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PromiLeaks  2 Kommentare

Pferdemist vor Gericht

Wie sich ein Täter zum Opfer stilisiert: R&B-Sänger Chris Brown muss sich dem Vorwurf stellen, er habe beim Ableisten seiner Sozialstunden geschummelt – hinterher jammert sein Anwalt, Brown sei von den Staatsanwälten "gefoltert" worden.

Von Michaela Haas


Chris Brown vor Gericht. (Foto: Reuters)

Dass Chris Brown ausgerechnet jetzt wieder vor Gericht muss, kommt ihm zeitlich ungelegen. Fast muss man befürchten, dass die Bezirksstaatsanwältin von Los Angeles den Veranstaltungskalender ihrer eigenen Stadt nicht kennt. Weiß sie denn nicht, dass am Sonntag die Grammys verliehen werden und Chris Brown und Rihanna beide nominiert sind? Da hat Brown Besseres zu tun, als stundenlang in einem Gerichtssaal zu hocken, für so eine renommierte Preisverleihung muss doch geprobt werden! Sein Verteidiger fand dann auch gleich die richtigen Worte dafür, was von diesem Gerichtstermin zu halten sei: “Pferdescheisse!”

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Jawohl, dieser Mist stinkt in der Tat zum Himmel. Wofür war denn die Vorladung überhaupt schon wieder? Man verliert ja leicht den Überblick. Ging es um den Diebstahl des iPhones, das Brown letztes Jahr einer Verehrerin in Miami aus der Hand riss, nachdem diese damit Fotos von ihm geschossen hatte? Ach so, während sie unsereins schon mit Gefängnis drohen, wenn wir einen Strafzettel nicht bezahlen, weigerten sich die Staatsanwälte in Florida, Browns Ausraster weiter zu verfolgen, der Diebstahl war ihnen zu “geringfügig.” War es wegen der Prügelei mit Sänger Frank Ocean auf einem Parkplatz in West Hollywood vom 27. Januar? Angeblich sollen Brown und seine Kumpane Ocean nicht nur übel zugerichtet, Brown soll ihm sogar gedroht haben: “Wir können dich auch hochgehen lassen.” Nein, dafür war die Vorladung auch nicht. Obwohl unbestritten ist, dass Brown als erster zuschlug, will Ocean nicht Anzeige erstatten. “Vergebung, auch wenn sie schwer fällt, ist Weisheit. Ich will Frieden”, sagte der weise Ocean, und die Sheriffs wollen den Fall zu den Akten legen. Oder war es für seinen Auftritt bei der Sendung “Good Morning America” vor zwei Jahren, als er einen Stuhl durch ein Fenster schmetterte, weil ihm eine Frage der Moderatorin nicht gefiel? Nein, daraus auf eine Neigung zu Gewaltausbrüchen zu schliessen, wäre völlig falsch, schliesslich kamen dabei nur ein Stuhl und ein Fenster zu Schaden.

Bei der Vorladung diese Woche ging es wieder einmal um Browns Attacke auf Rihanna im Januar 2009. Ja, die Bilder von Rihanna mit dem blutig gehauenen Auge waren dramatisch, er hatte sie gewürgt und geschlagen, aber bitte, das Blut ist längst getrocknet, die Wunden sind verheilt, und Rihanna erschien sogar Arm in Arm mit ihm zum Gerichtstermin – so schlimm kann es also nicht gewesen sein. Brown wurde damals für die Prügelattacke zu fünf Jahren auf Bewährung und 180 Tagen Sozialdienst verurteilt, das sollte doch genügen.

Aber natürlich ist es für einen Superstar nicht einfach, 180 Tage Zeit zum Putzen und Müllsammeln zu finden, das weiß jeder, der verfolgt hat, wie Lindsay Lohan und Naomi Campbell einst ihre Sozialstunden ableisteten. Brown gab zum Beispiel an, er hätte an einem Tag zwischen 10.00 Uhr und 18.00 Uhr Müll gesammelt, tatsächlich bestieg er bereits um 16.00 Uhr ein Privatflugzeug nach Cancun. An einem anderen Tag las er angeblich in Richmond, Virginia, Müll auf, aber dummerweise fotografierten ihn Paparazzi zeitgleich 100 Meilen entfernt in Washington, wo er eine Benefizveranstaltung für behinderte Jugendliche moderierte.

