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aus Heft 19/2012 Sport

So sehen Sieger aus

Gabriela Herpell  Fotos: Reinhard Hunger

Keiner wollte sie haben - jetzt gewinnt Danedream jedes Rennen. Die märchenhafte Geschichte der grauen Maus, die zum besten Rennpferd der Welt wurde.


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Wenn ein kleines, deutsches Pferd das wichtigste Galopprennen der Welt gewinnt, ist das eine ziemliche Sensation. Und wenn keiner vorher an dieses Pferd geglaubt hat, dann klingt die Geschichte der kleinen Stute Danedream wie die des Galoppers Seabiscuit: fast zu schön, um wahr zu sein.

An den amerikanischen Hengst Seabiscuit, das wohl berühmteste Pferd der Geschichte, erinnern ein lebensgroßes Denkmal, ein Buch sowie zwei Filme. Der zweite heißt Seabiscuit - Mit dem Willen zum Erfolg. Er wurde 2003 für sieben Oscars nominiert. Natürlich handelt der Film auch davon, wie sehr das Genie des Hengstes verkannt wurde. Vor allem aber geht es darum, dass Menschen von seinen Siegen profitiert haben, die nicht im Geld schwammen, sondern für die das alles ein Riesenglück war.

Wie bei Danedream. Nur dass es von ihr noch kein Denkmal gibt. Keine Bücher, keine Filme. Aber das kann ja noch kommen.

Danedream ist eine kleine Vollblutstute mit allerweltsbraunem Fell, die schwarze Mähne und der Schweif sind beinahe spärlich. Auf Stirn und Nase hat sie je ein weißes Abzeichen, man nennt sie Stern und Schnippe. Wenn sie nicht gerade ein Rennen läuft, steht sie seelenruhig da, lässt den Kopf hängen, wirkt eher träge als dynamisch.

Auch Seabiscuit war klein und braun und nicht ideal gebaut. Er hatte zwar eine gute Abstammung, war aber faul und gefräßig und lief auf seinen ersten Rennen den anderen Pferden hinterher. Für 8000 Dollar kaufte ein Autohändler den Hengst, der dann zum erfolgreichsten Rennpferd der Welt und vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise in den Dreißigerjahren zum Symbol der Hoffnung für die Amerikaner wurde. Sein Schicksal verhieß: Jeder kann es schaffen.

Danedreams Vater ist Lomitas, einer der besten deutschen Hengste im Rennsport und Galopper des Jahres 1991. Trotz dieser Abstammung erreichte die kleine braune Stute nicht einmal das Mindestgebot von 9000 Euro, als sie vor zwei Jahren auf der Frühjahrsauktion in Baden-Baden angeboten wurde. Unverkauft wurde sie wieder aus dem Ring geführt.

Am Abend rief ihr Trainer, der Kölner Peter Schiergen, seinen Freund Heiko Volz an. Volz ist Möbelhändler im badischen Ort Achern. »Heiko«, sagte er, »das ist ein Spaßpferd, damit gewinnst du ein paar kleine Rennen, verkaufst es wieder und verdienst vielleicht ein paar Tausend Euro.« Im Internet machte Heiko Volz sich ein Bild von der Stute. Er war nicht sonderlich interessiert. Aber Peter Schiergen ließ nicht locker, und später am Abend kaufte Heiko Volz zusammen mit seinem Vater Helmut Volz Danedream. Für 9000 Euro, das Mindestgebot. Mehr, sagt Heiko Volz, hätten sie auch nicht bezahlt. Weil sie nach wie vor nicht begeistert waren. Und weil sie auch für beeindruckendere Pferde nicht viel mehr bezahlen. Das ist so ihre Preisklasse.

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Gabriela Herpell

begleitete den Fotografen Reinhard Hunger zum Termin und dachte, ein Pferd sei ein Pferd, auch wenn es jetzt ungeheuer viel wert ist. Also fütterte sie Danedream eine Biokarotte - und wurde fast dafür gelyncht: Was, wenn das Pferd jetzt auf Doping getestet wird und die Biokarotte etwas Verbotenes enthalten hatte?

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