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PromiLeaks  3 Kommentare

Basketball-Diplomatie: Ab ins Körbchen

Unser Diplomat in Nordkorea: Basketball-Legende Dennis Rodman. Wir hätten da noch weitere Vorschläge, wen wir gerne in den kalten Krieg schicken würden.

Von Michaela Haas


Freunde fürs Leben: Nordkoreas Diktator Kim Jong Un und die amerikanische Basketball-Legende Dennis Rodman entdecken Gemeinsamkeiten. (Foto: Reuters)

Wir haben uns noch nicht wirklich vom jüngsten Schock erholt, hat doch Nordkorea erst vor knapp zwei Wochen einen unterirdischen Atomwaffentest durchgeführt. Die Provokation ist gelungen: Ganz offensichtlich weiß kein Politiker mehr, wie man diesems Landes und seinems verrückten Diktators noch Herr werden kann. In dieser ausweglosen Lage naht ein Retter, aber nicht irgendeiner: “Es ist wahr!”, tweetete Basketball-Legende Dennis Rodman, 51, diese Woche. “Ich bin in Nordkorea. Freue mich darauf, mich mit Kim Jong Un zusammenzusetzen.”

Kim Jong Un? Ist der nicht viel zu klein zum Basketball spielen? Obwohl der Korb für ihn ein wenig hoch hängt, ist der nordkoreanische Diktator wie schon zuvor sein Vater als großer Basketball-Fan bekannt. Angeblich war er schon in den Neunzigern Fan der Chicago Bulls, als Rodman mit diesem Verein mehrere NBA-Championships holte. Im Internet kursierten sogar Fotos von einem sehr jungen Kim in Rodmans Bulls-Shirt mit der Nummer 91. Diesen Donnerstag setzten sich Rodman und Kim Jong Un tatsächlich zusammen und guckten gemeinsam ein Basketball-Spiel. Der Ex-NBA-Star wurde von drei Harlem Globetrotters in leuchtend roten Sportanzügen begleitet und erklärte der anwesenden Presse, er engagiere sich in “Basketball-Diplomatie.” Außerdem: “Obwohl die Beziehungen zwischen Nordkorea und Amerika leider nicht zum Besten stehen, bin ich persönlich ein Freund von Marschall Kim Jong Un und der demokratischen Volksrepublik von Korea.” Bei der Party im Diktatorenpalast nach dem Spiel ging der Körbchenjäger noch einen Schritt weiter. Laut der New York Times soll er dem Diktator erklärt haben: “Du hast in mir einen Freund fürs Leben.”

Eine Freundschaft furs Leben, wie schön. Freunde wird ein so einsamer, isolierter Diktator ja auch dringend brauchen. Angeblich erklärte Kim Jong Un, er hoffe, der Besuch Rodmans würde das Eis zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten brechen. “Ist es seltsam, die Harlem Globetrotters und Dennis Rodman in die Volksrepublik Korea zu schicken? In einem Wort: ja”, sagte Shane Smith, der Gründer des amerikanischen Medienkonzerns Vice, der den Nordkorea-Besuch für eine Dokumentation ausschlachten wird. “Aber auf dem Basketballfeld Gemeinsamkeiten zu entdecken, ist eine schöne Sache.” Das lässt im Rückblick auch den Titel von Rodmans Autobiografie in einem ganz neuen Licht erscheinen, der könnte nämlich auch über Kim Jong Uns Erinnerungen stehen: “Bad As I Wanna Be”. Wie Kim Jong Un machte bekanntlich auch Rodman mit Gegnern kurzen Prozess.

Bisher hatten wir Gerard Depardieu in der Kategorie “seltsamste Freundschaft eines ausrangierten Altstars mit einem Diktator” in der Favoritenrolle gesehen, aber nun läuft ihm Dennis Rodman glatt den Rang ab.

Aus der Freundschaft kann indes nur Gutes erwachsen. Fangen wir bei den Äusserlichkeiten an: Bekanntlich ist Nordkorea das Land mit den strengsten Kleidungsvorschriften der Welt. Khaki-Uniformen gelten als das Dolce&Gabbana von Nordkorea, und von Tättowierungen bis hin zum Bartwuchs sind alle Verschönerungsversuche verboten. Da macht es Sinn, ausgerechnet den flamboyanten, tätowierten, gepiercten Rodman als Botschafter zu schicken, um den Nordkoreanern zu zeigen, was sie alles verpassen. Für seine farbenfrohen Frisuren war Rodman immerhin fast so berühmt wie für sein Spiel.

Rodman, Spitzname “der Wurm”, muss allerdings noch lernen, Nord- und Südkorea auseinanderzuhalten. Er hoffe, “vielleicht den Kerl von Gangnam Style zu treffen, während ich hier bin”, tweetete Rodman. Worauf Psy mit drei Ausrufezeichen dagegen schmetterte: “Ich bin aus dem SÜDEN, Mann!!!”

Übrigens: Was machen eigentlich Dieter Bohlen und Boris Becker gerade? Könnten wir den einen nicht nach Mali schicken, um die Jungs dort mit einer Eurodance-Attacke zum Waffenstillstand zu bewegen? Und den anderen nach Teheran, um Präsident Ahmadinedschad per “Tennis-Diplomatie” zum Einlenken im Atomstreit zu bringen?

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Kommentare

  • Mpm4l

    Die letzten Vorschläge haben mir den Tag versüßt :)))

  • Berlin

    Komisch, dass alle die ihr Wissen über Nordkorea nicht aus den Medien haben, Verständnis für das Land und seine Probleme haben?
    Auch in diesem Aufsatz sind wieder Unterstellungen enthalten, die nur gemacht werden, weil man in “Sicherheit” und weit weg ist.
    Ein Glück haben wir die Freiheit, uns wie Nutzvieh tätowieren zu lassen….

  • London

    nein, berlin. wir haben die freiheit selbst zu entscheiden ob wir uns wie nutzvieh tätowieren lassen wollen.