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aus Heft 41/2010 Frauen

Dein Reichtum komme

Meike Winnemuth 

Gleichberechtigung? Führungsjobs? Brauchen Frauen gar nicht. Sie haben was viel Besseres: Geld.



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Wenn man in den letzten Jahren Zeitung gelesen hat, könnte man den Eindruck haben, die Sache mit den Frauen sei ein bisschen ins Stocken geraten. Sicher, die eine oder andere Bastion war gefallen – der erste weibliche Beefeater im Londoner Tower seit 1485, ein paar weibliche Staatsoberhäupter und Firmenbosse, alles ganz nett, aber sonst? Dabei ist gerade in aller Stille etwas in vollem Schwung, was der Economist »eine der erstaunlichsten Revolutionen der letzten 50 Jahre« nennt, eine seismische Verschiebung, die schon in wenigen Jahren zu einem Erdbeben führen könnte: Frauen übernehmen die Macht in einem Bereich von derart universaler Bedeutung, dass sogar Männer allmählich aufhorchen – beim Geld.

Weltweit verfügen Frauen heute über Einkommen von insgesamt 13 Billionen Dollar – in nur fünf Jahren werden es schon 18 Billionen sein – und damit über eine Wirtschaftsmacht, die mehr als doppelt so groß ist wie die Chinas und Indiens zusammen: »der größte Wachstumsmarkt in der Geschichte des Planeten«, wie Michael Silverstein von der Boston Consulting Group sagt. In den USA sind erstmals mehr Frauen als Männer berufstätig, in Deutschland sind von den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 46 Prozent weiblich. In deutschen Doppelverdienerhaushalten verdient die Hälfte der Frauen so viel wie der Partner, 31 Prozent aller Frauen sind Haupteinkommensbezieher. Auch die Einkommensschere schließt sich: Das Pro-Kopf-Nettoeinkommen von Frauen ist von 1974 bis 2007 mehr als doppelt so stark gestiegen wie bei Männern, wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft errechnete: um 24 Prozent, bei Männern um 11 Prozent. 1974 erwirtschafteten die Männer noch drei Viertel aller Nettolöhne, 2007 waren es nur noch zwei Drittel.

Und die Umschichtung beginnt gerade erst, Fahrt aufzunehmen. In der EU sind sechs der acht Millionen Arbeitsplätze, die seit 2000 neu geschaffen wurden, in Frauenhand. In den USA sind von den 15 Berufsfeldern, die in den nächsten zehn Jahren den größten Arbeitskräftebedarf haben werden, alle bis auf zwei von Frauen dominiert, vor allem solche im Gesundheits- und Sozialwesen. Auf einigen Gebieten ist bereits eine kritische Masse erreicht, die für ganz neue Spielregeln sorgen wird: In Deutschland sind 70 Prozent der Medizinstudienanfänger und 60 Prozent der Absolventen Frauen.

Vorangetrieben wird die rasante Entwicklung durch den technologischen Fortschritt. Früher machte man durch heldenhaftes Stundenabsitzen im Büro Karriere, was Mütter fast automatisch irgendwann aus dem Spiel kegelte, heute sind Frauen durch flexible Jobkonten und Telearbeit konkurrenzfähig wie nie und ohnehin für das postindustrielle Kommunikations- und Dienstleistungszeitalter oft besser gewappnet als die Männer. Das zahlt sich aus: Je höher der Frauenanteil in einem Unternehmen, das ergab eine McKinsey-Studie, desto höher das Betriebsergebnis.

Bekannt geworden ist etwa das Experiment von René Mägli, dem Leiter der Schweizer Niederlassung von MSC, der zweitgrößten Reederei der Welt: Er stellt ausschließlich Frauen ein, derzeit arbeiten rund 80 für ihn, den einzigen Mann im Betrieb. »Frauen sind schlicht bessere Dienstleister. Unser Geschäft ist hektisch, da muss man Prioritäten setzen. Frauen können das besser.« Der Erfolg gibt Mägli recht: In den letzten zehn Jahren ist der Umsatz der Agentur jährlich um 25 Prozent gestiegen. »Die Entwicklung mag noch langsam und holprig sein, aber sie ist unmissverständlich: Im modernen Wirtschaftsleben werden auf Dauer die Frauen die Karten in der Hand haben«, schrieb The Atlantic im Juli in einer Titelgeschichte über »Das Ende der Männer«.

Der Aufstieg der Frauen ist ein globales Phänomen. In China gehören 40 Prozent der Firmen Frauen. Im Iran sind mehr als 50 Prozent der Studenten weiblich. In England wird es innerhalb der nächsten zehn Jahr mehr weibliche als männliche Millionäre geben. Und deutsche Frauen werden in den kommenden Jahren Schätzungen zufolge über ein Erbe von einer Billion Euro verfügen – und das in völliger Freiheit. Fast unglaublich, dass noch vor einer Generation das ganze Vermögen einer Ehefrau laut BGB »der Verwaltung und Nutznießung des Mannes unterworfen« war. Bis Ende der Sechzigerjahre durfte eine Frau nur mit Genehmigung des Gatten ein Bankkonto eröffnen, bis 1977 konnte der Mann seiner Frau verbieten zu arbeiten, sollte sie die »Hausfrauenpflichten« vernachlässigen. Zwischen Eigentum sein und Eigentum haben liegt historisch nur ein Wimpernschlag.
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Meike Winnemuth

, 50, vermutet, dass die große Geldumschichtung erst noch kommt – wenn dank demografischer Entwicklung und Fachkräftemangel massiv um gut ausgebildete Frauen geworben wird. Plötzlich wird es sogar genügend Ganztagskindergärten geben...

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