“Whitney, we love you”
Die Stars bei der 54. Grammy Awards Gala gedenken Whitney Houston, Etta James und Amy Winehouse
Von Michaela Haas
(Whitney Houstons Tod war das bestimmende Thema der Grammy-Verleihung. Foto: Reuter)
Mit der merkwürdigen Mischung aus Anteilnahme und der Hilflosigkeit von wohlmeinenden entfernten Verwandten beobachteten wir, wie Whitney Houston vor unseren Augen starb, auf Raten, über viele Jahre. Nun, da sie tatsächlich tot ist, mischt sich die Trauer mit dem bedrückenden Gefühl, dass sich ihr Ende für alle sichtbar angekündigt hat. Und all die vielen Stars, die am Sonntagabend in Los Angeles mit bewegenden Worten ihre Zuneigung und Bewunderung ausdrückten, ihre Freundin und Kollegin nicht mehr erreichen konnten. Vielleicht fasste es Barbra Streisand vor der Show am besten zusammen: “Sie hatte alles, Schönheit, eine traumhafte Stimme. Wie traurig, dass ihre Gaben sie selbst nicht so glücklich machen konnten wie uns.”
Es war passend und unpassend zugleich, dass sich die größten Entertainer der Welt am Tag nach Whitney Houstons plötzlichem Tod zur “größten Nacht der Musik” im Staples Center in Los Angeles einfanden, um sich selbst, die Musik, und Whitney Houston zu feiern. In dieser Reihenfolge. Bruce Springsteen eröffnete wie geplant die Grammy-Verleihung mit seiner neuen Single “We Take Care of Our Own.“
Der Kreis schloss sich in geradezu unheimlicher Weise: Kaum war Whitney Houston am Samstag im vierten Stock des Beverly Hilton Hotel in der Badewanne gestorben, schon wurde nur Stunden später einige Stockwerke tiefer eine Party zu ihren Ehren gefeiert – ausgerechnet jene Gala, mit der ihre Karriere begonnen hatte. Ihr Entdecker und Mentor Clive Davis hatte sie vor 28 Jahren bei seiner jährlichen Pre-Grammy-Party zum ersten Mal dem Hollywood-Publikum vorgestellt und an diesem Wochenende stand er hier, um sich von ihr zu verabschieden.”Ich bin am Boden zerstört durch diesen Verlust eines Menschen, der mir soviel bedeutet hat,“ sagte Davis, während Quincy Jones, Tony Bennett, Mary J. Blige, Jennifer Hudson und Alicia Keys im Publikum standen. Aber dann eröffnete Davis die Party: “Whitney hätte gewollt, dass die Musik weiterspielt.“
So entschieden sich auch die Veranstalter der Grammy-Verleihung, die Show nur geringfügig umzubauen. Nach Springsteens Eröffnungsakt stoppte Moderator L. L. Cool J. die Show mit einem Gebet. „Wir hatten einen Tod in der Familie,“ eröffnete der Rapper, „und deshalb kann ich nur mit einem Gebet beginnen: Vater unser im Himmel, wir danken dir, dass du unsere Schwester Whitney mit uns geteilt hast.“
Bruno Mars rief die Besucher auf, im Andenken an Whitney ihr “reichen Ärsche“ von den Stühlen zu heben, Stevie Wonder schickte eine Liebeserklärung an “Whitney im Himmel“, Steve Martin sprach von einem “traurigen, traurigen Tag”. Eigentlich hätte Chaka Khan ein Tribut an Houston singen sollen, aber eine Stunde vor Beginn der Grammy-Verleihung zog die Souldiva ihre Zusage zurück. Sie kannte Houston von klein auf. Schon als Teenager hatte Whitney Houston für Chaka Khan als Background-Sängerin gesungen. “Ich trauere um den Verlust meiner Freundin und ‚kleinen Schwester‘“, sagte Chaka Khan. “Ich finde es nicht angemessen, zu diesem Zeitpunkt zu singen.“
Sie überließ anderen Künstlern das Privileg, der verstorbenen Legenden zu gedenken. Ganz in Schwarz gekleidet, erinnerten Bonnie Raitt und Alicia Keys mit “Sunday Kind of Love” an die kürzlich in Kalifornien verstorbene Etta James. ”Gestern wurden wir wieder daran erinnert,“ sagte Alicia Keys, ein fanatischer Houston-Fan, “dass ihr Erbe weiterlebt, wenn uns große Künstler verlassen.“
Jazz-Ikone Tony Bennett und die verstorbene Amy Winehouse gewannen den Grammy als das beste Popduo für “Body and Soul.” Bennett holte die Eltern von Amy Winehouse zu sich auf die Bühne. “Nicht wir, sondern unsere Tochter sollte hier sein,“ sagte Amys Vater Mitch, “aber das sind die Karten, die uns zugeteilt wurden.“
Bennett hatte am Abend zuvor im Beverly Hilton die Pre-Grammy Gala eröffnet. Bizarrerweise nahm er ausgerechnet Houstons Tod zum Anlass, die Legalisierung von Drogen zu fordern. “Zuerst war es Michael Jackson, dann Amy Winehouse, jetzt die wundervolle Whitney Houston. Lasst uns Drogen legalisieren, wie in Amsterdam.“
Bennetts Forderung klang umso absurder, als die einschlägigen Klatschkanäle Gerüchte verbreiteten, Houston habe vor ihrem Tod Xanax genommen, ein starkes, verschreibungspflichtiges Beruhigungsmittel, das sie angeblich regelmässig vor öffentlichen Auftritten schluckte. “Sorry,“ sagte Songwriterin Diane Warren auf dem roten Teppich bei den Grammys, “[Whitney] hat die Medikamente von ihrem Arzt verschrieben bekommen. Bennetts Bemerkung war unangemessen.“

(Jennifer Hudson gedenkt Whitney Houston. Foto: Getty)
Am besten und emotionalsten beschwor Jennnifer Hudson den Geist ihres Idols. Im abgedunkelten Staples Center ruhte nur ein einsamer blauer Lichtkegel auf ihr, als sie eine anrührende Version von Houstons erfolgreichstem Lied sang: “I Will Always Love You.“ Zum Ende änderte Hudson den Refrain zu “Whitney, we love you.“ Hudsons zartes, scheinbar müheloses Spiel mit den Oktaven bewies gleichzeitig, wie stark Hudson ist und wie unerreichbar Whitney Houston. 1994 hatte Houston die Grammy-Besucher mit einer dramatischen Version von Dolly Partons Lied überwältigt, Hudson dagegen begann ihren Tribut a capella und schien zeitweise die Tränen nur mühsam zu unterdrücken.
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03 Uhr 02
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08 Uhr 51
Warum postet ihr youtube Videos die in De gar nicht zugelassen sind?