerade einen Dokumentarfilm über den gealterten Liebesknaben dreht, ist anderer Meinung: “Wenn man ihm glaubt, wie ich es tue, dann ist er wie ein lebendiger Kinsey Report in schillernden Farben.” Autor Gore Vidal empfiehlt die Lektüre auf seiner offiziellen Website. “Ich kenne Scotty seit Ewigkeiten”, schreibt Vidal, “er lügt nicht – wie die Stars manchmal – und er kennt jeden.”
Bowers war in den Anfangsjahren seiner Callboy-Karriere verheiratet, mit Donna, der Mutter seiner Tochter Betty, aber das häusliche Leben wurde ihm schnell langweilig. Aufregender waren die berühmten Besucher an seiner Tankstelle, schreibt Bowers, ihre eindeutig-zweideutigen Einladungen und die Swimmingpool-Partys – nicht zuletzt weil er hinter die prüde Leinwand-Fassade Hollywoods blicken durfte.
Drei Jahrzehnte lang war Bowers angeblich der Bestellknabe vom Dienst. Es war die Zeit der Schwulenrazzien, auch ihm sei die Polizei mehrmals auf den Schlichen gewesen, habe ihn aber nie in flagranti ertappen können. Die Tankstelle war ein unverfänglicher Treffpunkt als Schwulenkneipen oder Bars. Erst in den Achtziger Jahren, als Aids den unbeschwerten Partys ein Ende setzte, habe er abrupt aufgehört. Er lebt nun in den Hollywood Hills und ist seit 27 Jahren mit seiner zweiten Frau Lois verheiratet.
In seinem Vorwort schreibt er, er habe lange gezögert, die Details seiner Dienste zu beschreiben, weil er die Privatsphäre seiner Liebhaber schützen wollte. “Ich habe all die Jahre geschwiegen, weil ich diese Leute nicht verletzen wollte”, sagte Bowers der New York Times. “Und ich habe auch nie die Faszination verstanden. Sie mochten eben Sex wie sie ihn mochten. Wen geht das was an?”
Auf die Frage der New York Times Interviewer, warum er denn nun sein Schweigen breche, sagte Bowers, er sei über Jahre mit Film- und Buchangeboten überhäuft worden – und habe schließlich ja gesagt, weil alle seine berühmten Kunden nun tot seien: “Die Wahrheit kann ihnen nicht mehr wehtun.” Und sie können sich auch nicht mehr wehren.
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17 Uhr 50
Mich wundert der link auf die Amazon-Seite. Gibt es da ein Abkommen mit der SZ?
08 Uhr 10
das so etwas überhaupt hier gedruckt wird ist schon eine Schande ansich!
12 Uhr 23
Auch ohne das Buch zu kennen: Viel mehr als Kenneth Anger’s zweibändiger Skandaltitel “Hollywood Babylon” von 1959 wird es wohl kaum zu bieten haben. Die schwul-lesbischen Affären von Cary Grant, Katherine Hepburn oder Joan Crawford et alii – sorry, aber das sind alles olle Kamellen!
16 Uhr 36
Der Mann ist, wie mir scheint, ein bisschen spät dran. Wer will denn dieses Sex-Geschwafel heute noch lesen?