Nur eine missgünstige Bezirksstaatsanwältin kann daraus konstruieren, es gebe “signifikante Ungereimtheiten, die bestenfalls schlampige Dokumentierung und schlimmstenfalls betrügerische Berichte” nahelegen. Für Fans ist klar, dass Brown das Unmögliche möglich gemacht hat: gleichzeitig Müll sammeln und anderswo Behinderten helfen, das muss ihm erst mal einer nachmachen.

Mit etwas Wohlwollen lässt sich alles aufklären. 500 Stunden gemeinnützige Arbeit leistete Brown beispielsweise im Kinderheim von Tappahannock, Virginia. Das liegt abgelegen auf dem Land, da kann natürlich nicht jeden Tag ein Sheriff nachprüfen, ob Brown wirklich die Böden blank wienert, wie es in seiner Akte steht. Also macht es Sinn, Browns eigene Mutter zu bitten, die Aktivitäten ihres Sohnes zu dokumentieren. Schliesslich war seine Mutter dort jahrelang Direktorin. Dumm nur, dass sie offensichtlich vergaß, dem zuständigen Hausmeister Bescheid zu sagen. Der hat nun der Bezirksstaatsanwältin erzählt, er putze die Böden seit acht Jahren selbst. Dass jemals ein anderer die Böden geputzt habe, habe er nicht bemerkt.

Ist doch logisch: Wenn der Mann jedes Mal zu 180 Tagen Putzen verurteilt wird, wenn er jemanden verprügelt, dann kommt er doch gar nicht mehr zum Singen (“Don’t Judge Me”)! “Ein Tag in meiner Haut ist ein Tag in der Hölle!”, jammerte ein gewisser “ChrisRealBrown” kürzlich auf seinem Instagram-Account. “Ich bin ein menschliches Wesen und ehrlich gesagt denke ich, dass ich Respekt verdiene.” (Es bestehen allerdings Zweifel daran, ob es sich beim Absender wirklich um den ‘real’ Brown handelt.)

Respekt! Genau! Gerade sehr reiche, sehr erfolgreiche und sehr berühmte Männer sollte man nicht urplötzlich mit der Aussicht erschrecken, sie könnten einmal nicht ungestraft davon kommen, wenn sie jemand anderen blutig schlagen. Die Disziplinarmaßnahmen sollte man der Mutter des Täters, seiner Freundin und seinen Kollegen überlassen, die wollen schliesslich nur sein Bestes. Die Drohungen der Staatsanwaltschaft, Brown ins Gefängnis zu schicken, wenn er sich nicht bessert, sind in diesem Zusammenhang völlig fehl am Platz. Browns Anwalt hat die Staatsanwälte dementsprechend als “paranoid” und “schizophren” beschimpft. Bei einer Pressekonferenz nach der Anhörung wütete er, noch nie sei einer seiner Klienten von der Staatsanwaltschaft derart “gefoltert” worden.

In der Tat, aus gegebenem Anlass erinnern wir an vergleichbare Fälle aus der jüngeren Vergangenheit: Mel Gibson wurde wegen einer Prügel-Attacke auf seine Ex-Freundin zu 16 Stunden Sozialdienst verurteilt. Er durfte seinen Dienst bei einer Kinderhilfsorganisation ableisten, die seine Frau leitete. Er liess sich also einfach zwei Tage lang lächelnd mit bedürftigen Kindern in Malibu fotografieren, und alles war gut. Charlie Sheen musste als Strafe dafür, dass er seine damalige Frau Brooke Mueller zu Weihnachten 2009 in Aspen verprügelt und mit einem Messer bedroht hatte, im örtlichen Theater eine Frage- und Antwort-Sitzung mit Schauspielschülern bestreiten. Es soll recht vergnüglich gewesen sein.

Dass derart drakonische Strafen für so geringfügige Vergehen wie das Verprügeln einer Frau verhängt werden, lässt nur einen Schluss zu: Die Staatsanwälte hoffen, ihre Lieblings-Stars möglichst bald wieder live mit neuen Delikten vor sich zu sehen. Die Strategie hat dann auch bisher bei allen sehr gut funktioniert.

Kommentare

  • mick

    Diesen Vollidiot sollte man einsperren!

  • Rameau

    Ihre Schreibweise gefällt mir; Leicht und eingängig!