Anzeige

PromiLeaks

Life is a beach. Der ironische Seitenblick auf Stars und Sternchen

PromiLeaks  7 Kommentare

Die Vagina-Dialoge

Prominente Frauen erzählen, was ihre Schamlippen nicht zu sagen wagen.

Von Michaela Haas

Mit überlebensgroßen Vaginas protestierten die Feministinnen von Code Pink beim Parteitag in Tampa gegen die Politik der Republikaner.

Die Vagina ist gerade stark im Kommen. Ja, das meine ich ganz wörtlich. Erst hat sie ihre eigene Autobiografie veröffentlicht (aufgeschrieben von der Feministin Naomi Wolf, die wir vor 20 Jahren einmal für ihr bahnbrechendes Buch Beauty Myth verehrt haben: Vagina: Eine neue Biografie). Dann nahm eine Truppe gigantischer Vaginas am republikanischen Parteitag in Tampa teil, um gegen die konservative Frauen-Politik zu präsentieren. „Read my lips“ war einer ihrer netteren Slogans.

Die Renaissance der Vagina ist umso bemerkenswerter in Amerika, weil die prüden Amis dort normalerweise jedes Erwähnen von Fortpflanzungsorganen im Fernsehen sofort züchtig wegpiepsen. Redner üben sich dort meist in verschämten Euphemismen (Huha, Muffin, Papaya). Als die Abgeordnete Lisa Brown in Michigan das V-Wort während einer Debatte über Abtreibung erwähnte, („Ich fühle mich geschmeichelt, daß ihr euch alle so für meine Vagina interessiert. Aber nein heisst nein!“) wurde sie prompt von der Rednerliste gestrichen. So was gehört sich nicht. Sie konterte die Verbannung mit einer Lesung von Eve Enslers Theaterstück Die Vagina-Monologe vor 2500 Zuhörern auf den Treppenstufen zum Abgeordnetenhaus. Jetzt erst recht: „Die Vaginas sind nun draussen”, rief Ensler unter tosendem Applaus, „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

Und nun bleibt die Vagina, ehm, in aller Munde. Wie Naomi Wolf weiss, “ist die Vagina auch Teil der weiblichen Seele, ein Tor zu und Medium für weibliche Selbsterkenntnis und Bewusstsein an sich.” Naomi Wolf diagnostiziert eine “profunde Vagina-Gehirn-Verbindung.” Das scheint zu bedeuten, dass tatsächlich Nervenbahnen zwischen Unter- und Oberleib verlaufen. Wir haben es immer schon geahnt.
Seit Naomi Wolf gestand, sie habe ihren „Super-Technocolor-Orgasmus“ durch einen Nervendefekt verloren und mehrere Arztbesuche und 400 Buch-Seiten gebraucht, um ihn zurückzugewinnen, gibt es kein Halten mehr. Die Vagina hat eine eigene Stimme bekommen. Sie schreibt, hat Stimmrecht (siehe den Huffington-Post Blog „Warum meine Vagina für Barack Obama stimmt“), rappt, singt, und gibt jetzt auch Interviews. Naturgemäss ist der Chor der Schamlippen vielstimmig: Die Vagina der Rapperin Awkwafina spricht nach Aussage ihrer Besitzerin fünf Sprachen, Nicki Minajs rappt eher wie Mozart („He make my pussy say ‚Ah!‘ like it’s Mozart.“), Christina Aguileras geniesst größtmögliche Freiheiten: “Ich trage nicht gerne Unterwäsche, weil ich jederzeit so frei wie möglich sein möchte. Ich bin einfach so. Es ist Pussy-Power!“

Wird die Vagina zu sehr eingeengt, besteht offenbar Erstickungsgefahr. Auch dies ist ein neues, prominentes Phänomen. Besonders große Sorgen machten wir uns um Olivia Wildes Unterleib, denn der wäre nach ihrer Scheidung beinahe an Langeweile zugrunde gegangen. “Es fühlte sich an, als wäre meine Vagina gestorben”, teilte die Schauspielerin dem Branchenorgan Vulture.com mit. „Abgeschaltet. Lichter aus. Man kann den Verwandten beim Weihnachtsessen was vorlügen und sagen, alles sei rosig, aber du kannst deine eigene Vagina nicht anlügen.” Wir können alle aufatmen: Mit dem Komiker Jason Sudeikis hat Wildes Vagina nun nach eigenem Bekunden „Sex wie kenianische Marathonläufer“. Abgesehen davon, dass vermutlich auch kenianische Läufer nach einem Marathon wenig Kraft für weitere Leibesertüchtigungen haben, freuen wir uns über die wieder gut durchbluteten, rosigen Wangen von Olivia Wilde: „Es gibt keinen Grund, dein Frausein und deine Weiblichkeit zu opfern”, lässt sie alle Geschlechtsgenossinnen wissen. „Männer sind nicht die einzigen, die mit ihren Genitalien denken dürfen.“

Aber nein, auch die Genitalien von Frauen dürfen denken, lästern, und in einen klitoralen Konkurrenzkampf treten. Wie Awkwafina rappt: „My vag won Best Vag/Your vag won Best Supporting Vag“. Alle Vaginas sind sich offensichtlich einig in ihrer grundlegenden Überlegenheit dem anderen Geschlecht gegenüber. Wieder Awkwafina: “Eine Vagina ist 50 Mal besser als ein Penis.“

Wie gut, dass meine Vagina nicht lesen kann. Den Lachanfall über die Weisheiten ihrer Geschlechtsgenossinnen würde sie vielleicht wirklich nicht überleben.

Anzeige

Kommentare

  • Argonaut

    Meine Güte, das wurde aber auch Zeit. Aber die meisten Mädels, vor allem die älteren, sind noch lange nicht so weit.

  • Konstantin Dedreux

    Das Ganze kommt mir vor wie ein Kinderspiel: diebische Freude daran, das verbotene Wort möglichst oft auszusprechen.

  • McLovin

    Zu dem Video fällt mir doch glatt das Lied “My Dick” von Mickey Avalon ein ;)

  • Seiferth, Roland

    Bortloser und sinnloser Journalismus.

  • Antonia Geyr

    Aha. Na dann mal zu wichtigen Themen…!

  • Sammler

    Die Rede ist ständig von Vagina, aber da ist sprachlich etwas durcheinander geraten. Wie auch die Bilder der Frauen-Demos zeigen, geht es um die Vulva, gekennzeichnet durch die Schamlippen, nicht um die innen liegende nicht sichtbare Vagina.

  • Nina

    Ja das Thema Vagina verstehen aber die meisten Männer nicht:-)