
Brigitte Zypries (54, im Bild), Justizministerin:
»Früher gab es das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns, heute brauchen wir eine moderne Wirtschaftsethik. Damit meine ich nicht, dass Unternehmen darauf verzichten sollen, Gewinn zu machen. Manager müssen aber die Konsequenzen ihres Handelns im Blick behalten: Ohne das gesellschaftliche Umfeld lässt sich auf Dauer kein wirtschaftlicher Erfolg erzielen.«
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Theo Waigel (69), ehemaliger Finanzminister: »Stärker als in den letzten Jahren erhalte ich Anfragen, ob ich bei der Vermittlung von Jobs behilflich sein könnte. Junge Juristen sind auf der Suche nach qualifizierter Beschäftigung. Als Schwabe, Bauernsohn und Exfinanzminister habe ich nie einen aufwendigen Lebensstil gepflegt. Dies gilt auch für meine Familie. Der offene Kamin und der Kachelofen werden öfter benutzt. Urlaubsplanungen sind weitgehend auf das eigene Land gerichtet. Allgäu, Ostsee und Nordsee bieten genügend Möglichkeiten. Ich will bei Einkommen und Versorgung unabhängig bleiben. Reichtümer strebe ich nicht an. Vier Hektar landwirtschaftliche Grundstücke verleihen mir eine gewisse Nahrungsmittelautarkie. Holz aus meinem Anteil am Gemeindewald schützt mich vor Kälte.«
Maria Thanner (57), Einzelhandelskauffrau für Kleidung und Schmuck:
»Ich glaube, dass man nicht Einzelne für die Krise verantwortlich machen kann, sondern dass das systemimmanent ist. Wir leben nun mal im Kapitalismus, wo es darum geht, möglichst viel anzuhäufen.«
Robert Meier (43), Schreibwarenhändler:
»Ich habe keine Angst. Wir hatten doch schon immer Krisen, und auch diese Krise wird vorbeigehen. Für mich ändert sich nicht viel, ich hab schon immer wenig Geld gehabt.«
Isabella Tsiolis (40), Innenarchitektin:
»Mein zehnjähriger Sohn hat mich gestern gefragt, was er studieren soll, damit er in seinem Beruf einmal sicher Geld verdienen wird.«

Michael Maendler (35, im Bild), Leiter eines Luxusbekleidungsgeschäfts:
»Russland bricht total weg. Im Herbst sind die russischen Kunden von einem Tag auf den andern nicht mehr aufgetaucht. Ich bin gespannt, ob die Araber im Frühjahr kommen.«
Ulrich Wickert (66), Autor:
»Der Tanz um das Goldene Kalb ist vorbei. Die Gier ist ein Laster, sie wird sogar zu den sieben Todsünden gezählt - aber das Wort Gier ist in den letzten Jahren zu dem scheinbar positiven Begriff »Profitmaximierung« umgedeutet worden.«
Martin Germer (52), Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin:
»In der Bibel steht: »Sorgt euch nicht um den morgigen Tag.« Ich habe als Pfarrer ein regelmäßiges Gehalt. Von daher betrifft die Krise mich tatsächlich nicht unmittelbar.«
Amelie Nowak (30), Obst- und Gemüsehändlerin:
»Die Leute kaufen vorsichtiger. Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln oder Zwiebeln gehen immer, aber Luxusartikel wie Artischocken oder bestimmte Pilzsorten nicht.«
Eckart Witzigmann (67, im Bild), Koch:
»Wer bei den täglichen Horrormeldungen keine Angst bekommt, muss eine Hornhaut um seine Empfindungen tragen.«
(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Smudo, Rapper: »Ich denke, bis 2010 gilt: Hintern zusammenkneifen.«)
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